Spätestens seit der Einführung des "Turbo-Abiturs" boomt der Nachhilfemarkt. Davon profitieren auch dubiose Anbieter: Sogar die NPD und Scientology wollen mitmischen.
Der Nachhilfemarkt boomt. Früher waren es vor allem Lehrer, Studenten oder einfach ältere Schüler aus der Nachbarschaft, die sich mit Nachhilfestunden nebenher ein wenig Geld verdienten.
Nachhilfe: Wissenschaftler beklagen das Fehlen bundesweiter Anforderungen an die Qualifikation der Helfer. (© Foto: ddp)
Anzeige
Heute kommen laut Studie des Berliner Bildungsökonomen Dieter Dohmen bundesweit rund 3000 kommerzielle Nachhilfeschulen hinzu. Neben bundesweiten Filialketten von Großanbietern, die zum Teil mit eigenen Prüfsiegeln werben, verweist Dohmen in seiner Studie für das Bundesbildungsministerium auch auf einige "zweifelhafte Anbieter", die etwa in Verbindung zur Scientology-Sekte stünden - oder in Sachsen zur NPD.
Den Jahresumsatz auf dem Nachhilfemarkt beziffert Dohmen bundesweit mit 0,9 bis 1,2 Milliarden Euro - bei einem schwer kalkulierbaren "Graubereich zwischen Nachbarschaftshilfe und Schwarzarbeit" bei Privatanbietern. Der Wissenschaftler wie auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) beklagen vor allem mangelnde Qualitäts-Transparenz auf dem Nachhilfemarkt sowie das Fehlen bundesweiter Anforderungen an die Qualifikation des Personals.
Erleichterte Regeln
"Jeder Wirt kommt erst auf den Prüfstand der Behörde, bevor er eine Schankerlaubnis bekommt", kritisiert die GEW-Vizevorsitzende Marianne Demmer. Für den Betrieb einer Nachhilfeschule reicht dagegen das bloße Anmelden eines Gewerbes. Und zusätzlich gibt es sogar noch erleichterte Regeln für die Befreiung von der Umsatzsteuer.
Dabei übernimmt der private Nachhilfemarkt laut Demmer immer mehr "eigentliche Pflichtaufgaben der Schulen" wie etwa das Ausbügeln von Lernschwächen oder die individuelle Förderung der Einzelnen. Wenn dieser Markt aber immer mehr "als kommerzielles Nebenschulsystem am Nachmittag fungiert", müsse er nach dem Grundgesetz auch der staatlichen Schulaufsicht unterstellt werden, argumentiert die Gewerkschafterin.
Steigende Anmeldezahlen
Die in Deutschland nach wie vor vorrangig verbreitete Halbtagsschule, der frühe Auslesedruck nach meist nur vier gemeinsamen Grundschuljahren, neue Hürden beim Übergang von der neunten oder zehnten Klasse in die gymnasiale Oberstufe sowie das in einigen Bundesländern überhastet eingeführte "Turbo-Abitur" nach acht Jahren Gymnasium - das alles sorgt für steigende Anmeldezahlen bei den kommerziellen Instituten.
Laut Dohmen wird heute nicht nur dann zur bezahlten Nachhilfe gegriffen, wenn etwa die Versetzung gefährdet ist oder gar eine Rücküberweisung vom Gymnasium zur Hauptschule droht. Immer häufiger versuchen ohnehin schon gute Schüler, mit bezahlter Nachhilfe ihren Notenschnitt im Zeugnis noch weiter zu verbessern - in Sorge um die gewünschte Lehrstelle oder mit Blick auf den schärfer gewordenen Numerus clausus bei der Studienplatzvergabe und das stärkere Studenten-Auswahlrecht der Universitäten. Mit dem Titel "Erkaufte Bildungschancen" hatte Rüdiger-Philipp Rackwitz bereits 2005 seine Untersuchung zum deutschen Nachhilfemarkt überschrieben.
Auf der nächsten Seite: Was Nachhilfe kostet - und was sie wirklich wert ist.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Nebenjob Nachhilfe Ich unterrichte 07.03.2007
- Serie: Armut in Deutschland (5) "Ich mach später mal Hartz IV" 15.07.2008
- Bildung und soziale Herkunft "Es gehen zu viele Talente verloren" 07.07.2008
- Schulreformen "Ich wundere mich, wie wenig zukünftige Lehrer wissen" 26.05.2008
- Grundschule "Eltern rasten aus" 28.04.2008
- Lehrerin verklagt Schülerin Wegen Hasenzeichnung vor Gericht 19.05.2010
- Schulmanagement Ein Assessment-Center für Schulleiter 17.05.2010
65. Filmfestspiele Cannes
Frau Demmer fordert in dem Artikel Qualitätsstandards und Kriterien, die in der
Praxis schon längst umgesetzt werden. Zumindest von den privaten
Bildungsdienstleistern, die Mitglied im Bundesverband Nachhilfe- und
Nachmittagsschulen e. V. (VNN e. V.) sind. Ich kann Eltern und Schülern nur
empfehlen sich an eine solche Nachhilfeeinrichtung zu wenden. Hier können Sie
sicher sein, dass Sie Qualität erhalten. Knebelverträge wie von Frau Demmer
beschrieben finden Sie hier genauso wenig wie ständig wechselndes Lehrpersonal.
Stattdessen Qualitätsmanagementsysteme, kostenlose Probestunden um sich selbst
ein Bild von der kompetenten Arbeit der Nachhilfelehrer zu machen und sehr
individuelle Förderung, regelmäßige Gespräche mit den Eltern.
Nicht die Nachhilfe-Institute schaffen die Bildungsungerechtigkeit, das deutsche
Schulsystem benachteiligt Kinder aus bildungsfernen Familien und ist geprägt von
einer geringen Durchlässigkeit für weniger privilegierte Schichten. Das hat PISA
gezeigt.
Immer mehr Eltern erkennen den Wert von Bildung und sehen, dass ihr Kind in der
Schule oft nicht individuell genug gefördert werden kann. Viele Eltern suchen
daher Hilfe durch Nachhilfe. Mehrere Studien zeigen, dass der Nachhilfemarkt nur
zu einem Drittel von den sogenannten kommerziellen Anbietern abgedeckt wird. Der
Rest wird von Schülern, Studenten und Lehrern bedient, die völlig unkontrolliert
alles anbieten können. Darüber verliert Frau Demmer hier kein Wort. Dass
Nachhilfe Geld kostet, wird aber allgemein nur den Nachhilfeinstituten
angekreidet, nicht etwa den Privatpersonen, die ihre Hilfe zu weit höheren
Stundenpreisen anbieten als viele Institute. Auch ist die Qualität dieser
privaten Nachhilfe sehr viel schlechter zu überprüfen, während die Arbeit der
VNN-Institute sehr transparent und überprüfbar ist.
Es ist scheinheilig für die privaten Bildungsdienstleister Qualitätskriterien zu
fordern, die das Personal, das in der öffentlichen Schule für die
Nachmittagsbetreuung zuständig ist, oft nicht erfüllt. In den öffentlichen
Schulen scheint es für Frau Demmer in Ordnung zu sein, dass die zusätzliche
individuelle Förderung von älteren Schülern oder Studenten übernommen wird.
VNN e. V.
Bundesverband Nachhilfe- und Nachmittagsschulen e.V.
www.nachhilfeschulen.org
Okay, akzeptiert. Und unsere unterschiedlichen Meinungen können wir ja gut vertreten, gehört ja auch dazu.
OK, Sie haben recht damit, daß ich mich unverschämt verhalten habe. Ich möchte mich hiermit entschuldigen. In den anderen Belangen driften unsere Meinungen aber dennoch etwas auseinander. Wir wollen zwar beide das Beste für die Kinder, ich für meinen Teil gehe allerdings mit weniger Vorsicht an die Sache, weil ich möchte, daß Kinder möglichst viele Erfahrungen selber sammeln können.
Ich widerspreche mir nicht. Mir ging es lediglich darum Ihnen näher zu bringen dass Sie sich Ihre Befürchtungen im Prinzip sparen können, wenn es um meine Werte geht. Weil es einfach unverschämt ist, zu behaupten es wäre schlimm für die Kinder wenn ich meine persönlichen Werte vermittle. Die Sie nicht kennen können, sondern die Sie lediglich aus meinen Kommentaren "herauslesen".
Zitat: "...und bei diesen Kindern habe ich auch keine Befürchtungen dass sie auf die schiefe Bahn kommen."
Jetzt widersprechen Sie sich aber! Sie schrieben doch vorher: "Daß Kinder auf die falsche Bahn kommen können, egal wie gut man die eigenen Werte vermittelt, ist bekannt."
Paging