Die Nachhilfe soll es retten: Bevor das Schuljahr zu Ende geht, schicken besorgte Eltern ihre Kinder zum Zusatzunterricht. Das kann auch danebengehen.
Es ist ein Milliardengeschäft: Weil nicht alle Eltern mit den Noten ihrer Kinder zufrieden sind, müssen in den Wochen bis zum Zeugnistermin verstärkt Nachhilfeprofis ran. Bundesweit bekommen mehr als eine Million Schüler Nachhilfe, hat die Bertelsmann-Stiftung errechnet. Dafür geben Eltern bis zu 1,5 Milliarden Euro im Jahr aus.
Nachhilfe in der Gruppe ist meistens günstiger als Einzelunterricht. Doch der Schein trügt. (© Foto: AP)
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Nichts überstürzen
Sie sollten aber auf keinen Fall überstürzt in die erstbeste Nachhilfe investieren. Simone Vintz von der Stiftung Warentest rät, gezielt auf Qualität zu achten. Sonst seien die teuren Zusatzstunden am Ende doch vergebens. Vertragliche Fallstricke gebe es zuhauf, mahnt auch Tatjana Halm, Juristin der Verbraucherzentrale Bayern, zur Vorsicht: Bei der Anmeldung zur Internet-Nachhilfe müsse zudem auf versteckte Kosten gesehen werden. Sonst landen Eltern womöglich noch in einer Abo-Falle.
Mathe, Physik, Deutsch, Englisch oder Latein: Fürs Büffeln in der Gruppe verlangen Nachhilfe-Institute im Schnitt etwa zehn bis zwölf Euro pro Schulstunde. In einen Einzellehrer müssen häufig ab zwölf Euro aufwärts investiert werden, je nach Ausbildung und Erfahrung. Trotzdem kann der Gruppenunterricht unterm Strich teurer sein als individuelle Privatstunden, sagt Vintz.
Versteckte Abos
Was die Nachhilfe-Institute oft kostspieliger macht, ist die Unterrichtsdauer von 45 Minuten, also einer Schulstunde. Wird die Nachhilfe privat zu Hause organisiert, bleiben Nachhilfelehrer oft eine Stunde lang. Zudem müssen Eltern mit ihnen keinen festen Vertrag abschließen, betont Vintz. Mit den Instituten schon.
Große Anbieter haben oft nur eine Mindestlaufzeit ab einem halben Jahr im Angebot. Wird nicht rechtzeitig gekündigt, verlängert sich der Vertrag automatisch, meist um einen Monat. Auch die Ferienzeit muss teilweise mitbezahlt werden. Dazu kommt in der Regel eine Aufnahmegebühr von meist 35 Euro oder mehr. "All das fällt bei einem Privatlehrer weg", sagt Expertin Vintz. Die Kosten sollten daher sorgfältig verglichen werden. Ins Gewicht fällt aber auch die Qualität des Zusatzunterrichts.
Keine Zeit für individuelle Lücken
Im Gruppenunterricht werden üblicherweise drei bis fünf Schüler zur gleichen Zeit betreut, oft aus verschiedenen Klassenstufen zusammengewürfelt. Der Privatlehrer ist dagegen nur für ein Kind da und kann auf seine individuellen Lücken gezielt eingehen. "Für die einen Schüler kann der Gruppenunterricht sinnvoll sein, wenn sie sich im größeren Kreis gut aufgehoben fühlen, für andere ist ein Privatlehrer die weitaus bessere Lösung", sagt Vintz.
Wer unsicher ist, sollte den Nachwuchs erst einmal in den kostenlosen Probeunterricht schicken, den viele Nachhilfe-Institute anbieten. Auf Probe kann auch ein privater Lehrer engagiert werden. Auf keinen Fall sollten Eltern die Nachhilfe über den Kopf des Kindes hinweg organisieren. "Das bringt nur Verdruss und kommt teuer zu stehen", so die Fachfrau.
Kostenfalle Internet
Vorsicht ist bei den unzähligen Nachhilfe-Angeboten im Internet ratsam. Fürs Online-Lerntraining mit Videos und Tests zum Schulstoff können monatliche Gebühren von acht Euro und mehr anfallen. Auch große Verlage haben sich seit längerem schon auf Lernsoftware für Schüler spezialisiert, die im Netz abrufbar ist. Nur die wenigsten Offerten im Internet sind allerdings tatsächlich kostenfrei, obwohl das oft vollmundig angekündigt wird.
Juristin Halm rät Eltern, beim Anklicken von speziellen Nachhilfeseiten unbedingt auf der Hut zu sein: Fällt auf den ersten Blick nicht auf, dass der Service kostenpflichtig ist, kann man sich schnell ein Abonnement für ein bis zwei Jahre Laufzeit einhandeln. Zudem werden Preishinweise auf vermeintlichen Gratis-Seiten gern versteckt, sagt Halm: "Muss der Nutzer bei der Anmeldung persönliche Daten angeben, sollte er immer gleich nach den Kosten Ausschau halten."
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(SZ vom 18.5.2010/holz)
Umweltstiftung WWF in der Kritik
Ich finde es gut, wenn in Artikeln wie diesem zu Achtsamkeit aufgerufen wird, da ich selbst auf OberPrima.com kostenfreie Nachhilfevideos veröffentliche und mir ein gleichberechtigter Zugang zu privaten Bildungsangeboten, der also nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängt, wichtig ist.
"Nur die wenigsten Offerten im Internet sind allerdings tatsächlich kostenfrei, obwohl das oft vollmundig angekündigt wird. Juristin Halm rät Eltern, beim Anklicken von speziellen Nachhilfeseiten unbedingt auf der Hut zu sein:
...
"Muss der Nutzer bei der Anmeldung persönliche Daten angeben, sollte er immer gleich nach den Kosten Ausschau halten." "
Ich kann nur unterstreichen, dass bei einem kostenfreien Zugang persönliche Daten nicht benötigt werden.
Hier wäre es toll gewesen, wenn näher auf "persönliche Daten" eingegangen worden wäre. Spontan fallen mir dabei ein: (Rechnungs-)Anschrift, Kontoinformationen...noch etwas?
Eine E-Mail-Adresse, die Zugehörigkeit zu einer Klassenstufe, die Benennung des Bundeslandes aus dem jemand kommt oder die Art der Bildungseinrichtung, die jemand besucht gehören für mich nicht zu den persönlichen Daten. Diese können hilfreich sein, um gezielt auf Fragen antworten zu können.
Vielen Dank für den Gedankenanstoß
LG
OLaf