Von Tobias Kuhlmann

Der Nachhilfe-Markt boomt: In Deutschland nimmt etwa jedes vierte Kind im Laufe seiner Schulzeit Nachhilfe. Selbst gute Schüler gehen zunehmend zum Privat-Lehrer.

Schon den Umzug nach Berlin hatte Fabiola nur widerwillig mitgemacht. Und dann fehlte ihr an der neuen Schule auch noch ein Jahr in Latein, schnell sackte sie auf die Note Fünf. "Wir haben richtig mitgelitten", sagt ihre Mutter Annette Tscherpel. "Gern hätte ich selbst geholfen, doch bei Siebtklässlern sind die Eltern dafür wohl die falschen." Also engagierte die Familie eine professionelle Nachhilfe. Jetzt, zwei Jahre später, steht in Latein eine Drei auf dem Zeugnis.

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Jeder vierte Schüler hat laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung schon einmal Nachhilfe genommen. Der Bundesverband für Nachhilfe- und Nachmittagsschulen (VNN) schätzt, dass jährlich eine Milliarde Euro auf diesem Markt umgesetzt werden. Umzugsopfer wie Fabiola sind da nur ein kleiner Teil der Kundschaft.

Als Gründe für den Nachhilfe-Boom nennen Experten Vermittlungsdefizite in den Schulen, aber auch Probleme in den Familien und die Wirtschaftslage. Wegen der hohen Arbeitslosenzahlen sind viele Eltern verunsichert - einige wollen nicht nur Schwächen ausbügeln, sondern ihren Kindern auch einen Vorsprung vor den Mitschülern verschaffen. Selbst gute Schüler würden zunehmend Nachhilfe nehmen, sagt Cornelia Sussieck vom Nachhilfeverband.

Die Nachhilfe beginnt auch in immer jüngeren Jahren. Schon bei den Kleinen gebe es einen großen Bedarf, sagt Johanna Isoardo. In ihren Studienkreis in München kommen bereits Zweitklässler. Isoardo bereitet diese Entwicklung Sorgen: "Eigentlich soll Nachhilfe nur über einen kürzeren Zeitraum Schwächen ausgleichen. Wenn die Kinder schon in der zweiten Klasse kommen, wie werden sie es dann schaffen, selbständig zu lernen?"

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