Nachdem Barbara E. den Rechtsstreit um ihre Kündigung wegen 1,30 Euro verloren hat, sorgt nun ein zweiter Fall für Furore: Nun trifft es eine Bäckereiverkäuferin.
Eine Verkäuferin einer Bäckereifiliale in Friedrichshafen am Bodensee ist nach Pressinformationen entlassen worden, weil 1,36 Euro in der Kasse fehlten. Laut Südkurier hat die 40-Jährige nach einem Vergleichsvorschlag des Arbeitsgerichts Ravensburg eine ordentliche Kündigung erhalten.
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Fehlbetrag in der Kasse: Eine Verkäuferin ist entlassen worden, weil 1,36 Euro in der Kasse fehlten. (© Foto: ddp)
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Der Arbeitgeber hatte zuvor eine fristlose Kündigung ausgesprochen. Ihr Chef hatte zwei Detektive eingesetzt, um Unregelmäßigkeiten aufzuspüren. Diese hatten festgestellt, dass mal zu viel und mal zu wenig Geld in der Kasse war. Einmal fanden sie einen Fehlbetrag von 1,36 Euro.
Streit zwischen Politik und Justiz
Abweichungen nach oben und nach unten in der Kasse waren nach Feststellungen des Arbeitsgerichts offenbar an der Tagesordnung, wie das Blatt ferner schrieb. Auf das Angebot ihres Arbeitgebers, eine Unterschlagung zuzugeben, wenn er auf eine Anzeige verzichtete, war die Verkäuferin nicht eingegangen.
Erst am Dienstag hatte das Landesarbeitsgericht Berlin die fristlose Entlassung einer Supermarkt-Kassiererin nach mehr als 30 Jahren für wirksam erklärt. Sie soll zwei Pfandbons über 48 und 82 Cent unterschlagen haben. Das Urteil hatte einen Streit zwischen Politik und Justiz ausgelöst.
(dpa/bön)
Christopher Lee zum 90.
Arbeitrecht
Ich habe vor langer Zeit eine Berufsausbildung in einer Bank absolviert.
Ich weiß, welchen Bammel die Kassierer damals jeden Abend beim Zählen der Kasse hatten. Oft wurden kleinere Fehlbeträge aus dem eigenen Portemonnaie ersetzt, da sonst Sanktionen drohten. Dabei geht es an einer Bankkasse vergleichsweise ruhig zu.
Bei der Hektik in einer stark frequentierten Bäckerei kann es ganz schnell passieren, dass Centstücke falsch herausgegeben werden und es so zu Kassenfehlbeträgen oder -überschüssen kommt.
Dafür jemanden zu kündigen erscheint mir absolut unangemessen. Das steht doch in keinem Verhältnis.
summum ius summa iniuria
ist schon allles sehr bedenklich. die kriese kommt erst noch und die herrschaften haben nichts besseres als den mindestlohn zu torpedieren und den kündigungsschutz aus den angeln zu heben.
ja sind die denn noch ganz bei trost, ich als linker habe gar nicht so viele hände, wie ich sie mir reiben will! wenns hart auf hart kommt fehlt es in diesem lande komplett an einer festen zivilgesellschaft, am mittelbau.
da stehen unsere nachbarn vorm staatsbankrott, ein blick nach irland, island, mit abstrichen auch griechenland reicht doch eigentlich, um abzumessen welch gewaltige sprengkraft gerade sich entwickelt hat. das sind keine bananenrepubliken oder balkanländer, das sind sozusagen welche von uns jaja aber die wehrte gerichtsbarkeit...
...vielleicht sind dies die letzten zeichen der dakadenz.
Die deutsche Rechtsprechung beweist mit solch gearteten Urteilen, dass sie gänzlich die Bodenhaftung und den Blick für Verhältnismäßigkeit verloren hat.
Mal ganz abgesehen davon, dass ich mich frage, wie 100% zweifelsfrei festgestellt werden kann, dass diese Differenzen tatsächlich aufgetreten sind, was glaubt denn ein deutscher Richter, wieviel Zeit eine Kassiererin zum nachzählen erstens der Grundkasse und dann des Wechselgeldes hat?? Die Leute, die da Recht sprechen, haben von der Hektik der heutigen Zeit offensichtlich keine Ahnung.
Schlimmer noch, im Falle von Frau E. reichte ja offensichtlich ein zerrüttetes Vertrauensverhältnis zur Kündigung. Wer hat denn da das Vertrauensverhältnis zerrüttet? Nachgewiesen wurde eine eine Unterschlagung ja offenbar nicht.
Schämt euch, deutsche Richter!!! Jeden wohlbetuchten Banker lasst ihr Gefälligkeitsurteile zukommen, aber wehe dem, der nicht genug besitzt! Selbst ohne nachgewiesene Schuld lasst ihr jene vor die Wand laufen...
...aber ich glaube, ich hätte mich an Stelle der Kassiererin nicht auf einen Vergleich eingelassen.
Ich hätte mich rauschmeissen lassen und mich dann ein paar Tage neben der Bäckereifilliale mit einem Schild hingestellt:
"Gefeuert wegen 1,36 Euro!".
Mal sehen, wie viele Kunden eine andere Bäckerei aufgesucht hätten.
Ich hoffe, es bekommen auch so in Friedrichshafen genug potentielle Kunden dieses Bäckers mit, wie mit den Mitarbeitern umgegangen wird. Und richten ihr Einkaufsverhalten danach.
Paging