Ein Kommentar von Tanjev Schultz

Brauchen Schulen Sicherheitsschleusen und Metalldetektoren? Einen völligen Schutz kann es nicht geben. Lehrer können sich nur bemühen, vieles auszugleichen: zerrüttete Familien, Armut, mediale Verwahrlosung.

Schulen sind verletzliche Institutionen. Sie dürfen keine Bunker sein, sie lassen sich nicht zur Festung ausbauen, ohne dass sie ihre pädagogische Kraft verlieren. Es ist verständlich, wenn nach dem Morden in Winnenden über Sicherheitsschleusen und Metalldetektoren diskutiert wird.

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Mitschüler trauern um die Opfer: Einen völligen Schutz kann es nicht geben, und jede Abwehrtechnik birgt die Gefahr, das Gefühl der Verletzlichkeit nur zu steigern. (© Foto: dpa)

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Aber einen völligen Schutz kann es nicht geben, und jede Abwehrtechnik birgt die Gefahr, das Gefühl der Verletzlichkeit nur zu steigern, statt es zu reduzieren. Wer in den USA eine zur Hochsicherheitsanstalt umgebaute Schule betritt, fühlt sich alles andere als wohl und sicher. Er fühlt sich unbehaust.

Das Gefühl, einer ihm feindlich gesinnten Umwelt ausgesetzt zu sein, mag den Amokläufer zu seiner Tat getrieben haben. Das darf aber nicht dazu führen, dass nun alle die Schule nur noch als Gefahrenzone erleben. Mehr denn je sollten Schulen sich darum bemühen, Orte zu sein, in denen die Schüler Anerkennung erfahren und in denen ein Gefühl der Zugehörigkeit wachsen kann.

Zerrüttete Familien, Armut, mediale Verwahrlosung

Die Schule kann die emotionale Stabilität, die eine Familie bieten sollte, nicht ersetzen. Dennoch kann sie etwas dafür tun, dass Jugendliche einen Sinn im Leben erkennen und sie in der Lage sind, mit Niederlagen und Aggressionen umzugehen.

Nicht für die Schule, für das Leben sollen die Kinder lernen - der alte Spruch gewinnt nach dem Blutbad in der Realschule von Winnenden eine neue, traurige Bedeutung. Schulen sollen nicht nur auf ein Berufsleben vorbereiten; sie sollen den Kindern und Jugendlichen auch helfen, das Leben - ihr Leben und das der anderen - zu bejahen, es zu schätzen und zu schützen. Ist das nicht aber eine Überforderung der Schule?

Viele Lehrer beklagen, sie müssten alles ausgleichen, was in der Gesellschaft schiefläuft: zerrüttete Familien, Armut, mediale Verwahrlosung. Die Klage ist berechtigt, aber die Schule hat gar keine andere Wahl, als sich diesen Problemen zu stellen. Schulen sind keine therapeutischen Einrichtungen; doch die Frage, wie es ihren Schülern geht, können Pädagogen nicht einfach ignorieren.

Das Miteinander an den Schulen stärken

In vielen Grundschulen gibt es einen Morgenkreis, in dem die Kinder auch über sich und ihre Sorgen sprechen können. In den weiterführenden Schulen dagegen fehlen oft die Freiräume für solche Gespräche. Je älter die Schüler werden, desto schwerer fällt es ihnen, Schwächen zu zeigen und mit Niederlagen umzugehen.

Eine Schule, die auf das Leben vorbereitet, müsste das üben. In Heidelberg hat ein Rektor deshalb das Fach "Glück" eingeführt. Was zunächst abwegig klingt, ist gar keine schlechte Idee: Im Fach "Glück" tanzen, musizieren und kochen die Jugendlichen; und sie lernen, über sich und ihre Ängste zu sprechen. Ob man mit solchen Angeboten jemals einen Jugendlichen, der Gewaltphantasien hat, von einer grausamen Tat abhalten kann, ist ungewiss. Aber sie können dazu beitragen, das Miteinander an den Schulen zu stärken und die Sensibilität für persönliche Krisen zu erhöhen.

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  2. Amoklauf: Was können Schulen und Lehrer tun?
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