Wer im Job vorankommen will, ist auf das Vertrauen seiner Kollegen angewiesen. Um das zu bekommen, ist Menschenkenntnis nötig. Die kann man lernen - vielleicht hilft ein Blick auf den Körperbau.
Ein ganz gewöhnlicher Morgen in Ihrem Büro: Ihr Kollege verrät Ihnen, dass die Stelle, die Sie schon lange wollen, demnächst frei werden könnte - hat er aus vertraulicher Quelle. Ihr Chef begrüßt Sie freudig und hört gespannt zu, als Sie ihm eine neue Idee präsentieren - und nimmt sie gleich mit ins wichtige Meeting mit dem Vorstand. So könnte Ihr Alltag aussehen - wenn Ihnen alle Menschen in Ihrem Umfeld vollstens vertrauen.
Bild vergrößern
Nur nicht fallen lassen! Nur wer sich sicher fühlt, vertraut dem Kollegen voll und ganz. (© dpa)
Anzeige
Einer, der sich damit auskennt, sich das Vertrauen der Menschen zu erarbeiten, ist Leo Martin. Der studierte Kriminalwissenschaftler, der eigentlich anders heißt, arbeitete zehn Jahre lang als Agent. V-Leute zu gewinnen, die ihm beim Erreichen seiner Ziele behilflich sind, war Teil seines Arbeitsalltags. Damit auch herkömmliche Angestellte künftig auf ihre V-Leute im Unternehmen zählen können, teilt Martin sein Wissen jetzt in seinem Buch Ich krieg dich! Menschen für sich gewinnen - Ein Ex-Agent verrät die besten Strategien (Ariston Verlag) mit der Öffentlichkeit.
Sein Tipp Nummer eins: eine positive Ausstrahlung zulegen. Wer morgens missmutig durchs Büro stapft, ist sicherlich nicht der erste Ansprechpartner für die Kollegen oder den Chef - auch dann nicht, wenn es um die nächste Beförderung geht. "Wenn ich Menschen für mich gewinnen will, ist das keine attraktive Haltung", sagt Martin.
Zweiter Schritt auf dem Weg zum Vertrauen der Kollegen: sich selbst ein klares Profil verleihen. "Der andere muss wissen, worauf er sich einlässt. Vertrauen kann ich nur jemanden, von dem ich weiß, woran ich bin. Das gibt mir das Gefühl von Sicherheit." Kollegen und Chef sollten also deutlich sehen, welche Ziele man verfolgt - oder zumindest das Gefühl haben.
Notwendig: ein Perspektivwechsel
Wenn die anderen wissen, woran sie sind, ist das schon mal gut. Aber fast noch wichtiger für ein gutes Miteinander ist das eigene Verständnis für die Kollegen. Wer sie durchschaut, kann sie erst recht für sich gewinnen. Dieser Meinung ist auch Martin Betschart. Der Schweizer Management-Trainer veröffentlichte zuletzt ein Buch mit dem Titel Ich weiß, wie du tickst - Wie man Menschen durchschaut (Orell Füssli Verlag).
Seiner Meinung nach essentiell für die gute Stimmung im Büro: Gespür für die Bedürfnisse des Gegenübers. "80 Prozent aller Konflikte entstehen, weil wir von uns selbst ausgehen." Was eigentlich längst selbstverständlich sein sollte, sieht auch Ex-Agent Martin als Problem: "Ich muss die aufrichtige Bereitschaft mitbringen, für einen Interessenausgleich zu sorgen. Ich muss sowohl meine als auch die Interessen des anderen sehen. Wir tappen oft in eine psychologische Falle und sehen nur unsere Ziele, aber wir müssen auch mal einen Perspektivenwechsel einnehmen", sagt er.
Beim Kollegen von nebenan, den man einfach nicht ausstehen kann, ist das nicht immer ganz einfach - aber manchmal kann auch sein Vertrauen wichtig sein. Also: "Wenn mir jemand unsympathisch ist, suche ich nach zwei oder drei Punkten, die ich trotzdem wertschätzen kann. Der grummelige Nachbar kann zum Beispiel durchaus ein toller Opa für seine Enkelkinder sein", rät Martin. Dass man sich selbst ab und zu anpassen und den Gepflogenheiten des Gegenübers folgen muss, um an den anderen heranzukommen, ist für ihn ein überwindbares Übel.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 3 nächste Seite
- Frauen in Chefpositionen "Plötzlich war ich Luft" 11.02.2011
- Aggressionen im Job Lass es raus, Kollege! 20.04.2011
- Schlechtes Benehmen im Büro Intime Bekenntnisse im Fahrstuhl 27.04.2011
- Test: Was für ein Kollege sind Sie? Prädikat: Nervensäge 18.04.2011
- Führungsspitzen Gut geklaut ist halb gewonnen 21.02.2011
- Neuer Job Auf Kuschelkurs mit Kollegen 28.12.2010
- "Trägst du eigentlich Unterwäsche?" Anzüglichkeiten im Kopierraum 09.09.2010
Eurovision Song Contest
Ich finde meine Vorredner nehmen das ganz zu ernst. Ob es nun ok ist oder nicht, wir werden ständig hinters Licht geführt. Wenn wir Brötchen kaufen, werden wir doch schon von der Verkäuferin gegängelt. Leute wie Leo Martin helfen uns doch nur dabei, nicht wie völlige Deppen durchs Leben zu rennen.
Ich sehe mir den Typen mal selbst an, am kommenden Samstag, beim Afa-Zukunftskongress in Berlin. Dort tritt er nämlich mit Peer Steinbrück und Reiner Calmund auf und verrät 7 Möglichkeiten einen Lügner zu enttarnen. Ob er nur ne Luftnummer ist kann ich ja dann hier berichten. Hoffe er tritt vor Herrn Steinbrück auf, damit ich den Profipolitiker gleich mal auf Herz und Nieren prüfen kann ;)
So sieht unsere Gesellschaft aus? Man heuchelt Respekt um seine eigenen Ziele zu erreichen. Man kategorisiert Menschen nach ihrem Aussehen in drei Schubladen. Wie kann man einen der Typen am besten für seine egoistischen Ziele gewinnen? Alles andere ist Zeitverschwendung auf dem Weg nach ganz oben - das unheimlich erstrebenswerte materielle Glück. Menschen als Trittsteine dorthin. Gut ist, wer nützt, zumindest für den Zeitraum in dem ich von ihm profitieren kann... Ist das wahr?
... von dem ich weiß, woran ich bin."
Und das von einem Geheimdienstler. *ROFL*
Einen Schlapphut bewerben, der V-Leute produziert: SZ, das ist absolut eklig!!!
Wie man hier in der Kommentaren erkennt, war es wohl nicht so glücklich, unterschiedliche Menschenkenntnis-Experten bzw. -"Experten" in einem Artikel zu verwurschteln. Der eine hat jahrelang erfolgreich V-Leute für den Geheimdienst gewonnen, was tatsächlich ohne Menschenkenntnis nicht denkbar ist. Der andere vermarktet wohl hauptsächlich sich selbst und kommt mit angestaubten Theorien über körperliche Merkmale daher, die angeblich etwas über Charakterzüge aussagen. Diese Theorie ist übrigens nicht "wissenschaftlich umstritten", wie der Artikel nahelegt, sondern rundheraus widerlegt. Ich stelle nicht in Abrede, dass der Herr dennoch Erfolg haben könnte, was aber wohl vor allem daran liegt, dass jeder sowohl auf Anerkennung, soziale Wärme als auch gute rationale Argumente anspringt, egal welche Form seine Nase hat.
Auch wenn ich den Ansatz "Leo Martins", das Vertrauen des Gegenüber, nun ja, zu erschleichen anstatt ehrlich zu gewinnen, kritikwürdig finde, ist es nicht fair, ihn in einem Artikel mit diesem Esoterik-Typen zu stecken. Sorry, aber Leute aufgrund ihrer Physiognomie in Charakterschubladen zu stecken, ist nicht nur widerlegbarer Unsinn sondern auch ziemlich faschistisch.
... irgendwie kommt mir der Artikel und der Inhalt bekannt vor - Ex-Agent gibt Tipps zu allen Lebenslagen im Büro. Auch zum Thema Bewerbung kam das schon mehrfach, war da nicht das mit dem Ex-FBI-Typen?(sueddeutsche.de/karriere/interview-fbi-agent-ueber-koerpersprache-unsere-fuesse-sagen-immer-die-wahrheit-1.1018607) ....
.
Ist das immer wieder die gleiche Geschichte, die da neu aufgebrüht wird oder verkauft sich das Buch des Menschen so schlecht daß er ewig beworben werden muß? Oder ist es tatsächlich so, daß alle Ex-Agenten neuerdings Berufsberater werden?
Paging