Bloß nicht negativ auffallen

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Sieht ein Kollege genauso aus wie der andere, ist das ein äußeres Zeichen für Firmentreue und absolute Loyalität: "Ja!", soll das heißen, "dieser Job ist unsere Berufung und wir machen gerne Überstunden in diesem Laden!" Der Kollege passt sich an, nimmt die Firmengepflogenheiten an und unterwirft sich den ungeschriebenen Gesetzen, die im Unternehmen herrschen. Nie würde es ein Jurist wagen, ohne Krawatte bei einer Versicherung aufzutauchen - geschweige denn in Turnschuhen!

Genauso würde ein Sozialpädagoge wie ein Aussätziger behandelt, der sich in einen dunklen Anzug schmeißt und so zum "After-Work" mit den Kollegen in die Stammkneipe geht. Denn auffallen könne ja auch heißen, negativ aufzufallen, aufmüpfig zu sein, und das gilt es um jeden Preis zu vermeiden. Die Kunst ist, sich sicher auf dem schmalen Grad von Konformität und Unauffälligkeit auf der einen Seite und einem klitzekleinen Funken Individualismus auf der anderen zu bewegen. Aber das Zeichen von Persönlichkeit sollte keinesfalls aus mehr als einem Accessoire bestehen. Sonst heißt es ganz schnell: "Was hast du denn an?"

So bevölkern die Büros lauter kleine Chef-Ableger. Sie sehen nicht nur gleich aus, sondern reden auch noch ähnlich: Zwei Drittel ihres Wortschatzes bestehen aus Anglizismen, das letzte Drittel wird mit "ähs" und Füllworten bestückt: Die ganzen Fashion Victims stylen sich irgendwie, äh, alle total so im Outfit der Corporate Identity, bis sie voll aussehen wie gepimpte Business-Klone de luxe.

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(sueddeutsche.de/mri)