Unfähig - nicht kompetent, harmlose Heidi statt toughe Geschäftsfrau? Manche Kollegen wissen genau, wie sie anderen signalisieren können, wie wenig sie von ihnen halten.
Kinder können grausam sein. Wer schon einmal auf dem Spielplatz um die Ecke mit anhören musste, wie die Leonie dem Lukas erklärt: "Du darfst nicht mitspielen. Du stinkst und du bist blöd", weiß, wovon die Rede ist.
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"Bleib ruhig, Mädchen": Harmlose Heidi statt tougher Geschäftsfrau. (© Foto: iStock)
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Erwachsene müssen sich da schon subtilerer Mittel bedienen, wollen sie anderen zeigen, wo ihr Platz ist - vor allem im Kollegenkreis. Gesellschaftlich ist es überhaupt nicht akzeptiert, seinen Teammitgliedern Schimpfworte ins Gesicht zu schleudern, ihnen das Rederecht im Projektmeeting abzusprechen oder sie mit Hilfe eines Aushangs am Schwarzen Brett ("G. versteigert Büromaterial bei Ebay!") an den Pranger zu stellen.
Für fiese Opportunisten ist es gerade jetzt wichtig, soziale Ausreißer nach unten so gut wie möglich zu kaschieren. Schließlich leben wir in Zeiten, in denen Soft Skills groß geschrieben werden und das soziale Versagen - selbstverständlich nur außerhalb der Chefetage - mit sofortiger Abmahnung bestraft wird.
Unwichtig und namenlos
Wer anderen also auf deutliche, aber dennoch professionelle Weise zeigen möchte, wo ihr Platz ist, muss raffinierter ans Werk gehen. Bestes Mittel der Herabsetzung ist der bewusste Einsatz der Sprache. Ein kurzes, scheinbar gedankenlos gemurmeltes "Ach, guten Morgen Herr ...." zeigt dem Gegenüber deutlich: Es ist so unwichtig, dass der Kollege noch nicht einmal seinen Namen behält.
Ebenso effektiv bedienen sich Kollegen mit übersteigertem Selbstbewusstsein folgender Worte: "So was" machen sie nicht, "die da" arbeitet nicht in ihrer Abteilung, und "auf diese Weise" erledigen sie die Dinge erst recht nicht. Die Wortwahl lässt vor dem geistigen Auge die spitzesten Finger entstehen, mit denen man Kollegen überhaupt nur anfassen kann. Des Weiteren sehen wir gerümpfte Nasen und eine spitz nach oben gezogene Augenbraue.
Frauen kennen noch eine weitere, sehr beliebte Methode der Schmähung: die Anreden "Mädels" oder "Mädchen". Da wissen sie gleich, wohin der Redner sie verortet. Wer da vor seinem geistigen Auge die toughe Geschäftsfrau im Hosenanzug mit Schulterpolstern sieht, sollte sich ernsthaft Sorgen darüber machen, dass dieses Problem nicht von einem Optiker gelöst werden kann. Nein, da hüpft die harmlose Heidi mit wippenden Zöpfen und wehender Schürze die Alm hinunter.
Heimtückische Attacken
Ähnlich verhält es sich mit Verhaltensempfehlungen à la: "Bleib doch mal ruhig", "Stay cool" oder "Komm mal wieder runter". Bis so ein Satz geäußert wurde, war man ja noch völlig ruhig, cool und geerdet. Es sind erst diese Sätze, die einen so auf die Palme bringen. Sie unterstellen ganz frech, man habe sich und das Problem nicht im Griff, sei mit dem Job überfordert und neige zur Hysterie.
Wer dann die Gegenrede startet und beteuert, er echauffiere sich doch gar nicht, beweist umgehend das Gegenteil. Gerade das macht solche Sätze so gemein. Gegen die heimtückischen Attacken kann man sich nur mit sofortigem Gegenangriff wehren. Ungefähr so, als würde man neben den Zettel "G. versteigert Büromaterial bei Ebay!" die Nachricht hängen: "Und B. war so blöd und hat's gekauft!"
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(sueddeutsche.de/mri)
Eurovision Song Contest
"...Gegen die heimtückischen Attacken kann man sich nur mit sofortigem Gegenangriff wehren. ..." Es tut mir ja Leid, aber wird sich dadurch das Betriebsklima verbessern? Der Ratschlag wird vermutlich eher zu einem Zickenkrieg führen.
Ich möchte Ihnen Raten einmal ein Gesprächs- und Verhandlungstraining zu besuchen, vielleicht mit der ganzen Etage, falls sich die Vermutung von coldfinger bestätigt. Hier würden Sie lernen, dass man auf heimtückische Attacken besser mit Freundlichkeit reagiert oder persönliche Angriffe durch offenes Fragen einfach aufdeckt. Wenn Sie sich auf die Palme bringen lassen und zur Furie werden hat ihr Gegenüber sein Ziel doch schon erreicht.
Freundliche Grüße,
Kubik
Würde man unterstellen, dass der reichhaltige Fundus innerbürolicher Rangordnungskämpfe, wie sie in dieser Reihe "Mein Kollege sagt....." vorgestellt werden, dem eigenen Erleben der Autoren in der SZ-Redaktion entspringt, wäre es sicherlich mal interessant, bei Ihnen liebe SZ, während eines normalen Arbeitstages Mäusschen zu spielen.
Aber wie schon geschrieben....Würde und wäre^^.
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Dieser, äh, Artikel war sehr, äh, informativ.
Um in Ihrem Ductus zu bleiben: "Der Artikel bewegt nicht die Welt."
M.E. tun dies Ihre Kommentare auch nicht.
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