Liebe am Arbeitsplatz - ein unerschöpfliches Thema für Frauenzeitschriften. Die Ratgeberliteratur gibt aber nichts Vernünftiges her. Warum sonst gehen so viele Anmach-Versuche im Büro vollkommen daneben?
Gründe, warum wir nicht gern ins Büro gehen, gibt es viele. Stress, Langeweile, unangenehme Konferenzen, Lästereien und Konflikte im Team, ein fieser Vorgesetzter und die Kollegen.
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Gründe, warum wir gern ins Büro gehen, sind dagegen nicht so zahlreich: der leckere Eintopf in der Kantine vielleicht? Die stündlichen E-Mails mit Witzbildchen und Videos? Und - die Kollegen?
Manche Menschen sollen tatsächlich das Glück haben, mit anderen angenehmen Menschen arbeiten zu dürfen. Sie erzählen sich im Büro private Dinge, lachen zusammen über den Chef und gehen nach der Arbeit gemeinsam noch ein Bier trinken oder zum Kegeln.
Solche Aktivitäten fördern das Gemeinschaftsgefühl, den Teamgeist und damit die Produktivität. Das kann nur im Sinne der Geschäftsführung sein. Manchmal jedoch interpretieren Kollegen diesen Team-Spirit vollkommen verkehrt und entwickeln ein unangenehmes Nähe-Distanz-Problem.
Hier das richtige Maß zu finden, ist nicht jedermanns Sache. Der Büro-Flirt an sich ist im Prinzip nicht zu verurteilen, doch es kommt sehr darauf an, wer, wann, wo und mit wem. Im Aufzug etwa ist man sich sowieso zu nah, da kann man auf Geplänkel gut verzichten. Wenn die als Klatschtante bekannte Kollegin oder der Chef daneben stehen, sollte man auch aufs Anbändeln verzichten.
Viele, die bei der Beantwortung der W-Fragen richtig liegen und auf solche Peinlichkeiten verzichten, scheitern an der wichtigsten: dem Wie. Jede noch so billige Vorlage nutzen sie gnadenlos aus. Auf die harmlose Klage "Ich bin so verspannt", kommt die Frage: "Soll ich dich massieren? Nach Feierabend?"
Oder: "Wenn wir das vergeigen, stehen wir vor der Konkurrenz mit heruntergelassenen Hosen da." "Das würde ich zu gerne sehen." Nur bedingt witzig. Menschen, die solche Bemerkungen machen, tragen gern ihr Handy am Gürtel oder toupieren sich den Pony.
Ein müdes Lächeln ist noch die angemessenste Antwort, die sich darauf geben lässt. Wer sich noch nicht einmal dazu aufraffen kann, sollte wenigstens die rechte Augenbraue steil anheben. Das signalisiert ebenfalls: "Du bist so witzig und attraktiv wie ein Pavian. Lass es einfach."
Seltene Profis, die sogar beim Wie richtig liegen, sollten sich zum Schluss noch die letzte der verbleibenden W-Fragen stellen: Warum?
Ist der Kollege vielleicht dermaßen unterfordert, dass er vor lauter Langeweile die komplette Damenmannschaft aus der Buchhaltung anblinzelt? Oder ist er gar so überfordert, dass der Flirt mit der Abteilungsleiterin der letzte Ausweg ist, um der drohenden Kündigung zu entgehen?
Wie auch immer: Der Teamspirit profitiert nur sehr bedingt vom Flirt im Büro. Wenn Romanzen enden, Beziehungen tragisch zerbrechen und deshalb mindestens einer der Beteiligten einen neuen Arbeitsplatz in einer anderen Firma braucht, erhöht das die Fluktuation. Und das wiederum ist gar nicht im Sinne der Geschäftsführung.
(sueddeutsche.de/mri/cag)
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"sueddeutsche.de Moderator"
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Soll ich das so verstehen, das hier der Beitrag eines Mods nicht der netiquette entsprach und editiert werden musste? Dolles Vorbild! :D
Ein netter Beitrag, flott und wahr.
Ihr Herr R. Inderst