Mein Kollege sagt ... "Schlepptop und Teflon zum Bleistift"

Wortspielchen und Buchstabenverdreher sind aus dem Büro-Humor nicht mehr wegzudenken. Von solchen Witzen werden noch Generatoren sprechen.

Von Julia Bönisch

Auch wenn das einige Kollegen denken: Humor ist keine Definitionssache. Um es ganz schlicht und auf die Bedürfnisse eines Büros zugeschnitten zu formulieren: Wer seine Kollegen ab und zu zum Schmunzeln oder sogar zum Lachen bringt, der hat Humor.

Sind Sie auch unvelbar?

(Foto: Foto: sueddeutsche.de)

Natürlich kann Humor unterschiedlicher Art sein, und nicht jeder muss den gleichen haben. Der Vertrieb etwa mag es gerne etwas derber. Unter den jungen, aufstrebenden Kolleginnen dagegen kursieren latent bissige Parodien auf den Abteilungsleiter mit dem Handy am Gürtel, die dieser vermutlich nicht zum Lachen findet.

Nicht jeder Witz hat also die gleiche Zielgruppe. Doch es gibt Kollegen, die Scherze machen, die sich an überhaupt keine Zielgruppe richten - weil sie niemand, der dem Grundschulalter entwachsen ist, lustig findet. Diese übelsten Humorversuche gehören in die Kategorie "Wortspielchen und Buchstabenverdreher".

Das kann ja Eiter werden

"Oh, das Teflon klingelt. Könnt ein Anruf sein." Vergnügt wiederholt der Kollege diese infantile Bemerkung immer dann, wenn der Apparat auf seinem oder dem Nachbarschreibtisch läutet. Also gefühlte 137 Mal am Tag.

Schimpft der Chef schon am frühen Morgen grundlos, lautet seine Standardphrase: "Na, herzlichen Glühstrumpf, das kann ja Eiter werden." Den Laptop nennt er Schlepptop, zu seinem Lieblingsvokabular zählen außerdem "zum Bleistift" und der schöne Satz: "Da werden noch Generatoren von sprechen." Morgens begrüßt er die Kollegen mit "Hallöchen Popöchen", abends verabschiedet er sich mit den Worten "bis baldrian", zur Abwechslung sagt er auch "Man siebt sich".

Statt "Moment mal" heißt es bei ihm "Zement mal", aus "an und für sich" wird "an und Pfirsich", und - "Lars but not Lisa" - rempelt er den Zimmernachbarn an: "Tschuldigung, war Absicht." So mancher Vorgesetzter soll schon eingeschritten sein, wenn solch ein Sprücheklopfer seine kindliche Neigung im Kundenkontakt ausgelebt hat: "Hallo, was kann ich gegen Sie tun?"

Ignorieren Sie jedes Sprachgefühl

Ähnlich fies sind Büro-Sprüche, die sich in gedruckter Form an Aktenschränken, Türen oder Pinnwänden befinden. Dauerbrenner sind zum Beispiel: "Arbeit macht Spaß, ich könnte stundenlang zusehen", "Hier genügt es nicht, dumm zu sein. Man muss es auch zeigen", oder "Ich bin unvelbar." Mehr ersparen wir Ihnen an dieser Stelle. Wen es nach mehr verlangt, findet weiteres Material garantiert im Verwaltungstrakt des eigenen Unternehmens oder an den Spinden des örtlichen Einwohnermeldeamtes.

Sich aus lauter Höflichkeit ein müdes Lächeln abzuringen, ist als Reaktion auf solche sprachlichen Fehlleistungen grundverkehrt. Das ermutigt viel zu sehr. Stattdessen sollte man sich anschließen, alle Skrupel über Bord werfen, jedes Sprachgefühl ignorieren und hemmungslos mitmachen. Auf "schanke dön" antwortet man "schitte bön" oder "sittebehr". Auf die Frage "Im Ernst?" folgt eiskalt die Antwort "Nee, im Dieter", in der Kantine quittiert man das "Wie hat's geschmeckt?" mit einem "Ausgebrochen gut." So lange, bis entweder der Sprücheklopfer selbst davon die Nase voll hat oder sich im Büro ausnahmslos alle dran gewöhnt haben.