Von Julia Bönisch

Gemeinsames Grübeln im Team, gemeinhin Brainstorming genannt, ist eine Pflichtübung in jeder Firma. Dabei ist das Ergebnis meist äußerst dürftig - nur Selbstdarsteller kommen voll auf ihre Kosten.

Die ersten Studien, die seine absolute Sinnlosigkeit beweisen, sind schon Jahrzehnte alt. Trotzdem weigert sich das Brainstorming beharrlich, auszusterben. Komplette Teams, Vorgesetzte, ja, sogar Berater glauben noch immer, am Ende dieses sinnlosen Prozesses könnte eine gute Idee stehen.

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Sei kreativ! Und zwar jetzt und sofort! Gebrainstormt wird nicht, weil das Ergebnis zählt, sondern weil man selbst dabei so wichtig ist. (© Foto: iStock)

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Meistens läuft es so: Nachdem eine Abteilung bereits alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft hat (Mind-Mapping, Collective-Notebook-Methode, Buzz-Sitzungen, Meta-Pläne, Brainwriting, ...) und trotzdem niemandem etwas eingefallen ist, bleibt immer noch das gute alte Brainstorming. Nach der achten erfolglosen Sitzung ohne rettenden Einfall sagt der Kollege also seufzend: "Dann treffen wir uns morgen noch einmal zum Brainstormen." Und erwartet allen Ernstes, dass ein Stuhlkreis aus sieben gelangweilten Nachwuchsführungskräften voller Energie und Tatendrang ein Problem erörtert, dass die Beteiligten Wochen zuvor auch schon nicht lösen konnten.

"Sei kreativ! Und zwar jetzt und sofort!"

"Lass uns brainstormen!" bedeutet übersetzt so viel wie "Sei kreativ! Und zwar jetzt und sofort!" Unschwer zu erkennen, dass das nicht funktionieren kann. Da das Brainstormen aber von der Gruppe lebt - alleine funktioniert das Kreativsein ja angeblich nicht - ist auch immer jemand da, hinter dem der Kollege sich verstecken kann.

Irgendein Wichtigtuer wird schon darauf aus sein, sich in den Vordergrund zu drängen. An den hängt sich der Kollege einfach dran ("Toll! Das wollte ich auch gerade sagen!"), und schon kann er sich wieder ungestört seinen Tagträumen über den nächsten Urlaub oder die Rache am Chef und nervigen Kollegen hingeben.

Rotwanginge, gesunde und saubere Hausfrau im Kopf

Angenommen, die Brainstormer sollen sich einen neuen Namen für ein Mülleimer-Deo überlegen: Möglichst wohlig soll er klingen, im Kopf des Käufers ein gemütliches Heim mit rotwanginger, gesunder und sauberer Hausfrau entstehen lassen. Dann laufen die Assoziationsketten nicht wie gewünscht so ab: "Mülleimer-Deo" - "Duft in der Küche" - "Kaffee und Apfelkuchen" - "nette Familie sitzt gemütlich beisammen". Sondern vielmehr so: "Mülleimer-Deo" - "Gestank übertünchen" - "verrottet und faul" - "faul: wie der Müller - und stinken tut der auch".

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