Gemeinsames Grübeln im Team, gemeinhin Brainstorming genannt, ist eine Pflichtübung in jeder Firma. Dabei ist das Ergebnis meist äußerst dürftig - nur Selbstdarsteller kommen voll auf ihre Kosten.
Die ersten Studien, die seine absolute Sinnlosigkeit beweisen, sind schon Jahrzehnte alt. Trotzdem weigert sich das Brainstorming beharrlich, auszusterben. Komplette Teams, Vorgesetzte, ja, sogar Berater glauben noch immer, am Ende dieses sinnlosen Prozesses könnte eine gute Idee stehen.
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Sei kreativ! Und zwar jetzt und sofort! Gebrainstormt wird nicht, weil das Ergebnis zählt, sondern weil man selbst dabei so wichtig ist. (© Foto: iStock)
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Meistens läuft es so: Nachdem eine Abteilung bereits alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft hat (Mind-Mapping, Collective-Notebook-Methode, Buzz-Sitzungen, Meta-Pläne, Brainwriting, ...) und trotzdem niemandem etwas eingefallen ist, bleibt immer noch das gute alte Brainstorming. Nach der achten erfolglosen Sitzung ohne rettenden Einfall sagt der Kollege also seufzend: "Dann treffen wir uns morgen noch einmal zum Brainstormen." Und erwartet allen Ernstes, dass ein Stuhlkreis aus sieben gelangweilten Nachwuchsführungskräften voller Energie und Tatendrang ein Problem erörtert, dass die Beteiligten Wochen zuvor auch schon nicht lösen konnten.
"Sei kreativ! Und zwar jetzt und sofort!"
"Lass uns brainstormen!" bedeutet übersetzt so viel wie "Sei kreativ! Und zwar jetzt und sofort!" Unschwer zu erkennen, dass das nicht funktionieren kann. Da das Brainstormen aber von der Gruppe lebt - alleine funktioniert das Kreativsein ja angeblich nicht - ist auch immer jemand da, hinter dem der Kollege sich verstecken kann.
Irgendein Wichtigtuer wird schon darauf aus sein, sich in den Vordergrund zu drängen. An den hängt sich der Kollege einfach dran ("Toll! Das wollte ich auch gerade sagen!"), und schon kann er sich wieder ungestört seinen Tagträumen über den nächsten Urlaub oder die Rache am Chef und nervigen Kollegen hingeben.
Rotwanginge, gesunde und saubere Hausfrau im Kopf
Angenommen, die Brainstormer sollen sich einen neuen Namen für ein Mülleimer-Deo überlegen: Möglichst wohlig soll er klingen, im Kopf des Käufers ein gemütliches Heim mit rotwanginger, gesunder und sauberer Hausfrau entstehen lassen. Dann laufen die Assoziationsketten nicht wie gewünscht so ab: "Mülleimer-Deo" - "Duft in der Küche" - "Kaffee und Apfelkuchen" - "nette Familie sitzt gemütlich beisammen". Sondern vielmehr so: "Mülleimer-Deo" - "Gestank übertünchen" - "verrottet und faul" - "faul: wie der Müller - und stinken tut der auch".
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DFB-Pleite gegen die Schweiz
Natürlich kann Kreativität nicht auf Befehl stattfinden. Kreativität ist ein Kind der Freiheit. Der Ansatz des Brainstorming beruht ebenfalls auf dem Prinzip der (geistigen) Freiheit. Dabei wird insbesondere von der freien Assoziation Gebrauch gemacht, einer Art Flow, die allerdings nur dann wirklich fließt, wenn kein Stress (Druck von allen Seiten, was den Fluss extrem einengt) besteht. Da viele Pseudo-Brainstormler weder den Ablauf einer solchen Sitzung, noch was zu ihrem Gelingen notwendig ist, wirklich kennen, enden eben die meisten dieser Treffen ohne Erfolg bzw. im Chaos.
Am Anfang stehen Entspannungsübungen, die die Teilnehmer aus dem täglichen Stress/Trott heraus bringen. (Da dies bei vielen Unternehmen Zeitverlust bedeutet, wird DUMMERweise gerne darauf verzichtet.). Als nächstes darf weder die Aussage/Idee einer Person noch die Person selbst (aufgrund ihrer Aussage/Idee) bewertet (oder schlimmer noch: verurteilt/lächerlich gemacht werden). Gerade das geschieht aber permanent in solchen Sitzungen, weshalb viele Teilnehmer nicht frei assoziieren sondern vielmehr geistige Blockaden aufbauen. Doch jeder zunächst noch so sinnlose Einwurf hat seine Berechtigung, weil er vielleicht zur eigentlichen, im Resümee zu findenden Lösung führen kann.
Ergebnisse lassen sich erst in der abschließenden Auswertung finden.
Scheitern Brainstorming-Sitzungen, so lässt dies einerseits klare Rückschlüsse auf den Leiter eines solchen Meetings zu, bietet jedoch andererseits noch viel mehr Einblicke in die Unternehmenskultur des jeweiligen Betriebs. Je offener und vertrauensvoller der Umgang gelebt wird, desto bessere Ergebnisse folgen aus einem Brainstorming. Je restriktiver, despotischer und mitarbeiter/innen-/kolleg/inn/en-verachtender der Stil ist, desto schlechter sind eben die Ergebnisse.
Somit ist Brainstorming nicht nur ein ausgezeichnetes Tool zur Lösungsfindung (übrigens auch für Einzelpersonen) sondern ein ebenso hervorragender Indikator für die Mitarbeiterführung und Unternehmenskultur.
Ich persönlich habe bereits an einer Vielzahl von Brainstormings teilgenommen und auch solche selbst geleitet. Die hier beschriebenen Zusammenhänge spiegeln ganz klar meine Erfahrungen dabei.
Jaja, das erinnert mich an meinen kurzen Ausflug in die Werbetexterei, wenn der Kundenberater einen herbeizitierte, weil irgendein Claim geändert werden sollte, man sich einen halben oder ganzen Tag den Kopf zerbrach, nur damit der Kundenberater am Ende meinte, daß ihm der alte Claim eh besser gefallen würde. Oder mal wieder das genommen wurde, was der Kundenberater sich aus seinen höchsteigenen Fingerchen gesogen hatte. Gott schütze alle Kundenberater vor aus dem vierten Stock herabfallenden Flügeln...
Es gibt professionelle Erweiterungen durch die Mind Mapping-Ideen-Konferenz.
Hier wird straff UND assoziativ überraschungsreich und klug gearbeitet. Innerhalb kurzer Zeit werden introvertierte UND extravertierete Mitglieder angeregt und zu Ideenleistungen animiert. Voraussetzung: alle beherrschen das Mind Mapping in seiner originären Grundlagenform. Voraussetzung 2. man muss überraschungsfähig sein können und die Ergebnisse auch umsetzen wollen. Sonst bleibt es bei einem schalen Aktionismus und gestohlener Zeit.
Könnte es sein, daß die Brains nicht gelüftet werden können, weil der Chef oder andere Quälfixe Türen und Fenster zuhalten?! Wie wäre es mit 10 Minuten formelhafter Vorsatzhaltung: "Ich liebe meinen Chef - deshalb vergesse ich ihn jetzt die nächsten 2 Stunden ... Ich liebe meinen ..."? Und dann - ja dann - nur noch pure Allotria! Z.B. über Müll: "Ich mag Müll" - ah ja, Sesamstraße! Oskar aus der Tonne. OSKAR - schöner Name für ein Deo (es geht ja auch nicht um Springbrunnen). Hatten wir nicht mal "Meister Propper" - nehmen die Deutschen immer, wenn Meister vorn dransteht. Oskar, der gute Geist - er liebt eure Tonnen (jetzt bitte nicht an den Chef denken!). Tonnderadei! (Oh, meine Regierung ruft ...).
Also ... ich habe schon ganz gute Erfahrungen mit Brainstorming gemacht. Sowohl was Textarbeit angeht, als auch bei graphischen / gestalterischen Aufgaben.
Drei Parameter sind aber Wichtig:
1.: Die Gruppe. Wenn Die Stimmung gut ist, die Leute sich mögen und alle motiviert sind, dann klappt's ganz gut. Ein einziger Dauernörgler oder Grundsatz-Skeptiker reicht allerdings, um den Prozess komplett zu stoppen.
2.: Die Moderation. Brainstormings sollten moderiert werden. Damit niemand untergebuttert wird. Und vor allem, damit die Schere im Kopf nicht aufgeht, denn ...
3.: Quatsch ist erwünscht! Brainstorming funktioniert nur, wenn "Unsinn" erwünscht ist. Aussortiert wird erst NACHHER.
Auf diese Weise gibt's zwar 99 prozent Müll. Aber in dem einen Prozent, das Übrigbleibt, stecken meist brilliante Ideen.
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