Im Büro-Kühlschrank verbirgt sich das Grauen: Der Joghurt trägt einen Pelz, der einer Millionärsgattin Ehre machen würde. Warum bloß versauen die Kollegen ständig das Kühlfach?
Büros und WGs sind sich in vielerlei Hinsicht ähnlich. Deshalb gibt es Kollegen, die neue Praktikanten mit folgenden Worten einweisen: "Und hier, in Zimmer C 136, wohnt Manfred Graupel, der dir alle deine Passwörter besorgt."
Der Büro-Kühlschrank: Die beste Brutstätte für Neuentwicklungen der Lebensmittelbranche. (© Foto: ddp)
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Abgesehen von der Dauerpräsenz am Arbeitsplatz erinnert auch die räumliche Enge an eine bezahlbare Studentenbude. Wer sich mit nur einem Kollegen ein Zimmer teilt, darf sich glücklich schätzen. Im Großraumbüro dagegen herrscht eine Lautstärke wie bei einer Party in der Gemeinschaftsküche. Doch wenigstens ist auf der Arbeit immer genug Klopapier in den Toiletten.
"Ich bin nicht eure Putzfrau!"
Ebenfalls aus dem Studium hinübergerettet hat sich die Zettel-Tradition: Wenn die persönliche Kommunikation gar nicht mehr klappt, legt man dem Kollegen respektive Mitbewohner auf Post-its geschmierte Botschaften auf den Schreibtisch: "Entweder ich ziehe aus oder du", oder: "Entweder ich kündige oder du!" Und am Kühlschrank hängt das Statement: "Ich bin nicht eure Putzfrau!"
Denn hinter der Kühlschranktür verbirgt sich sowohl in der WG als auch im Büro das schiere Grauen: Ein offener Joghurt trägt einen Pelzüberzug, der einer russischen Millionärsgattin alle Ehre machen würde. Die Milch ist so flockig, als hätte sich Frau Holle persönlich darum gekümmert, und auf dem Glasteller hat sich ein Viertel Wassermelone mit faulen Erdbeeren zu blühenden Landschaften vereinigt.
Brutstätte für Neuentwicklungen der Lebensmittelbranche
Offenbar hat der erwähnte Zettel den gegenteiligen Effekt: Statt Kollegen respektive Mitbewohner zur Ordnung anzuhalten, signalisiert er, dass hinter der Kühlschranktür bereits hygienische Zustände wie auf Manilas Müllhalden herrschen. "Ich bin nicht eure Putzfrau!" "Ja, genau", denken sich all die, die ihr angebissenes Butterbrot, das ranzige Stück Käse oder ihre Hämorrhoiden-Salbe, die unbedingt kühl gelagert werden muss, in den Kühlschrank legen. "ICH bin AUCH nicht eure Putzfrau." Und so kommt es, dass sich einfach niemand zum Saubermachen berufen fühlt und der Büro-Kühlschrank als beste Brutstätte für Neuentwicklungen der Lebensmittelbranche dient. Dass sich diese Dinge ohne gentechnisch veränderte Zusatzstoffe entwickeln konnten, ist nahezu unglaublich.
In Wohngemeinschaften erledigt sich das Schimmel-im-Kühlschrank-Problem meist in Prüfungsphasen. Dann sind alle Mitbewohner zu Hause und vertilgen wahllos alles, was noch halbwegs genießbar scheint. Im Büro dagegen gibt es solche Reste-Vernichtungsphasen leider nicht. Mitten im Berufsleben verfügen die meisten Kollegen über ausreichend Geld, so dass sie in der Nacht vor Projektabgabe, Redaktionsschluss oder Pitch lieber Pizza bestellen als den Kühlschrank zu plündern.
Auf der nächsten Seite: Zwei radikale Lösungsansätze, die das Schimmelproblem eventuell lösen könnten.
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Dose bleibt.
Was mich immer wieder wundert:
Lieschen Müller oder Otto Normalverbraucher schaffen es z.B. eine Wurstsemmel zu kaufen. D.h. sie gehen in den Supermarkt nebenan, stellen sich dort an der Fleischtheke an, marschieren damit zur Kasse, nehmen die Geldbörse raus, bezahlen, stecken das Restgeld und anschliessend die Geldtasche wieder ein, dann marschieren sie aus dem Supermarkt, setzen sich ins Auto oder gehen zu Fuss zur Arbeitsstelle, laufen den weiten Weg zur Küche, öffnen den Kühlschrank, legen die Semmel rein, gehn zurück zum Arbeitsplatz.
UND VERGESSEN DIE SEMMEL weil sie nicht zum Essen kommen.
Die Semmel liegt jetzt, sie ist einsam, sie wird schlapp, die Wurst färbt sich an den Rändern dunkel. Die-/derjenige, der/die sie geschmäht hat, lässt sie tagelang, gar wochenlang hier liegen. Obwohl man ihr immer wieder begegnet wenn man sich Milch für den Kaffee nimmt; dann erntet sie einen traurigen Blick und sie liegt wieder im Dunkel hinter der zugefallenen Kühlschranktür.
Und genau da zeigt sich das logistische Wunder:
Der Weg vom Kühlschrank zum Mülleimer wäre zwar nur ein kleiner Schritt im Vergleich im zum Aufwand der Anschaffung. Aber er ist ein zu grosser Schritt für die Menschheit.