In der Büroküche zeigt der Mitarbeiter sein wahres Gesicht. Mancher erfährt gar eine wundersame und unschöne Verwandlung.
Die lieben Kollegen: Es geht nicht ohne, aber manchmal nur sehr schwer mit ihnen. Zu welchen Situationen das alltägliche Miteinander im Job führt, beschreibt eine neue Kolumne auf sueddeutsche.de. Folge 1: Kampf in der Kaffeeküche.
(© Foto: iStockphoto)
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Es gibt im Job-Alltag wenig, das so schnell eine große Enttäuschung auslöst wie eine leere Kaffeekanne. Nicht einmal die jährliche Nullrunde im Gehälterpoker kann ein solches Ausmaß an Frust produzieren. Beim Gehalt lernt sich der Mitarbeiter irgendwann zu bescheiden und gibt auf - nicht so beim Kaffee. Die Tasse muss voll sein. Die Chance, mit diesem Vorsatz Erfolg zu haben, ist auch wesentlich größer als mit einer Gehaltsforderung durchzukommen. Umso schlimmer, wenn es dann wider Erwarten nichts gibt. "Kaffee ist alle". Und nun?
Es gibt so viele Taktiken mit dieser Situation umzugehen, dass man die Belegschaft in unterschiedliche Kaffeetypen einteilen kann.
Am beliebtesten ist der Macher. Er greift einfach beherzt zum Kaffeepulver, um die nächste Kanne aufzusetzen.
Das ist doch selbstverständlich? Von wegen! Es ist geradezu unglaublich, welche wundersame Verwandlung manche erwiesenermaßen intelligente und hochspezialisierte Fach- und Führungskraft in der Büroküche erfährt. Ganz plötzlich kann er oder sie gar nichts mehr. Kaffee kochen? Spülmaschine einräumen? Milch holen? Bei diesen Tätigkeiten versagt so mancher Intellekt. Das heißt, eigentlich versagt er nicht, er ist nur damit beschäftigt, Alternativen auszubaldowern.
Dem Vermeider zum Beispiel überkommt in der Küche vor einer leeren Kaffeekanne urplötzlich die Lust, sofort eine Zigarette zu rauchen. Das ermöglicht ihm, sich tatenlos aus der Affäre zu ziehen. Außerdem eröffnet es ihm die Chance, dass in der Zwischenzeit vielleicht der Macher in die Küche kommt und schon mal Kaffee aufsetzt. Hmmm, frisch gebrüht, da freut er sich schon drauf.
Diese Taktik funktioniert überraschend gut. Sie führt nur dann zu nichts, wenn nach dem Vermeider der Individualist auftritt. Der Individualist hat sich nämlich schon vor langer Zeit und aus ganz grundsätzlichen Erwägungen aus der lästigen Büro-Kaffeegeschichte zurückgezogen. Er trägt immer ein gut dosiertes Töpfchen mit löslichem Kaffeepulver mit sich herum. So ist er unabhängig von dem Fehlverhalten seiner Kollegen.
Schön der Reihe nach
Am allerwenigsten kann er übrigens den General leiden. Der General nämlich schert immer alle über einen Kamm, sogar ihn, den Individualisten. Wie er das macht? Der General verordnet einfach Tage, an denen künftig die Kollegen schön der Reihe nach fürs Kaffeekochen zuständig sind. Leider vergisst er dabei versehentlich, sich selbst mit einzuplanen. Aber dafür hat er Großes geleistet. Die Kaffeeversorgung ist gesichert.
Trotzdem nimmt ihm das noch ein anderer übel, der Verwöhnte. Ihn erkennt man daran, dass er immer mit einem Strohhalm im Gesicht herumläuft. Der Verwöhnte hat sich nämlich ähnlich wie der Individualist vom allgemeinen Bürokaffee distanziert. Stattdessen hat er sich zum Hobby gemacht, im Umkreis von fünf Kilometern nach Kaffeequellen zu suchen. Ihn treibt der Ehrgeiz, irgendwann die beste und preisgünstigste zu finden. Darüber diskutiert er übrigens gerne stundenlang (dafür nimmt er dann schon mal den Strohhalm aus dem Mund).
Ein willkommener Zuhörer ist für ihn der Wankelmütige. Dieser Typus überlegt sich vor einer leeren Kaffeekanne, dass er eigentlich doch lieber im Moment keinen Kaffee trinken mag und trollt sich wieder. Wenn der Wankelmütige Glück hat und unterwegs den Verwöhnten trifft, lässt er sich von diesem dann ganz spontan Strohhalm und Kaffee mitbringen.
Patronen verschossen
Von allen Kollegen gefürchtet ist der Haferltrinker. Der Koffeinbedarf des Haferltrinkers ist so groß, dass er sich eine überdimensionale Tasse zugelegt hat. Wenn er damit zum Kaffeetrog schreitet, leert er schon mal mindestens die halbe Kanne nur für sich.
Einen noch schlechteren Ruf hat eigentlich nur der Verschlimmbesserer. Denn er meint, Lösungen für leere Kaffeekannen finden zu können. Er installiert dann neue Systeme. Plötzlich gibt es gar keine Kanne mehr, sondern portionierte Kaffeepatronen. Die sind immer dann aus, wenn man sie gerade braucht. Und kommt nicht zufällig der Macher vorbei, wird keiner Nachschub bestellen.
Was der Verschlimmbesserer einfach nicht verstehen kann: Es gibt keine Möglichkeit, der bitteren Erfahrung des Kaffee-Entzugs zu entgehen. Nicht, solange mehrere Menschen im Büro zusammenarbeiten.
(sueddeutsche.de)
Christopher Lee zum 90.
Es gibt noch zwei weitere Arten, die ich den verschiedenen Küchen kennengelernt habe:
Cerberus
Nur sie dürfen die Kaffeemaschine bedienen, denn nur ihr Kaffee ist korrekt hergestellt.
Das führt zu einer fast lückenlosen überwachung der Küche. Es ist zwar rätselhaft, wie das geht aber ich habe es mehrfach erlebt. Mein "Macherkaffee" wurde gnadenlos
weggeschüttet, er war sicher "falsch" gebraut.
Teetrinker
Sie sind die benachteiligten und müssen ihre Teebeutel selber mitbringen. Dann müssen sie auch noch den gebrauchten Kaffeefilter aus der Maschine nehmen (der meist vergessen
wird von allen), damit sie nur heisses Wasser in ihre Tasse bekommen. Wohl dem, der in
der Küche auch eine Mikrowelle vorfindet.
Ich finde es sensationell, dass es in dieser, der besten aller Welten, noch Menschen gibt, die sich wirklich ernsthaften Dingen widmen und Artikel wie diese schreiben. Wenn die Welt mehr Autoren wie die Verfasserin des oben genannten Artikels hätte, dann wären viele Probleme einfacher zu bewältigen, respektive noch mehr gar nicht existent. Ich persönlich möchte mich nun als Gönner hervor tun und der Dame etwas Geld spenden für herausragende journalistische Leistung. Kann mir jemand die Kontonummer der Autorin zukommen lassen? Vielen Dank im Voraus. Dass dieser Artikel nicht für einen Pullitzer-Preis berücksichtigt wird kann nur an der Engstirnigkeit der Amis liegen. Der konsturktiven Kreativität eine Lanze: Dorian Waugh
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mein letzter Chef, seines Zeichens Abteilungsleiter Vertrieb mit 95% männl. Manschaft, kam morgens in die Verwaltung (ca. 80% Frauenanteil), beide Abteilungen mit eigener Kaffeeküche ausgestattet und meinte, da drüben der Kaffee aus sei, hätte die Verwaltung doch sicher nichts dagegen, wenn seine Jungs herüber kämen um sich einen Kaffee zu holen. Sie wären nämlich viel zu wichtig, gut ausgebildet und überqualifiziert und und und um sich selber einen zu machen und außerdem hätten die Mädels aus der Verwaltung ja sowieso mehr Zeit dafür. Zum Glück kam er mit seinen "Argumenten" bei der Telefonisten genau an die Richtige. Sie erzählte ihm was von Emanzipation, Machogehabe und was er denn überhaupt mit "mehr Zeit" meine. Das Thema Kaffeekochen ist immer noch ein sehr sensibles in dieser Firma, u.a. dafür gibt es extra eine Bürohilfe, die zum Zeitpunkt des geschilderten Vorfalles gerade im Urlaub war. Von wegen: Dem Ingenieur ist nichts zu schwör.
Und dann gibt es noch den Seiltänzer: Diese Spezies weiß um die bürointerne Regel, dass immer derjenige mit Kaffeekochen dran ist, der die letzte Tasse nimmt. Nun besteht sein (oder ihr) Ehrgeiz darin, sich haargenau soviel Kaffee in die Tasse zu gießen, dass der in der Kanne verbleibende Rest noch keinen neuen Brühvorgang rechtfertigt. Funktioniert übrigens auch mit den großen undurchsichtigen Pumpkannen, bei denen natürlich der Nervenkitzel viel größer ist. Dann wird aus dem Seiltänzer ein Russisch-Roulette-Spieler.
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