Von wegen papierloses Büro: Statt seine Dokumente nur noch auf dem PC zu speichern, hortet der Kollege sie immer noch in Aktenordnern. Und bevor er ein Original wegschmeißt, macht er zur Sicherheit schnell noch drei Kopien davon.
Die Revolution hieß Lisa. So nannte Steve Jobs den ersten Büro-Computer mit Maus, der 1983 auf den Markt kam. Mit Lisa hielt die Idee der Digitalisierung des Arbeitsplatzes Einzug in die Büros dieser Welt: Nie wieder Papierstapel, nie wieder Chaos, nie wieder Zettelwirtschaft.
Papierstau im Büro: Im Durchschnitt druckt ein Angestellter sechs Textentwürfe aus, bevor er sicht traut, eine E-Mail wirklich loszuschicken. (© Foto: iStock)
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Dass Lisa ausgerechnet in den 80ern erfunden wurde, kann kein Zufall sein. Schließlich grassierte in dieser Zeit die Angst vor dem Waldsterben. Heute ist der deutsche Wald gerettet - allerdings nur wegen effektiver Investitionen in die Waldsanierung und nicht, weil die Deutschen plötzlich so sparsam mit Papier umgehen.
Das Papier ist tot, es lebe das Papier!
Die Food and Agriculture Organization (FAO) der Vereinten Nationen schätzt, dass jährlich 590.000 Hektar Wald weltweit für deutsche Papier- und Zellstoffimporte gerodet werden. Das ist eine Fläche doppelt so groß wie das Saarland. Das Papier ist tot, es lebe das Papier! Statt seine Dokumente nur noch auf dem PC zu speichern, hortet der Kollege sie immer noch in Aktenordnern.
Auf den meisten Schreibtischen existieren Computer und Papier in friedlichem Miteinander: Das Protokoll der letzten Sitzung ist zwar gespeichert, aber auf der Papierversion lassen sich viel besser Notizen festhalten. Bevor wir ein Original wegschmeißen, machen wir zur Sicherheit schnell noch drei Kopien davon. "Ich hab dir das mal ausgedruckt", sagt der Kollege und knallt einem prompt einen dicken Stapel auf den Schreibtisch.
Erstaunliche Rechtschreibschwächen
Der Computer führt nicht zu weniger Altpapier, sondern zu mehr: Ein britisches Marktforschungsunternehmen hat herausgefunden, dass Unternehmen die Anzahl ihrer Dokumente alle zwei Jahre sogar verdoppeln. Selbst die E-Mail, die ja völlig papierlos funktionieren könnte, steigert den Papierverbrauch - um ansehnliche 40 Prozent.
Schließlich macht das Lesen viel mehr Spaß, hat man die Nachricht auch tatsächlich in der Hand. So findet man im Drucker schon mal private Einladungen zu einer Cocktailparty und weiß dann endlich, was der Kollege Abends so treibt. Selbst die Excel-Liste mit den Hochzeitsgästen des Abteilungsleiters ist auf diese Weise schon ans komplette Team kommuniziert worden. Selbst das Verschicken der Nachrichten scheint Probleme zu bereiten: Im Durchschnitt druckt ein Angestellter sechs Textentwürfe aus, bevor er sicht traut, auf den "Senden"-Button zu klicken.
Abgesehen davon, dass solch ein Verhalten von erheblichen Rechtschreibschwächen und Kommunikations-Psychosen in deutschen Büros zeugt, ist dieses Vorgehen geradezu fahrlässig den Kollegen gegenüber: Deutsche Laserdrucker und Kopierer schwärzen jährlich rund 800.000 Tonnen Papier und pusten dabei gefährliche Feinstpartikel in die Luft.
Auf der nächsten Seite: Warum sich die Interessengemeinschaft der Tonergeschädigten mit Umweltaktivisten zusammentun müsste.
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Moderne Verwaltung
Es sind ja nicht nur die einzelne Schreibtischtäter, die ihre emails ausdrucken, um sie in 10 Sekunden zu lesen und danach wegzuwerfen.
In den heutigen, alles zu protokollierenden Prozessen, MÜSSEN alle mehr oder weniger wichtigen Dokumente ausgedruckt und unterschrieben werden, denn nur wenige Auditoren (z.B. TÜV) geben sich mit elektronischen Dokumenten zufrieden. Und keiner ahnt wirklich, wie detailliert die Dinge beschrieben sein müssen und somit die Papierflut steigern.
Vor Jahren las ich in einer Druckerei (!) einen passenden Spruch:
"Der Weg zum papierlosen Büro ist genau so weit wie zum papierlosen Klo!"
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen...
Es gibt Dinge, die lassen sich besser auf Papier erledigen. Und es gibt Dinge, die sich viel besser elektronisch abbilden und bearbeiten lassen. Natürlich liest es sich schöner auf Papier. Aber die Korrektur durch einfaches Löschen und Neutippen hat auch was.
Jetzt gibt es so genannte Betonköpfe, die ihr Leben lang etwas in der Weise erledigen, wie sie es einmal gelernt haben. In Der Praxis sieht das dann so aus, dass Hr. Müller-Lüdenscheid den Text des so eben erhaltenen E-Mails nicht etwa auf dem sündteuren und strahlungsfreien 19-Zoll Flachbildschirm mit Kinoartiger Auflösung liest, nein, er druckt sich den Inhalt auf bestes 80g/m² Papier aus, weil er halt das Lesen auf Papier gelernt hat. Hr. Müller-Lüdenscheid verbringt zwar jeden Tag 2-3 Stunden ohne Beschwerden vor dem TV (mit mieser Auflösung und keineswegs strahlungsfrei), aber einseitige Korrespondenz *kann* er nicht auf dem Bildschirm lesen. Kann er nicht. Ihm tränten dann die Augen, sagt er. Deswegen *müsse* er ausdrucken. Und nein, der Toner und der Feinstaub machen ihm nichts aus. Und nein, der Wald ginge ihn nichts an, wieso auch? Was solle er schon ausrichten, und wenn schon, Herr. Klöbner von nebenan, der drucke schliesslich viel mehr wie er. Und ausserdem solle man gefälligst etwas gegen die Raser machen, die schädigen die Umwelt doch viel mehr, oder?
DW
Den Papierordner kann man auch bei Stromausfall aus dem Regal ziehen.
Und das mit der Rechtschreibung ist wohl (abgesehen von der Reform-Misere) erst so schlimm geworden, seit manche Leute dem Rechtschreibprogramm mehr vertrauen als sich und sämtlichen Nachschlagewerken, und vor allem,
seit man erst mal jeden kompletten Blödsinn tippen und dann mit einer Taste wieder entfernen kann, ohne Schaden anzurichten. Allerdings wird der letzte Arbeitsschritt öfter mal vergessen :-)
Und das mit der Unordnung: Es sieht ja auf den ersten Blick vielleicht elektronisch aufgeräumter aus, aber ich weiß ja nicht, ob so mancher seinen Rechner nicht so zumüllt, dass das Suchen nach der Datei einen Saustall ungeahnten Ausmaßes zu Tage fördert.
Es wird nicht nur mehr gedruckt, es wird überhaupt mehr geschrieben, veröffentlicht usw. Die Briefkästen (die echten, nicht die elektrischen) sind ja auch immer voller. Jeder hat ständig etwas mitzuteilen. Viel davon dient nur der Werbung, Reklame, Selbstdarstellung.
Aber mir geht es selber auch so: Erst wenn ich ihn auf Papier lese, sehe ich die Fehler in einem Text. Goethe ließ sich manche Konzepte auch abschreiben und sogar binden, damit er sie besser erfassen und überarbeiten konnte. Der Mensch ist materiell und braucht wohl was Materielles in der Hand, damit er gut arbeiten kann.
Wenn die Flut von Geschriebenem (und immer mehr Bildern) wenigstens auf Recyclingpapier gedruckt würde, dann würden wir lebendigen Wald stehenlassen, damit er unsere Luft verbessern kann, und wir würden enorme Mengen an Energie und Wasser sparen.
Hier ein Vergleich von Papier aus frischem Holz und Recyclingpapier für 500 Blatt Büropapier A4, die übliche Packungsgröße:
Recyclingpapier braucht ...
- 7,5 kg Holz weniger (und entsorgt 2,8 kg Altpapier)
- 78,9 Liter Wasser weniger (51,1 l statt 130 l bei Neupapier)
- 15,3 kWh Energie weniger (10,5 statt 26,8 kWh)
und sorgt für weniger CO2-Ausstoß
(siehe z. B. http://www.papiernetz.de/index.php?page_id=29).
Die "Süddeutsche" besteht ja schon zum allergrößten Teil aus Recyclingpapier. Nur im Büro sieht man es selten. Warum eigentlich?
Mal ganz abgesehen vom Wald der dafuer halt irgend wo anders auf der Welt abgeholzt wird ("590.000 Hektar Wald weltweit für deutsche Papier- und Zellstoffimporte gerodet werden. Das ist eine Fläche doppelt so groß wie das Saarland.").
Aber da geht es beim Autor wohl nach dem Prinzip "Der Srom kommt aus der Steckdose." bzw. "Der Zellstoff faellt von Siffen und Lastern"
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