Von Nicola Holzapfel

Passworte sind verräterisch. Was die verdeckten Alias-Namen über den Charakter seines Trägers aussagen. Eine Übersetzungshilfe.

Passwort: zuenftisamma Bei diesem Kollegen haben wir es mit einem echten Orginal zu tun. Mit aller Sicherheit kommt er aus dem hohen Norden. Ein echter Bayer würde diesen Ausdruck niemals zum Passwort machen. Ja, wo samma denn?

Mein Kollege sagt ...

(© Foto: iStockphoto)

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Passwort: tradomina Oha, hier wartet eine Überraschung auf das Team. Im echten Arbeitsleben trägt die Kollegin die Maske der Freundlichkeit und Geduld. Aber sie kann auch ganz anders. Wahrscheinlich ist es das Beste für alle Beteiligten, dass ihre Kollegen nichts von ihrem Passwort ahnen.

Passwort: Ralf Müller Dieser Kollege ist absolut nüchtern. Als Passwort wählt er seinen eigenen Namen. Computer müssen funktionieren, für weiteren Schnickschnack ist er nicht zu haben. Bei langen PC-Beziehungen reicht ihm ein Ralf.

Passwort: Bärli Eine warme Decke, schnell! Dieser Kollege ist von äußerst sanftem Gemüt. In der harten Arbeitswelt wird ihm immer wieder kalt. Er braucht unbedingt eine liebevolle Behandlung und ganz viel Zuwendung.

Passwort: 1543xy!Zw_ Ganz klar, so etwas kann nur einem Techniker einfallen. Er würde sich niemals so ein simples Passwort wie "meise" zulegen. Ttss, "meise", naja, wenn sich die Leute unbedingt knacken lassen wollen. Mit ihm nicht! Er weiß halt, wie's geht.

Passwort: König Hier handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um einen Kollegen mit unsicherem Status. Womöglich arbeitet er als Aushilfe. Könige (und Kaiser und Papst) im Betrieb sind leider ganz andere. Aber immerhin dem Computer ist klar, wer das Sagen hat.

Passwort: Paris-Hilton Dieser Kollege ist ein Ironiker. Die Welt betrachtet er distanziert und von oben herab. Über Paris Hilton kann er nur müde lächeln. Natürlich würde er sich niemals mit dieser Dame beschäftigen. Gerade deswegen hat er sie zum Passwort gemacht.

Passwort: Venedig Wie süß, ein Romantiker. Jedes Mal, wenn er oder sie dieses Passwort eintippt, zittert der Computer. So stark sind die romantischen Schwingungen, die seinen Träger dabei überkommen. Bestimmt hat sich der oder die Glückliche in Venedig verliebt, verlobt, verheiratet.

Passwort: Freddi Noch so ein verliebter Mensch, allerdings mehr von der pragmatischen Sorte. Natürlich widmet die Kollegin ihr Passwort ihrem Freund. Das hat eben den Vorteil, dass sie auch bei wechselnden Beziehungen immer den Überblick behält und weiß, mit welchem Namen sie ihren Geliebten ansprechen muss. Der Nachteil ist allerdings, dass sie ihr Passwort bei jeder Trennung ändern muss.

Passwort: Passwort Hier war entweder ein Genie oder ein Langweiler am Werk. Entweder ist der Mensch völlig uninspiriert oder aber er ist so kreativ, dass er aufgegeben hat, sich laufend neue originelle Passworte zu geben, weil er sie immer wieder aufs neue vergessen hat.

Passwort: Thunfisch Das ist die selbe Passwort-Kategorie wie Meise, Glockenblume oder Schiller. Der Kollege nimmt, was ihm gerade einfällt. Seine Wahl ist völlig beliebig. Verbrecher, die seinem Passwort auf die Schliche kommen wollen, hätten es schwer mit ihm, Kollegen haben es dafür leicht. Wahrscheinlich ist er auch im restlichen Berufsalltag so unkompliziert wie bei der Passwort-Wahl.

Passwort: Arbeit Das hat sich garantiert ein erfahrener Kollege ausgedacht. Die Frage "Kannst du mir kurz dein Passwort" sagen, hat er viel zu oft gehört - und die dummen Kommentare darauf auch. Erst ist er hilfsbereit und leiht seine Zugangsdaten und dann muss er sich noch dumm anmachen lassen, weil sein Passwort "Schmusi" ist. Damit ist Schluss: Er wählt nur noch die politisch korrekte Variante.

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(sueddeutsche.de)