Von Nicola Holzapfel

Fast nichts ist nerviger, als ständig den Klingeltönen der Kollegen-Handys ausgesetzt zu sein. Das toppt nur: Wenn's daheim klingelt und der Chef dran ist.

Gäbe es ein Ranking der schlimmsten Quellen von Büro-Terror - Handys hätten einen der obersten Plätze sicher. Total anstrengend ist es zum Beispiel, wenn eines auf dem Schreibtisch vergessen wird und ein erfolgloser Anrufer einfach nicht aufgeben will. Es klingelt, und nach einer kurzen Ruhepause klingelt es erneut. Kurz Ruhe, klingeln, Ruhe, klingeln, klingeln, klingeln, KLINGELN!

Handy im Büro

In der Klingel-Hölle lernt man die Kollegen schätzen, die sich mit einem Vibrationsalarm begnügen. (© Foto: iStockphoto)

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Ach, von wegen Klingeln. Das wäre vielleicht noch zu ertragen, aber dieselbe blecherne Melodie schallt wieder und wieder durchs Büro. Völlig entnervt, zu allem entschlossen, läuft man dem lästigen Ohrwurm nach - bis man vorm leeren Büro des Chefs steht und kleinlaut wieder kehrt macht. Jetzt kann man sich höchstens mit ein bisschen Küchenpsychologie retten: Was verrät der Klingelton über die Persönlichkeit des Handy-Besitzers? "We are the champions." Na, klar.

Aber was ist mit dem Kollegen, bei dem es wiehert, wenn einer anruft? Das heißt, mal wiehert es, dann kräht oder grunzt es - je nach Anrufer offenbar. Und dann wäre da noch die Kollegin, die mit "Kill Bill" zu erreichen ist ...

Wie sehr lernt man in dieser Klingel-Hölle die Kollegen schätzen, die sich mit einem Vibrationsalarm begnügen. (Aber wehe, sie kommen auf die Idee, ihr Handy als persönlichen Erinnerungsassistenten zu missbrauchen. Dann piept es in regelmäßigen Abständen, damit der Kollege nicht vergisst

1. seine Mama anzurufen, 2. sein Bahn-Ticket zu buchen, 3. sein Diätgetränk zu nehmen ...

Es ist geradezu unglaublich wie viel Erinnerungsgepiepse in einen einzigen Arbeitstag passt).

Aber das ist nichts gegen die Kollegen, die ihr Handy ins Meeting mitnehmen. Warum tun sie das nur? So wichtig, dass er oder sie nicht ein paar Minuten unerreichbar sein kann, ist niemand. Also bleibt als Erklärung nur: die Spekulation, dass das Handy im rechten Moment klingelt und einen aus der Meetingflaute rettet. Das ist dann für die Übriggebliebenen nervig, bei denen leider gerade nichts klingelt. Manchmal werden sie mit einem peinlich berührenden Schauspiel entschädigt - und zwar, wenn der Angerufene sitzenbleibt:

"Ja." - "..." "Hm." - "..." "Hab ich doch ..." (Aha. Da gibt's wohl Stress von der anderen Seite. Ob's die Ehefrau ist?) "Hmhm." - "..." "Ja, später." - "..."

Bis endlich die erlösenden Worte fallen: "Kann ich dich nachher zurückrufen? Ich bin gerade in einem Meeting."

Aber auch das eigene Handy kann zur echten Qual werden. Das liegt an der Unsitte, dass die persönliche Rufnummer allen bekannt im Büro zirkuliert. Ob man nun im Urlaub weilt oder krank im Bett liegt: Weder Kollegen noch Chef scheuen davor zurück, die Nummer tatsächlich zu wählen.

Als wäre das nicht lästig genug, scheint es zu allem Überfluss auch noch ein Gesetz zu geben, dass ihr Anruf immer zur Unzeit kommt, wenn's grad gar nicht passt. Die Schwiegermutter ist hungrig zu Besuch, das Fleisch brennt an und das Nudelwasser läuft über, genau da klingelt das Handy. Der Chef ist dran. "Aber nein, Sie stören nicht ...". Da hilft nur eines: Handy ausmachen.

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(sueddeutsche.de)