Schiefgewickelt in der harten Arbeitswelt
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Nein, dieses selbstgefällige Nicht-Danken ist kein Ausweis professioneller Nüchternheit. Es ist eine in deutschen Büroetagen noch viel zu weit verbreitete, feige Stoffelei. Jeder dieser Chefs sollte morgens vor der Arbeit zwangsweise folgenden Dankvers aufsagen müssen: "Ich freue mich, heute mit Ihnen arbeiten zu dürfen. Schön, dass Sie da sind. Danke für Ihren gestrigen Einsatz."
Dass sich ein Kollege in "normalen" - also unamerikanischen - Unternehmen bei einem anderen ausgiebig bedankt, kommt ebenfalls selten vor. In traditionellen Büroatmosphären würde es wohl eher belustigt wahrgenommen. "Den schaug o, ganz der ander", würde man sich in Bayern wohl zuraunen und damit befinden, der dankende Kollege sei ein wenig schiefgewickelt in der harten Arbeitswelt.
Natürlich gibt es das "Danke" auch auf deutschen Bürofluren, aber eher im Vorbeigehen. Es klingt geschäftsmäßig und wird im Austausch "Okay", "Passt schon" oder dem unsäglichen englischen "Thanks" verwendet. Very british, sehr cool und für den Empfänger des Dankes nicht merkbar.
Die unterste Stufe des eiskalten Dankes ist die E-Mail vom Vorgesetzten mit einem nervigen Arbeitsauftrag und dem Kurzschluss "Danke schon mal, lg (abgekürzt für "Liebe Grüße" und kleingeschrieben, weil selbst die Shift-Taste zu viel Arbeit machen würde) XY (Die Initialen dann wieder groß, weil beim eigenen Namen muss so viel Zeit schon sein). Unnötig zu sagen, dass solche Botschaften nicht einmal mit einer Anrede beginnen.
Fingierte Störungsmeldung
Solcher "Dank" sollte eigentlich direkt mit einer fingierten Störmeldung quittiert werden: "Ihre E-Mail konnte nicht zugestellt werden, der Ton entsprach nicht den Mindestanforderungen der modernen Bürokommunikation. Bitte versuchen Sie es noch einmal. DANKE!"
Dabei weiß eigentlich jeder, der schon einmal ein herzliches "Danke" von einem Kollegen oder Vorgesetzten bekommen hat - ein gesprochenes ist hier gemeint, am besten von Angesicht zu Angesicht und vor anderen Kollegen -, wie unglaublich groß dessen Wirkung ist. Es entgiftet das Büroklima möglicherweise auf Jahre hin, zaubert ein Lächeln auch auf das Gesicht völlig unbeteiligter Zuhörer und macht das ganze Unternehmen wieder lebenswert, trotz der grindigen Schreibtische, der mäßigen Kantine, der schlechten Atemluft, viel zu langer Arbeitszeiten und schlechter Bezahlung.
Sie müssen ja nicht gleich den oben beschriebenen amerikanischen Kellner kopieren, aber machen Sie doch einen Versuch, irgendeinem Kollegen ein freundliches "Danke" zu schenken. Wir würden das sehr zu schätzen wissen.
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(sueddeutsche.de/bön)
Christopher Lee zum 90.
Interessant.
Die im Artikel beschriebenen Unhöflichkeiten treten bei dem Unternehmen, bei dem ich arbeite nicht auf.
für diesen Artkel :-)