Mehr Frauen in Vollzeitjobs Wirtschaft fordert Rechtsanspruch auf Ganztagsschule

Kinder ganztags in die Schule, damit auch Mütter länger arbeiten können - das wünscht sich DIHK-Präsident Schweitzer.

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Den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz gibt es schon, der auf eine Krippe folgt diesen Herbst. Doch DIHK-Präsident Schweitzer reicht das nicht: Er fordert für Kinder nun auch das Recht auf einen Platz in einer Ganztagsschule. Dadurch sollten mehr Frauen die Möglichkeit bekommen, Vollzeit zu arbeiten.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) fordert eine bundesweit verpflichtende Einführung von Ganztagsschulen. "Ziel sollte ein Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Ganztagsschule sein", sagte Eric Schweitzer der Süddeutschen Zeitung. Er fügte an: "Das heißt nicht, dass jede Schule eine Ganztagsschule sein muss. Aber die Eltern, die ihre Kinder auf eine solche Schule schicken möchten, müssen dies auch können."

Als Grund nannte der DIHK-Präsident unter anderem die Lage auf dem Arbeitsmarkt: "Wir haben insbesondere sehr viele weibliche Teilzeitkräfte. Wenn diejenigen, die länger arbeiten wollen, dies auch können, mobilisieren wir damit ein Potential von 500.000 zusätzlichen Vollzeitjobs. Die werden wir, wenn wegen des Geburtenrückgangs immer weniger Erwerbsfähige zur Verfügung stehen, dringend brauchen."

Das würde neue Probleme für Bund und Länder bringen, diese schaffen es derzeit kaum, genügend Kinderbetreuungsplätze für eine flächendeckende Versorgung bereit zu stellen. Schweitzer verwies dagegen auf die steigenden Einnahmen von Bund und Ländern: "Unser Staat hat kein Einnahmeproblem. Er hat ein Ausgabenproblem. Deshalb können wir auch bei zusätzlichen Investitionen in Infrastruktur und Bildung einen Haushalt aufstellen, der verfassungskonform ist."

Der DIHK fordert, fünf Milliarden Euro mehr pro Jahr für den Ausbau und den Erhalt von Straßen, Schienen und dem Wasserverkehr auszugeben. Schweitzer kritisierte dagegen die geplanten Wahlgeschenke der Union: "Ich sehe das kritisch, weil es vom Grunde her zusätzliche Ausgaben in den Konsum sind. Was wir aber dringend brauchen, sind zusätzliche öffentliche Investitionen."

Schweitzer ist seit März Präsident des DIHK. Zu seiner neuen Aufgabe als Lobbyist der deutschen Wirtschaft sagte er: "Ich hatte inzwischen viele Gespräche, mit der Kanzlerin, mit Ministern und mit der Opposition - das volle Programm. Ich habe den Eindruck, dass unsere Anliegen sehr ernst genommen werden. Wir finden Gehör."

Zur Frage, ob er künftig stärker öffentlich präsent, etwa im Fernsehen sein werde, sagte Schweitzer: "Wirtschaft ist ein wichtiges Thema, da muss man die Balance zwischen nötiger Seriosität und öffentlicher Aufmerksamkeit halten. Meine Talk-Show-Auftritte werden nicht inflationär sein."

Das vollständige Interview lesen Sie in der Dienstagsausgabe der Süddeutschen Zeitung.