Medizinstudium Rösler will Numerus clausus abschaffen

Der drohende Ärztemangel in Deutschland zwingt zum Umdenken: Nun will Gesundheitsminister Rösler den Zugang zum Medizinstudium erleichtern.

"Ich plädiere für eine Abschaffung des Numerus clausus und für eine stärkere Berücksichtigung von Auswahlgesprächen", sagte Philipp Rösler der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Der Notendurchschnitt allein sage nichts darüber aus, ob jemand ein guter Arzt werde. "Ich finde, da kommt es noch auf ganz andere Faktoren an. So spielt die Fähigkeit zur menschlichen Zuwendung eine große Rolle."

Der FDP-Mann gab keine Prognose darüber ab, wann ein anderes Zuteilungsverfahren für Studienplätze kommen könnte, da darüber die Bundesländer befinden müssten. "Ich würde die Umstellung gerne noch in dieser Legislaturperiode politisch auf den Weg bringen", betonte er jedoch. Einen erheblichen Ärztemangel befürchtet Rösler auf dem Land. Hier sei die "gefühlte Unterversorgung" viel größer, als es die Statistiken auswiesen. "Wenn wir jetzt nicht handeln, wird das Problem dramatisch schon in den nächsten zehn Jahren."

Der Gesundheitsminister plädierte ferner für andere Arbeitszeit-Modelle von Ärzten, weil bereits 60 Prozent der Medizinstudenten weiblichen Geschlechts sind. Kliniken, die über Ärztemangel klagen, sollten den Klinikalltag anders organisieren, damit Halbtagsbeschäftigung von jungen Eltern möglich werde, schlug er vor.

Rösler sieht weitergehende Privatisierungstendenzen in der medizinischen Versorgung nach eigenen Worten mit Sorge. "Zentren, in denen am Ende nicht Ärzte, sondern Betriebswirtschaftler das Sagen haben, sind nicht im Interesse der Patienten. Reines Renditestreben ist mit einer ethischen Gesundheitsversorgung nicht zu vereinbaren." Es müsse sichergestellt sein, "dass Entscheidungen über Therapien immer aus medizinischer Sicht gefällt werden können."