Die Uni Oldenburg will den "Bachelor of Medicine" einführen. Ärzte warnen: Absolventen werden nach einem Schmalspur-Studium auf Patienten losgelassen.
Lange Zeit rühmten die deutschen Mediziner ihre Fakultäten als letzte Bastionen im Kampf gegen die neuen europaweiten Studienabschlüsse Bachelor und Master: Unverändert müssen Ärzte zwischen dem ersten und zweiten Teil ihrer Ausbildung das Physikum bestehen, und erst nach durchschnittlich 13 Semestern endet das Studium mit dem Staatsexamen. Die vielerorts von Konflikten begleitete Universitätsreform, der "Bologna-Prozess", schien an der Medizin spurlos vorbeizuziehen. Doch damit ist nun Schluss: Als erste deutsche Hochschule will die Universität Oldenburg einen Bachelor- und Master-Studiengang in Medizin einführen. Die Ärzte protestieren.
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Reformen in der Mediziner-Ausbildung: Als erste deutsche Hochschule will die Universität Oldenburg einen Bachelor- und Master-Studiengang in Medizin einführen. (© Foto: dpa)
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Bereits im Mai warnte der Deutsche Ärztetag: "Ein künstliches und unnötiges Überstülpen des zweigliedrigen Systems auf das Medizinstudium führt ausschließlich zu Nachteilen für alle Beteiligten". Der Medizinische Fakultätentag, in dem die 35 deutschen Lehrstätten zusammengeschlossen sind, bezeichnet die Pläne als "grotesk". Die Gegner stoßen sich vor allem am Abschluss "Bachelor of Medicine", der in Oldenburg angedacht ist. Sie fürchten, dass Ärzte schon bald nach einer dreijährigen Schmalspur-Ausbildung auf Patienten losgelassen werden.
Drei-Jahres-Mediziner oder "richtige Ärzte"
Die Oldenburger widersprechen und preisen ihr internationales Konzept: Mit der in der Medizinerausbildung seit Jahren erfahrenen holländischen Universität Groningen als Partner wollen sie die "European Medical School Oldenburg-Groningen" gründen. Der Master würde einen "echten internationalen Doppelabschluss" darstellen, mit dem die Absolventen problemlos in Deutschland und in den Niederlanden arbeiten könnten.
"Wir setzen darauf, dass die meisten Studenten an den Bachelor den Master anschließen", sagt Reto Weiler, Professor für Neurobiologie in Oldenburg. So sei es auch in der Schweiz und in den Niederlanden üblich, wo es den Medizin-Bachelor in Medizin schon länger gebe. Außerdem betont Weiler, dass die Drei-Jahres-Mediziner gar keine "richtigen Ärzte" werden sollten, weshalb er die Aufregung der konservativen Gegner nicht nachvollziehen könne.
Arbeit am Patienten
Weiler zeigt sich überzeugt: "Wenn die Leute erstmal auf dem Markt sind, wird man sich um sie reißen." Und: Die Ausbildung an der neuen European Medical School solle von Anfang an viel praxisorientierter sein als im alten Medizinstudium. Damit habe jeder, der mit einem Bachelor of Medicine die Universität verlasse, bereits einen großen Erfahrungsschatz mit der Arbeit am Patienten. Schließlich ist sich Weiler sicher: "Die meisten medizinischen Fakultäten in Deutschland haben solche Pläne in der Schublade. Früher oder später wird die Reform überall durchgesetzt".
Wo aber könnte in Zukunft ein Mediziner mit einer nur dreijährigen Ausbildung eingesetzt werden? Neurobiologe Weiler sieht Bedarf "an der Schnittstelle zwischen Arzt und Pfleger". Ein Bachelor-Absolvent könnte zum Beispiel als Assistent in Praxen niedergelassener Mediziner arbeiten: "Da kann er den Arzt von wichtigen Aufgaben entlasten". Auch in Versicherungen, Gesundheitsunternehmen oder der Pharmaindustrie könnten sich schnell passende Stellen finden.
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Vorsicht, R., auch das kann "in die Hose gehen".
"Das Medizinstudium scheint ja nach den bisherigen Studiengängen die Zeit zu benötigen..."
Die Zeit wird evtl. benötigt - aber nicht unbedingt für's Medizinstudium - viele lernen erstmal einfachste Grundlagen.
Die lustigste Nachfrage eines Medizinstudenten an die ich mich erinnern kann war: Wie schreibt man das denn? Mit Vater-"F" oder mit Vogel-"F"? (bzw. natürlich Fater-"F" oder Fogel-"F"). Und immerhin eine Student hat das mit der Bruchrechnung dann auch recht schnell begriffen: eine 1/4-Torte ist gar nicht größer, als eine 1/2-Torte, obwohl doch 4 größer ist als 2. Wohlgemerkt: das waren Abitur-1er-Kandidaten.
Ich hoffe daher: ein kluger Kopf mit Bachelor kann ohne weiteres ein besserer Arzt sein, als eine Pflaume mit Staatsexamen.
Zunächst einmal möchte ich anmerken, dass die Universität Oldenburg ein sehr gutes Bachelor-Master Konzept vorweisen kann, was bisherige Studiengänge betrifft. Als eine der ersten deutschen Hochschulen gelang hier die Umstellung sehr gut (ich selbst habe dort den Bachelor erhalten, befinde mich gerade im Master Studium und bin mit der dortigen Lehre sehr zufrieden).
Die Kooperation mit der Universität Groningen ist auch nicht neu, sondern bereits lange Bestandteil in den Rechtswissenschaften (Hanse-Law-School). Das Deutschland bei der Umstellung der Studiengänge hinterherhingt scheint ja ohnehin niemanden zu interessieren.
Warum sollte es denn zu einem "Ausverkauf" der Medizin kommen? Wenn die Uni wie bereits geschehen ein gutes Konzept aufstellt?
Die Aussagen von Herrn Pfeilschifter sehe ich als ungerechtfertigt an, anscheinend bangt er um Gelder für die "Guten Alten Medizinhochschulen".
Grundsätzlich sollte man doch versuchen das beste aus den Gegebenheiten zu machen! Bachelor und Master wird sich über kurz oder lang eh bewähren. Diejenigen die jetzt darauf schimpfen wollen doch nur nicht mehr leisten oder befinden sich selbst garnicht in einem solchen Studium...
Da fällt mir eine schöne Analogie zu den kostenpflichtigen Schultoiletten ein:
Die einen p..... in eine saubere und adrette Toilette und ZAHLEN,
die anderen können sich in die abgefuckte - gefühlt 100 Jahre nicht mehr geputzte Toilette -begeben.
Bei den Mediziner funktioniert das so:
Die einen bekommen einen echten, ausgebildeten Arzt und ZAHLEN,
die anderen gehen zum Medizin-Bachelor-Kurpfuscher.
Oder noch einfacher: als Kassenpatient sollte man in Zukunft besser nicht mehr erkranken.
Und zum Zähneziehen geht man dann wieder romantisch - wie in alten Zeiten - zum Bader.
Mei,
ich frage mich gerade was das über den geplanten Abschluß aussagt ...
Das Medizinstudium scheint ja nach den bisherigen Studiengängen die Zeit zu benötigen um die aktuellen Standards zu erfüllen. Und die heutigen Medizinstudenten klagen ja nicht unbedingt darüber zu wenig gefordert zu sein. Die Menge der Inhalte macht wohl ausreichend Sinn ...
Ein sechs-semestriges Studium kann da dann wohl nur ein "Schmalspur-Studium" sein. Muss sich auf bestimmte Inhalte konzentrieren. Wenn die Oldenburger sagen "für eine Tätigkeit als Arzt wird das Master-Studium nötig sein", dann ist das doch die Aussage "das Bachelor-Studium ist nicht Berufsqualifizierend".
Da will sich wohl eine Hochschule ein weiteres Fach zulegen (Medizin wird gut bezahlt und kostet eher wenig, ist also lukrativ) und bastelt sich eine Erklärung und ein neues Berufsbild zusammen ... das bisher nicht existiert und bei dem fraglich ist ob das wirklich realistische Chancen auf Verwirklichung hat.
Gerade im aktuell überregulierten Gesundheitswesen.
Wie soll denn der Medizin-Bachelor eingestuft werden? Darf er Behandlungen/Diagnosen durchführen? Bekommt er dafür die gleichen Punktwerte wie ein "normaler" Arzt? Oder ist der Bachelor-Arzt "billiger"?
Mir tun die zukünftigen Absolventen leid ... sie sind die Versuchskaninchen einer ehrgeizigen Univerwaltung.
Paging