MBA-Bewerbung Eindrücke, die hängen bleiben

Selbstinszenierung erwünscht: Filme, die dabei helfen, den Kandidaten besser kennenzulernen, sind an Business Schulen gerne gesehen.

(Foto: Chung Sung-Jun/Getty Images)

Um an der gewünschten Business School zu landen, muss man punkten: mit einem Film über sich selbst.

Von Christiane Bertelsmann

Offen und freundlich schaut Gourav Ghosh in die Kamera. Seine Schwester hat ihn gefilmt, im Haus seiner Eltern in Dubai. In vier Minuten und 51 Sekunden erklärt der gebürtige Inder, wa-rum gerade er als MBA-Student an der Mannheim Business School zugelassen werden sollte. Im Regal hat er Pokale, Medaillen und Buchpreise aufgereiht, die er in seiner Schulzeit gewonnen hat: etwa im Bereich Wissens-Quiz, beim Tennis, in Leichtathletik und für außergewöhnliche schulische Leistungen. Eine Wanddeko rechts neben ihm zeigt die Hindu-Götter Vishnu und Krishna. Er sei ein guter Beobachter, sagt Gourav. Dann führt er aus, warum ausgerechnet Mannheim seine erste Wahl ist: Deutschland sei eine dynamische Wirtschaftsmacht, von der man viel lernen könne. Er habe die Deutschen schon immer bewundert - Albert Einstein zum Beispiel. "Es wäre für mich eine Ehre, in Mannheim studieren zu dürfen", sagt Gourav. Sehr authentisch wirkt er in dem Video - und weil auch sonst alles bei seiner Bewerbung stimmte, wurde er genommen. Im September vergangenen Jahres hat er seinen MBA abgeschlossen.

Ein GMAT-Ergebnis mit hoher Punktzahl ist viel wert, aber keine Garantie für die Zulassung

Gerade an deutschen Business-Schulen sind innovative Bewerbungsformate wie das von Gourav Ghosh nicht unbedingt die Regel, werden aber gerne gesehen. "Alles, wodurch wir mehr über den Menschen und seine Motivation für ein MBA-Studium bei uns erfahren, ist ein Plus", sagt Ralf Bürkle, Sprecher der Mannheim Business School. Wer die erste Stufe der Bewerbung in Mannheim geschafft hat, wird zum Interview eingeladen. Wenn auch das gut läuft, bekommen die Bewerber eine Case-Study, eine Fallstudie, die sie innerhalb von wenigen Tagen lösen und deren Ergebnis sie dann mündlich vortragen müssen. Power-Point-Vorträge akzeptiert die Schule nicht. "Hinter denen kann man sich hervorragend verstecken. Das wollen wir nicht", stellt Sprecher Bürkle klar. Man prüfe außerdem, ob die Teilnehmer Empathie besitzen, gut kommunizieren können oder ob sie teamfähig sind. Ralf Bürkle: "Unsere Ausbildungsphilosophie basiert stark auf dem Von- und Miteinander-Lernen. Es kam schon vor, dass wir Bewerber mit einem GMAT-Wert von 750 ablehnen mussten, weil wir gemerkt haben, dass sie nicht zu uns passen."

Die Vorbereitung auf den GMAT (Graduate Management Admission Test) verschlingt bei den Bewerbungen die meiste Zeit. Der weltweit standardisierte Test dient dazu, die Eignung für postgraduale Master-Studiengänge an betriebswirtschaftlichen Fakultäten zu messen. Sprich: ohne GMAT kein MBA-Studium. Natürlich genügt es nicht, den GMAT irgendwie zu bestehen, sondern es gilt: je höher der Score - das Testergebnis - desto besser. Erzielt man einen Score von 800, ist das spitze. Einige der US-amerikanischen Top-Schulen geben als durchschnittlichen GMAT ihrer Studierenden einen Score von 700 und mehr an. An deutschen Schulen liegt die Hürde bei der Zulassung je nach Schule bei 400 bis 600.

"Mich hat die Vorbereitung auf den GMAT knapp vier Monate beschäftigt", sagt Florian Schnappauf. Der Münchner hat im Jahr 2014 seinen MBA an der IMD Business School in Lausanne gemacht. Parallel dazu hatte er sich noch an der INSEAD Business School beworben, laut Financial-Times-Ranking 2016 rangieren beide unter den 20 besten Business-Schulen weltweit - INSEAD belegt Platz eins, IMD Platz 13. "Wenn ich schon so viel Zeit und Geld für eine akademische Ausbildung investiere, dann möchte ich an eine der Top-schulen dieser Erde", hatte sich der Wirtschaftswissenschaftler überlegt, der zum Zeitpunkt der Bewerbung bei der Airbus Defence & Space für strategische Planung mitverantwortlich war. Zu den Auswahl-kriterien gehörten für ihn neben dem Renommee der Schule ihre fachliche Ausrichtung, die Größe der Klassen und die Dauer des Programms: nicht länger als zwölf Monate sollte die Weiterbildung dauern.

Schnappauf ging bei seiner Bewerbung eher den klassischen Weg: kein Film, sondern besonders gut durchdachte Essays. "Ich habe mich in die Lage der Leute hineinversetzt, die jeden Tag Dutzende von Bewerbungen bekommen. Man muss die Essays so schreiben, dass etwas hängen bleibt", erklärt Schnappauf. Deshalb nahm er sich für diese Texte besonders viel Zeit, und fand einen locker-leichten Ton, der aber auch neugierig machte.

"Wir wollen am Ende des Schreibens einen Eindruck von der Person haben, die sich bei uns bewirbt", erläutert Petra Kreis-Hoyer, Prodekanin an der EBS Business School in Wiesbaden. Hier legt man besonders viel Wert auf das Motivationsschreiben. Kandidaten, die begeistert über Marathons schreiben, bei denen sie mitgelaufen sind oder darüber, wo und wie sie sich sozial engagieren, und was das für ihr berufliches wie privates Leben bedeutet, sieht man in Wiesbaden besonders gerne. "Alles Weitere klopfen wir in den Interviews ab", sagt Petra Kreis-Hoyer.

Manche Business Schulen denken sogar daran, von allen Aspiranten Videos zu erbitten

Zu den Basis-Bewerbungskriterien gehören an den meisten Business-Schulen neben dem bestandenen GMAT und einem TOEFL-Text zum Nachweis der Englisch-Kenntnisse ein Lebenslauf, ein bis zwei Referenzschreiben von ehemaligen oder aktuellen Arbeitgebern oder Hochschullehrern, natürlich das Hochschulabschluss-zeugnis und - an den meisten deutschen Business-Schulen - mindestens drei Jahre Berufserfahrung.

Zahlreiche Business Schools wollen, dass die Kandidaten einen vorgegebenen Online-Fragebogen ausfüllen. So fällt der Vergleich leichter. Zu viel Kreativität in die Richtung selbstkomponierter Lieder oder Plakate als Bewerbungszusatz mag man nicht überall. "Wir sind ja keine Kunsthochschule", sagt Heidrun Hoffmann, Programm-Direktorin an der WHU - Otto Beisheim School of Management in Düsseldorf. Wichtiger sei es, dass sich der Bewerber intensiv mit der Schule beschäftigt hat und weiß, wo er sich bewirbt. "Wir merken, ob sich der Kandidat beim Ausfüllen des Fragebogens Gedanken gemacht und Zeit genommen hat, oder ob das nur Copy-and-paste aus dem Internet ist", sagt Heidrun Hoffmann.

An der HHL Leipzig Graduate School of Management gehört möglicherweise bald auch ein kurzer Film zu den Bewerbungsunterlagen. Eine Berliner Firma testet derzeit mit der HHL eine Handy-App, mit der Aspiranten einen kurzen Film über sich drehen können - so ähnlich wie der von Gourav Ghosh. Mit dem Unterschied, dass das Video dank Einbindung in die App nur von den Recruitern der HHL angeschaut werden kann. Raluca Modoiu, Managerin Student Recruitment MBA an der HHL: "Wir versprechen uns davon eine authentische, kreative Darstellung der Persönlichkeit des MBA-Kandidaten. Letztlich zeigt uns dieser kurze Film, ob der Bewerber zu uns passt."