Höchste Zeit, die Unis zu sanieren - doch die Sorge wächst, dass das Geld des Konjunkturpakets versickert.
Der Weg zum Hörsaal führt in Bochum über kaputte Bodenplatten und bröckelnde Betontreppen. Überall auf dem Hochschulgelände mahnen Warnschilder zur Vorsicht. Wer an der Ruhr-Universität studiert oder lehrt, dem fallen auf Anhieb gleich mehrere Bauvorhaben ein, die dringend angegangen werden müssten.
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Umleitung zur Uni: Viele Hochschulen bedürfen dringend der Sanierung. (© Foto: dpa)
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Das Konjunkturprogramm des Bundes soll nun dabei helfen: Rissige Fassaden sollen saniert, Fenster isoliert und Labore modernisiert werden. In den kommenden beiden Jahren sollen deshalb etwa 8,7Milliarden Euro nicht in Straßen, sondern in Hochschulen, Schulen und Kindergärten investiert werden.
Von "neuen, nachhaltigen Zukunftsinvestitionen" ist die Rede. Doch es sieht nicht so aus, als hätten die Politiker diese auch sorgfältig geplant. Deshalb wächst in den Hochschulen die Sorge, dass der unverhoffte Geldregen wirkungslos versickert.
"Wenn das Milliarden-Paket die Konjunktur ankurbeln soll, dann muss es wirklich in zusätzliche Bauvorhaben fließen", betont Wedig von Heyden, Generalsekretär des Wissenschaftsrats, der Bund und Länder in hochschulpolitischen Fragen berät. Die beabsichtigte Wirkung sei nur zu erzielen, wenn nicht bereits fest verplante Mittel der Länder ersetzt werden. Von Heyden schätzt, dass die Hochschulen in den nächsten beiden Jahren problemlos drei Milliarden vor allem in kleinere Bauprojekte stecken könnten, um immer wieder aufgeschobene, aber dringende Investitionen umzusetzen.
Kosmetische Korrekturen
Der Hochschulbau in Deutschland ist seit Jahrzehnten vernachlässigt worden. In vielen Gebäuden tropft, zieht und bröckelt es - und die Sanierung kostet Milliarden. Gerade Nordrhein-Westfalen plagt sich mit einem gewaltigen Sanierungsstau. Während der Bildungsexpansion in den sechziger und siebziger Jahren wurden an Rhein und Ruhr die Universitäten erweitert oder gleich neue gegründet. Die Bausünden der damaligen Architekten und den jahrelangen Sparkurs beim Bauunterhalt müssen die Länder nun teuer büßen.
Alleine an der Ruhr-Universität in Bochum, an der 32.000 Studenten lernen, belaufen sich die Sanierungskosten auf eine Milliarde Euro. Oft gehe es schlichtweg darum, Leib und Leben zu schützen, sagt Uni-Kanzler Gerhard Möller, der auch Sprecher der nordrhein-westfälischen Kanzler ist. Doch die Hoffnung, dass mithilfe des Geldes aus Berlin verhindert werden kann, dass an Hochschulen Fassadenteile auf Passanten fallen oder diese auf löchrigen Böden stürzen, dämpft er. "Es hilft ja nicht, ein paar Bodenplatten auszuwechseln, wenn die ganze Konstruktion darunter kaputt ist."
Noch weiß Möller nicht, wie viel Geld seine Uni aus dem Konjunkturpaket erhalten wird, aber so viel ist sicher: Selbst wenn eine Hochschule, wie ursprünglich von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) angestrebt, 500000 Euro bekäme, würde das nicht einmal ausreichen, um die Fassade eines einziges Gebäudes in Bochum zu sanieren.
Wie viel Geld nötig wäre, damit alle Hochschulen wieder eine würdige Heimat für die Wissenschaft sind, kann heute niemand mehr sagen. Denn seit der Föderalismusreform sind alleine die Länder für den Hochschulbau zuständig. Eine bundesweite Übersicht über den Sanierungs- und Modernisierungsbedarf fehlt seitdem.
Lediglich einige Bundesländer haben sich zuletzt dazu geäußert: Bayern will in den nächsten zehn Jahren vier Milliarden Euro in Hochschulgebäude investieren, Baden-Württemberg immerhin zwei und Nordrhein-Westfalen sogar acht Milliarden Euro. Geht man von dieser Basis und Erfahrungen aus der Vergangenheit aus, schätzt von Heyden, dass bis 2020 bundesweit 30 Milliarden Euro nötig wären, um die Hochschulen zu sanieren.
Angesichts solcher Dimensionen vermischt sich die Freude über das Geldgeschenk aus Berlin schnell mit Ärger. "Hier werden keine nachhaltigen Lösungen angestrebt, sondern nur öffentlichkeitswirksame Schönheitsreparaturen", meint der Regensburger Rektor Alf Zimmer. Natürlich könne auch er jeden Cent gut gebrauchen - obwohl Bayern im nächsten Jahrzehnt ohnehin fast 400 Millionen Euro in den altersschwachen Betonkomplex in Regensburg stecken will. Von Programmen, bei denen der Bund mit der Gießkanne Geld für Bauvorhaben verteilt, hält Alf Zimmer aber nichts: "Der Bund steigt damit wieder da ein, wo er noch nie Kompetenz bewiesen hat ."
Blockierende Bürokratie
Aus Sicht des Regensburger Rektors wäre es ganz einfach gewesen, "aus dem kurzatmigen Milliardenpaket ein echtes Zukunftsprogramm" zu machen. Zum Beispiel indem der Bund den Bonus für die Infrastruktur drittmittelfinanzierter Forschungsprojekte ausbaut. Der Bonus, "Overhead" genannt, soll sicherstellen, dass forschungsstarke Hochschulen nicht auf den Kosten für Labore, Rechenzentren und Bibliotheken sitzen bleiben, wenn sie im Wettkampf um Fördermittel bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) besonders erfolgreich sind.
Der Bonus entspricht derzeit 20 Prozent der Fördersumme. Das ist zwar mehr als früher, aber noch immer müssten arme Hochschulen Forschungsmittel ausschlagen, weil sie das Geld für die Infrastruktur nicht haben, sagt Zimmer.
In den meisten anderen Hochschulen hält man sich mit so deutlicher Kritik lieber zurück. Stattdessen bastelt man eifrig an Wunschlisten und freut sich, dass die große Koalition auch etwas gegen die lähmende Bürokratie unternehmen will. Geplant ist ein vereinfachtes Vergabeverfahren für öffentliche Aufträge. Mit wie viel Geld einzelne Unis rechnen können, ist aber noch unklar. "Die Hochschulrektorenkonferenz wird darauf drängen, dass die Hochschulen in einem angemessenen Umfang partizipieren", sagt Präsidentin Margret Wintermantel.
Doch auch die Vertreter der Schulen und Kindergärten melden nun Ansprüche an. Mancher stellt sich bereits die Frage, ob die Hochschulen nicht schon genug aus den Länderkassen erhalten. Einige Unis können sich mittlerweile tatsächlich nicht mehr über einen Mangel an Investitionen beklagen. In Frankfurt wird ein großer Teil der Goethe-Universität ganz neu gebaut. Das Land Hessen zahlt dafür fast zwei Milliarden Euro. Auch Hamburg denkt derzeit darüber nach, die Uni nicht mehr zu sanieren, sondern an anderer Stelle neu zu errichten.
"Am wichtigsten ist, dass die Hochschule selbst das Geld bekommt", sagt Kanzler Möller. Nur sie wisse, welche Investition sinnvoll sei. In Bochum möchte die Uni-Leitung eine zentrale Servicestelle für Studenten einrichten. Momentan sind die Büros auf drei Gebäude verteilt, und die wartenden Studenten versperren regelmäßig die Flure.
(SZ vom 19.01.2009/gba)
In der Zeit der explodierenden Studenten- und damit auch der Assistenten- usw. Zahlen in den Siebzigern wurden die Gebäude entsprechend der aktuellen Architekturmode und nach dem Motto 'Geiz ist geil, aber es muss viel hermachen' meistens in Billigbauweise errichtet. Und heute sind diese Kisten nach vielen Jahren unter der Knute der Finanzminister eher abbruchreif als sanierungsfähig. Solange die Studierenden sich lieber zu Hause an das Laptop setzen statt auf diem Straße zugehen, werden weiter die Symptome behandelt. Wichtig ist dabei nur die rechnerisch ermittelte CO2-Einsparung. Alles andere fällt der Klimarettung zum Opfer.
Man muss sich wirklich fragen, inwieweit unser Hochschulsystem noch bestand hat?
Gerade durch das Internet könnte man sehr vieles verbessert. Durch Online-Vorlesungen (Aufzeichnung) könnte die gewonnene Zeit so genutzt werden, dass die Professoren Hilfestellungen (bei Unklarheiten) geben. Desweiteren würde man auch nicht soviele Hörsäle benötigen, welche zum Teil sich auf die Kosten auswirken.
Auch die Chancengleichheit würde sich dadurch gänzlich verbessern. Die Universitäten hatten schon immer mit den Anstürmen der Bewerber zu kämpfen. Gerade zwischen geburtsstarken und geburtsschwachen Jahrgängen ist die Chancengleichheit gleich 0.
Die Hochschulen nehmen nur soviele Bewerber, wie sie auch verkraftet.
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Beispiel:
Nehmen wir an das im Jahr 2007 sich 8.000 beworben haben (gesamter Notendurchschnitt 3,0). Im Jahr 2008 aber sich 11.000 bewerben (gesamter Notendurchschnitt 3,0). Die Universität hat aber Platz für 9.000 Bewerber.
Somit würde man im Jahr 2007 alle Studenten nehmen, aber im Jahr 2008 nur 9.000. Das bedeutet, dass man im Jahr 2007 auch die schlechten (bzw. durchschnittlichen)
Bewerber zugelassen hat. Im Jahr darauf aber nicht. Desweilen gibt es dieses Problem nicht nur bei schlechten Abiturienten, sondern auch bei guten.
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Durch die Vernetzung könnte man auch die Kooperation zwischen den Universitäten erreichen und damit die Vorlesungsangebote erweitern. Damit könnte man die Interessen und Begabungen der Studierenden besser fördern, da sie ihre Vorlesungen aussuchen könnten. Momentan sieht es aber so aus, dass die Universitäten ihre einzelnen Vorlesungspläne selber schmieden und der Student es als gegeben hinnehmen muss (ob es ihm gefällt oder nicht).
Komischer Weise hört man davon nichts aus der Politik und Universitäten.
Die eine Hälfte besteht aus Sinnlosen Konsumspritzen ohne langfristige Wirkung. Die andere Hälfte sind längst fällige Investitionen. Es ist doch für einen Industriestaat wie Deutschland ein Skandal, dass es einer Wirtschaftskrise, und eines Konjunkturprogrammes bedarf, damit marode Hochschulen, und Schulen saniert werden. Die Tatsache, dass dies noch nicht einmal im vollen Umfang gemacht wird ist um so schlimmer.
Dass sich die Politiker mit stolz auf die Brust hauen, anstatt sich dafür zu schämen, zeigt in welchem moralischen Zustand unsere politische Kaste ist.