Gratislaptops für gebeutelte Erstsemester: Was sich deutsche Hochschulen einfallen lassen, um Studenten anzuwerben - und Standortnachteile zu versilbern.
Als vor Monatsfrist Zehntausende Studenten in der Republik in den Bildungsstreik traten, gehörte auch der Widerstand gegen die zunehmende "Ökonomisierung der Bildung" zur Pflicht. Der Wettbewerb unter den Hochschulen ist vielen Studierenden bereits aus Prinzip suspekt. Dabei sind die neuen Studenten durchaus Nutznießer der plötzlichen Charme- und Marketingoffensive an deutschen Universitäten.
"Unsere Hochschule ist im Grünen, da muss man schon etwas Kreatives einfallen lassen, um die Studenten zu locken." Marie-Luise Klotz, Präsidentin der neugegründete Hochschule Rhein-Waal. (© Foto: ddp)
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Am heutigen Mittwoch endet die Bewerbungsfrist in zulassungsbeschränkten Fächern für das kommende Wintersemester - und an den Hochschulen hat längst das Ringen um die Neuankömmlinge eingesetzt. Einst wurden den Erstsemestern gern mal Freikarten für den örtlichen (und leider oftmals mäßig erfolgreichen) Fußballklub als Giveaway untergejubelt, inzwischen darf sich der finanziell gebeutelte Student mancherorts über eine imposante Erstausstattung freuen. Insbesondere in der Peripherie wird ihnen der vermeintliche Standortnachteil versilbert.
Die neugegründete Hochschule Rhein-Waal etwa lockt die Erstsemester mit Laptop, Handy und Fahrrad an den schönen, wenn auch etwas abseits gelegenen Niederrhein. "Wir sind hier eben nicht in Bonn oder Köln", sagt Marie-Luise Klotz, Gründungspräsidentin der FH mit den Standorten Kleve und Kamp-Lintfort. "Unsere Hochschule ist im Grünen, etwas ländlich; da muss man schon etwas Kreatives einfallen lassen, um die Studenten zu locken" so Klotz.
Schnäppchenjäger werden nicht geduldet
300 Euro sind pro Fahrrad kalkuliert, 450 Euro für ein Laptop - und dazu kommen noch die Kosten für das iPhone. Bei den maximal 150 Studenten würden für das generöse Präsent rund 100.000 Euro fällig. Bezahlt werden müssen die Präsente von Sponsoren; denn die Studienbeiträge dürfen nicht angetastet werden.
Und so ist Marie-Luise Klotz jeden Tag unterwegs, um in der Privatwirtschaft für das Projekt zu werben; denn noch hat sie das Geld nicht ganz beisammen. Als Dankeschön gibt's dann das Sponsorenlogo auf den Drahtesel. "Wir begreifen die Studenten eben auch als Kunden", sagt Klotz. Und der Student ist König; das Fahrrad allerdings müssen sie am Ende ihrer Studienzeit wieder abgeben.
Die FH am Niederrhein ist da keine skurrile Ausnahme. Im ostwestfälischen Paderborn etwa werden ab Oktober Netbooks an Erstis ausgegeben - "topaktuell, leistungsfähig und 10 Zoll groß", wie die Uni verspricht. Dreiste Schnäppchenjäger aber werden nicht geduldet - wer sich umgehend exmatrikuliert, muss den Computer zurückgeben.
"Auch wir wollen die besten Studenten"
Auch an ostdeutschen Hochschulen, die entgegen den großen West-Unis oftmals keine verstopften Hörsäle beklagen müssen, ist das Marketing weit fortgeschritten. An der Viadrina in Frankfurt/Oder etwa bekommen die Neu-Ankömmlinge ihre Studentenbutze in einem Objekt der kommunalen Wohnungsgesellschaft für ein halbes Jahr gratis - wenn sie ihren Erstwohnsitz in der deutsch-polnischen Grenzstadt anmelden, um so über den Finanzausgleich wieder Geld in die Kassen zu spülen.
Solche Nachwuchssorgen hat man in den Studenten-Hochburgen wie Münster nicht. Im letzten Semester bewarben sich knapp 25.000 Abiturienten auf die rund 5000 Plätze. "Auch wir wollen natürlich die besten Studenten", sagt Uni-Sprecher Norbert Frie, "aber das schafft man wohl nicht mit Geschenken". Für eine derartig große Hochschule wäre es auch kaum zu finanzieren.
Also gab es in Münster für die Erstsemester zuletzt eine hübsche Laptop-Tasche mit Uni-Emblem. Für den passenden PC müssen sie an den Niederrhein wechseln.
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(sueddeutsche.de/af)
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Wenn die Unis wirklich so unter Studienanfängermangel leiden.. dann verstehe ich bei Gott wirklich nicht warum Sie sich dann mit Hand und Fuß gegen motivierte Studienbeginner weigern die aufgrund des 2ten Bildungsweges ein Studium einschlagen wollen. Bzw. warum es dann nicht an mehreren Universitäten möglich wird in Teilzeit (Abend-, Wochende-, Ferienblockunterricht, Onlinestudium) zu studieren. In Einzelfällen geht dies heute schon. In der durchschnittlichen bayerischen Uni ist dies nicht möglich (Originalstellungnahme einer bay. Uni liegt mir vor).
Wieso trägt die SZ dazu bei, das Bild der immer schlechter werdenden Bildung so zu verwässern?
Ich studiere in Augsburg und habe bisher weder mitbekommen, dass solche Aktionen laufen, noch selber in den Genuß kommen können.
Sorry, aber das ist mal wieder journalistischer Müll. Wer hat den Autor gesponsored? Compaq, Infinion, Siemens oder Apple?
Die sollen lieber die angestaubten Profs, die sich seit Jahrzehnten nur mit ihrem Privatkram befassen und in Lehrveranstaltungen unverständlich rumbrabbeln rauskicken. Den Rest muß man in eine qualitativ ausgerichtete Didaktik zwingen. Davon steigt die Qualität einer Hochschule, net von Salz- und Pfeffertüten und buten Aufklebern.
Ist doch mal was.
Bei uns damals gab es gar nix, nur die Frage was wir denn all hier wollten, und die strenge Warnung dass rund 30% der Versammelten eh das Vordiplom nicht schaffen wuerden, und man wuerde sich dann zu gegebener Zeit um die Studenten die das Vordiplom in der Tasche haetten etwas mehr kuemmern.
Fahrrad, Laptop, iPhone? Oha, ich glaub ich wechsel.
Bei uns gabs einen Rucksack, der so nach Chemie roch, dass man ihn sofort entsorgte.
Ach ja und 2 Kugelschreiber. Aber München halt ;)
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