Mangel an Pflegekräften Regierung will Pflege-Ausbildung reformieren

Tausende Pflegekräfte fehlen, Betroffene in Heimen beklagen Pflege im Minutentakt: Die Bundesregierung will auf den Fachkräftemangel reagieren und Pflegeberufe attraktiver machen - durch bessere Bezahlung und die Aussicht auf ein Medizinstudium.

Die Bundesregierung hat eine Reform der Pflegeausbildung für diese Legislaturperiode angekündigt. Angesichts des Fachkräftemangels müsse der Beruf attraktiver werden. Das könne erreicht werden, wenn man in der Ausbildung die Aufteilung in Kinderpflege, Krankenpflege und Altenpflege aufgebe, sagte Karl-Josef Laumann (CDU), Patientenbeauftragter und Pflege-Bevollmächtigter der Bundesregierung, der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Mit einer gemeinsamen Ausbildung für alle könnten Absolventen ihren Beruf flexibler an verschiedenen Orten etwa im Pflegeheim oder im Krankenhaus ausüben, sagte der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium. Die bereits von der Vorgängerregierung vorgeschlagene Neugestaltung könnte relativ schnell noch in dieser Legislaturperiode erfolgen, kündigte er an.

Laumann forderte außerdem eine bessere Bezahlung von Pflegekräften. Er sprach sich dafür aus, dass junge Menschen für ihre Ausbildung in Pflegeberufen nicht mehr bezahlen sollten. Absolventen will der Staatssekretär darüber hinaus den Weg zu einem Medizinstudium erleichtern. "Ich glaube nicht, dass es so gut ist, für das Medizinstudium vorwiegend den Numerus clausus als Auswahlkriterium zu nehmen", erklärte Laumann. "Wenn zum Beispiel jemand eine Ausbildung im Pflegebereich gemacht hat, sollte man dies auch anerkennen, wenn er danach Medizin studieren will."

Union und SPD sind sich einig, dass zusätzliche Pflegekräfte eingestellt werden müssen und die Situation der Demenzkranken verbessert werden soll. Spätestens zum 1. Januar 2015 werden die Beitragssätze der Pflegeversicherung um 0,3 Prozentpunkte erhöht. 0,2 Prozentpunkte davon sollen für Leistungsverbesserungen verwendet werden, 0,1 Prozentpunkte für einen Pflegevorsorgefonds, der künftige Leistungen für die wachsende Zahl der Pflegebedürftigen abfedern soll.

Fachkräftemangel wird sich verstärken

Um die Besserstellung der Demenzkranken zu finanzieren, sollen in einem zweiten Schritt die Beiträge noch einmal um 0,2 Prozentpunkte erhöht werden. In diesem Zusammenhang soll ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff zu Gunsten der Demenzkranken eingeführt werden. Er definiert verschiedene Pflegegrade und wann welche Leistungen der Pflegeversicherung ausgezahlt werden.

Ein Kernproblem ist der Fachkräftemangel. Schon derzeit fehlen deutschlandweit rund 30 000 Fachkräfte. Betroffene in Heimen und bei ambulanten Pflegediensten beklagen derzeit Pflege im Minutentakt. Dabei dürfte die Zahl der Pflegebedürftigen von heute 2,34 auf 4,51 Millionen im Jahr 2060 steigen. Zeitgleich wird sich der Bedarf an Pflegepersonal nach Schätzungen mehr als verdoppeln - von 629 600 auf 1,4 Millionen Vollzeitbeschäftigte.

Derweil starteten der Sozialverband VdK und die Deutsche Alzheimer Gesellschaft am Dienstag in Berlin eine bundesweite Kampagne für eine schnelle Reform der Pflege in Deutschland. "Eine große Reform der gesetzlichen Pflegeversicherung ist längst überfällig", sagte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. "Die vergangenen Jahre wurden in Sachen Pflege beinahe nutzlos vertan." Vor allem für Menschen mit Demenz habe es "nur ein paar Pflaster" gegeben.

Auch die Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft, Heike von Lützau-Hohlbein, forderte schnelle Verbesserungen für die 1,4 Millionen Demenzkranken. "Die meisten werden von Angehörigen, oft unter großen Opfern, betreut und gepflegt. Diese brauchen Anerkennung und individuell passende Unterstützung."