Trotz Milliardenbeihilfen bestellen sich Manager neue Dienstwagen oder fliegen mit Privatjets durch die Lande. Warum Chefs auch in der Krise maßlos sind.
"Ackermann trotz Milliardenverlust mit stolzgeschwellter Brust" titelt die Deutsche Presse Agentur, "GM lächelt sich durch die Apokalypse", schreibt CNN Money und spielt damit auf den General-Motors-Chef Rick Wagoner an. Die Wirtschaft steckt in der schlimmsten Rezession seit 80 Jahren und die Nachrichten sind voller Hiobsbotschaften: Extreme Gewinneinbrüche, der Verlust von Zehntausenden Jobs an einem Tag und Insolvenzen von Traditionsunternehmen.
Bild vergrößern
Privatjet und Millionenbeihilfen vom Staat: Für Manager geht trotz Krise beides zusammen. (© Foto: dpa)
Anzeige
Dass in der Krisenberichterstattung die Chefs der großen Konzerne im Mittelpunkt stehen, ist kein Zufall. "Unternehmenserfolg wird zunehmend mit einzelnen Personen in Verbindung gebracht", sagt Olaf Arndt, Management-Berater und Autor des Buches "CEO-Kommunikation. Strategien für Spitzenmanager".
Keine Kritik - nur Lob
Gerade Analysten würden für ihre Bewertung eines Betriebs den Chef ganz genau betrachten. Dabei sei auch der Faktor Glaubwürdigkeit ausschlaggebend für das Urteil. Gerade jetzt, wenn sich die strategischen Planungen eines Unternehmens veränderten, müssten diese eben auch überzeugend vermittelt werden, erläutert Arndt. Dabei sollten Manager auf Symbolik achten. "Sie sollten sich grundlegend authentisch verhalten. Wenn sich jemand verstellt, wirkt das entlarvend." Das Gespür für Authentizität fehle aber vielen - genauso wie Empathie.
Die Chefs könnten sich nicht in die Lage des Gegenübers hineinversetzen und dessen Gefühle nachempfinden. "In dem Bereich besteht großer Nachholbedarf." Das sieht auch Professor Jens Müller von der Hochschule Business and Information Technology School (BiTS) in Iserlohn so. "Der Chef wird von den Mitarbeitern eigentlich immer nur gelobt und nicht kritisiert." Deshalb stimme die Binnenansicht, also der Eindruck, den der Manager von sich selbst habe, oft nicht mit der Außenansicht, der Ansicht der Medien oder Öffentlichkeit, überein. Und genau dann bestehe die Gefahr, dass sich die Presse auf ein Fehlverhalten stürze und es zum Skandal komme.
PR-Abteilungen im Stress
"In Zeiten von Krisen reagieren Zuhörer und Medien sensibler", erklärt Müller. Dann werde die Lücke zwischen dem, was gesagt und zwischen dem, was getan werde, stärker wahrgenommen.
Als negatives Beispiel nennen die Experten die Vorsitzenden der amerikanischen Automobilhersteller General Motors, Ford und Chrysler. Sie waren in Verruf geraten, als sie in ihren Firmenjets anreisten, um im US-Kongress um Staatshilfen zu bitten. Ein weiteres Beispiel: Eine Tochtergesellschaft der IKB in Düsseldorf, die sich vor kurzem eine neue Dienstwagenflotte leistete, obwohl der Mutterkonzern Staatsgarantien in Milliardenhöhe bekommen hatte. Wird so etwas bekannt, haben die PR-Abteilungen der Konzerne alle Hände voll zu tun, den Schaden zu begrenzen.
Auf der nächsten Seite: Wie zum Beispiel die Deutsche Post versucht, ihre Manager komplett von den Medien fernzuhalten, um Skandale zu vermeiden.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Arbeiten in der Krise Profil zeigen um jeden Preis 29.01.2009
- Soft Skills Fachidioten im Chefsessel 18.02.2009
- Millionen für Pleite-Banker Die Bosse des Kapitals 04.03.2009
- Management in Krisenzeiten "Ein guter Chef zeigt Rückgrat" 15.02.2009
- Management Greifen Sie Freunde an! Loben Sie sich selbst! 12.02.2009
Moderne Verwaltung
Es ist nicht nur die Gier. Wie einst als ein "GröFaZ" mit Notverordnung ohne gesetzliche Einschränkung ein Land "1000 Jahre" regierte und seine Macht verbrecherisch ausschöpfte, so hat es für mich den Anschein: Jeder Mensch wird zu einem kleinen "GröFaZ", wenn seine Macht und Möglichkeiten nicht, entweder durch Moral oder wenn das nicht reicht durch Gesetz, begrenzt wird.
Aber, wir haben ja wieder und das lesen wir in der SZ jeden Tag, die Zeit der Schuldlosen. Und doch, alles ist...
Hausgemacht
Ihr habt gekämpft und habt gelitten,
ihr wart geschunden und ihr habt gebebt.
Doch es gab Hoffnung noch in eurer Mitten,
denn ihr habt aufrecht noch gelebt.
Mit Gottes Hilfe und Gesetz belogen,
geschröpft ein Leben lang von "Vater Staat".
Sozial und christlich seid ihr jetzt betrogen,
zu alt und hilflos, reif für Blümchensaat.
Moral und Liebe tönt aus aller Munde,
Mitleid und Güte das hält keiner aus.
Heut wieder ärmer heißt die frohe Kunde,
und bist du übrig, ja dann fliegst du raus.
Wahrhaftig sollten unsre Führer handeln,
Wahrheit verhaftet ohne Lug und Trug.
Das Geld nur scheffeln sie wahrhaftig,
das Volk fährt längst im andren Zug.
Jawohl, wir haben noch Eliten,
die sich bereichern, dass die Schwarte kracht,
auf Kosten von so Vieler Elend,
Freund Ackermann, du hast´s gebracht. (nur ein Sinnbild)
Ein echter Bauer, der geht hinterm Pfluge
und gibt beim Ackern auf den Boden acht.
Er schlachtet nicht die Kuh, die ihm die Milch gibt.
Das Elend ist so oft nur - hausgemacht.
Ortolan
Leider werden Sie es wohl nicht veröffentlichen. Doch möchte ich die SZ trotzdem loben für diese uneingeschränkte Möglichkeit etwas zu kommentieren, im Gegensatz zur FAZ. Danke
GEWISSENHAFTIGKEIT UND SCHAMGEFÜHL noch etwas BEDEUTEN, würde sich das TRAUERSPIEL der ewigen DISKUSSION UM KORRUPTE UND GELDGIERIGE MANAGER wohl ERÜBRIGEN............
was hat die Hanseatische gut geführte Fluglinie, hier auf dem Foto was zu tun, die werden demnächst Air Berlin kaufen....
Mitarbeiter werden sich aber auch positiv zu ihrem Chef stellen, in vorauseilendem Gehorsam oder aus Furcht, Nachteile bis hin zur Entlassung zu erleiden. Hinzu kommt, das PR Agenturen zum Teil ihre eigentliche Aufgabe darin sehen, die Wahrheit umzuschreiben, um damit ein positives Gesamtbild zu erzeugen. Vermutlich werden die Protagonisten dann auch noch den Unsinn glauben, der über sie verbreitet wird. Das führt in der nächsten Konsequenz dazu, dass die Herrschaften den Boden unter den Füßen verlieren und fortan sich nur noch als Feudal - Herscher generieren, was ja fast täglich zu "bewundern" ist.
Einfühlungsvermögen im Top-Management? Ist das nicht ein Widerspruch?
Natürlich - es gibt solche Ausnahmen. Im Mittelstand viel mehr als im Konzern.
Nicht umsonst macht das Wort "Management-Autisten" die Runde - als kleines Bonmot, wie die sich verhalten. Wo die Hyänen ständig auf andere lauern, um sich selbst ins rechte Licht zu rücken, ohne derweil von anderen Hyänen angegangen zu werden, muss man sich beziehungsmäßig abschotten und viel an sich abprallen lassen. Wer aber emotional abprallen läßt, dem fehlt genau das beklagte Einfühlungsvermögen. Aus Selbstschutz vor dem Bösen verliert man auch die Offenheit.
Paging