Manager, die nur von Assistenten und Vasallen umgeben sind, haben oft den Eindruck, sie könnten die Welt mit einem Fingerschnippen dirigieren. Doch die Firma ist kein Truppenübungsplatz.
Kollegen, rührt euch!", könnte man rufen. Telekom-Chef René Obermann hat das Signal zur Entspannung gegeben. "Blinde Befehlsgläubigkeit darf es nicht geben", sagte der Oberkommandeur des größten deutschen Telefonier-Konzerns vergangene Woche in einem Interview und forderte seine Mitarbeiter auf, bei Fällen wie dem jüngsten Spitzelskandal in seinem Hause doch bitte Courage zu zeigen und auf Ungereimtheiten hinzuweisen.
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Mitarbeiter sind nicht bloss willige Befehlsempfänger. Statt militärischem Drill brauchen sie eher einen Chef, der als positives Vorbild fungiert. (© Foto: ap)
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Nun wissen wir zwar nicht, wie es in einem Unternehmen zugeht, das preußischer Beamtentradition entwachsen ist und von einem Chef gelenkt wird, dessen interner Spitzname ansonsten einen ziemlich bissigen Hund kategorisiert. Aber seien Sie versichert, Herr Obermann, in normalen Firmen läuft alles ganz anders als beim Militär.
Nun gut, das gilt vielleicht nicht für die - wie die Preußen gesagt hätten - Oberste Heeresleitung. Möglich, dass einer, der von Assistenten und Führungskreis-1-Vasallen umgeben ist, den Eindruck hat, man könne die Welt mit einem Fingerschnippen dirigieren.
Aber auf den Ebenen darunter merkt der Vorgesetzte schnell, dass er mit Befehlen ähnlich weit kommt wie zu Hause beim Nachwuchs, wenn es um das Erstellen von Hausaufgaben, Nicht-Schmatzen am Abendbrottisch oder Abschalten von "Germany's next Topmodel" im Fernsehen geht. Sie funktionieren mal, und viel öfter nicht. Und je öfter sie benutzt werden, desto öfter nicht.
Dann entscheidet der Mitarbeiter lieber nach eigenem Ermessen, ob das Erstellen der Vorlage bis exakt 13.30 Uhr den Fortgang seiner Karriere fördert, oder ob sich eine Anweisung auch mal aussitzen lässt. Der kluge Chef hält sich deshalb mit Befehlen zurück. Denn wer befiehlt, muss auch sanktionieren. Und wer andauernd sanktioniert, ist die ihm Anvertrauten schnell los, zumindest ihre Loyalität.
Seismographen statt willige Vollstrecker
Statt willige Vollstrecker sind die meisten Mitarbeiter eher wie Seismographen. Sie reagieren empfindlich auf Schwingungen, jene Signale, die der Chef aussendet. Arbeitet er bis in die Abendstunden? Unterstützt er Teams? Hört er zu? Geht er im Dienst shoppen? Managt seine Sekretärin sein Privatleben? Umgarnt er Kunden mit üppigen Geschenken?
Mitarbeiter merken sich all das. So wie sich Kinder merken, ob Papa beim Essen fünfmal aufspringt oder Mama nach dem Frühstück das Zähneputzen auslässt.
Aus all diesen Bausteinen wird etwas, das man im Berufsalltag Unternehmenskultur nennt und das stärker zieht als jeder Befehl. Er möge doch jetzt ein Soldat sein - so wurde angeblich einmal ein Siemens-Mitarbeiter zum Bestechen aufgefordert. Unnötig. Genügend Kollegen wussten offenbar, wie es geht. Die Karriere-Gesetze der Firma prägen sich am Anschauungsobjekt ein. Der Chef ist der Verhaltenskodex aus Fleisch und Blut.
Freilich, man kann es auch mit Führung à la Feldwebel versuchen. Der heutige Chrysler-Chef Robert Nardelli probierte dies einst als Lenker der amerikanischen Baumarktkette Home Depot, wo er die Leitungsebenen bevorzugt mit Männern und Frauen aus der Truppe bestückte. Bis er hinausflog, weil sein Zahlenregiment die Kunden vergessen hatte.
Airbus-Chef Thomas Enders, Major der Reserve, behauptete kürzlich in einem Interview: "Eine gute militärische Ausbildung ist auch eine gute Voraussetzung für gutes Management." Die Kunden des Großflugzeugs A380 warten nach zahlreichen Lieferverspätungen noch auf den Beweis.
- Unternehmenskultur Eine Frage des Stils 07.02.2008
- Studie zur Unternehmenskultur Wettbewerbsfaktor Mitarbeiter 27.12.2007
- Liebe am Arbeitsplatz Der Chef muss sich raushalten 12.02.2008
- Mein Kollege sagt ... "Ich kündige" 04.02.2008
(SZ vom 16.6.2008/mei)
Verkehrssünderdatei in Flensburg
Ja die Bundeswehr und alle modernen Armeen der Welt funktionieren noch nach dem preußischen Prinzip.... Der Hauptmann von Köpenick lässt grüßen.
Danke, für diesen Artikel da ist selbst ein Kropf noch nötiger.
Frau Borchardt hat (vielleicht mal) eine Kaserne von außen gesehen und war dann von der zackigen Haltung des Wachhabenden erschrocken. Lässt man mal die Grundausbildung außen vor und schaut sich eine professionelle Truppe an sei es bei den deutschen KRK bzw. KSK-Einheiten oder unseren NATO-Bündnispartnern merkt man schnell, das hier schon seit Jahrzehnten auf moderne Menschenführung und Erwachsenenbildung gesetzt wird. Wenn man sich ansieht unter welchem Stress und unter welchen Bedingungen hier der Dienst und die Logistik funktioniert, können sich alle Unternehmen einiges von der Firmenkultur absehen. Ich habe z.B. in meiner Dienstzeit als Gruppenführer keinen blinden Galgengehorsam erlebt, heute in der Wirtschaft als Teamleader erlebe ich das jeden Tag
Stehen Sie bequem Frau Borchardt
Die Frima mag keine Kaserne sein, ein demokratischer Ort ist sie allerdings nicht. Das soll hier nur einmal festgestellt werden. Und die meiste Zeit befindet sich der arbeitende Mensch in der Arbeit. Mit Anfahrt/Überstunden etwa 10h pro Tag. 8h schläft er, nur 6h ist er quasi in dieser Demokratie - jedenfalls in Irland ist er in einer. ;-)
"Ein Befehl ist eine Anordung zu einem bestimmten Verhalten, die ein Vorgesetzter einem Untergebenen schriftlich, mündlich oder in anderer Weise, allgemein oder für den Einzelfall und mit dem Anspruch auf Gehorsam erteilt" (siehe § 2 Nr. 2 Wehrstrafgesetz).
Ein "ziviler" Vorgesetzter will doch wohl auch nichts anderes Frau Borchardt, oder?
Um dies zu möglichst optimal zu erreichen, muß jeder Vorgesetzte Mitarbeiter/Untergebene motivieren und mitnehmen, durch Vorbild führen, egal ob beim "Bund" oder im Unternehmen. Der von Ihnen beschriebene Führungsstil á la Feldwebel wird hier wie dort nicht zum Erfolg führen, zumal auch der Feldwebel hinschaut, ob sein Kompaniechef früher geht, Privates und Dienstliches vermischt usw., ob also eine Unternehmens-/Führungskultur gepflegt wird. Nur formeller "Führer" zu sein reicht nicht, jeder Chef sollte/muß auch informeller "Führer" sein. Beim deutschen ISAF-Kontigent in Afghanistan können Sie das gerne überprüfen, wenn sich Ihnen einmal die Gelegenheit dazu ergeben sollte.
dass der Autor hier ein Zerrbild des Militärs benutzt.
Da ist es genauso wie in jeder Firma ... wer befielt, muss sanktionieren und wer zu viel sanktioniert dem geht die Motivation der Mitarbeiter flöten.
magr