Der Rest ist sozusagen Geschichte. Ende der neunziger Jahre war Nokia der größte Hersteller von Mobiltelefonen auf der ganzen Welt, und Finnland galt als das wettbewerbsfähigste Land der Welt. Während dieses Prozesses war die gesamte finnische Industrie sowie der Bankensektor des Landes restrukturiert worden. Menschen wurden entlassen, aber allmählich wurden neue Jobs geschaffen. Die Lektion für finnische Führungskräfte war klar: Handeln führt zu Erfolg, Tatenlosigkeit wird bestraft.
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Das Nokia-Team, das in den frühen neunziger Jahren die richtigen Entscheidungen getroffen hatte, wurde von Jorma Ollila angeführt, dem heutigen Vorsitzenden. Eine der Schlüsselfiguren in seinem Team war Olli-Pekka Kallasvuo, der heutige Vorstandschef. Zahlreiche der weiteren Mitglieder der Gruppe mögen nun anderswo hingegangen sein, aber die Vermutung dürfte zutreffen, dass die Präferenz dafür, große Entscheidungen richtig zu treffen, weiterhin zum Wesen der Firma gehört.
Gleichwohl geht es beim finnischen Managementstil nicht nur darum, mit großen Entscheidungen aufzuwarten. Es geht darum, den Baum immer wieder zu beschneiden. Im Unterschied zu seinen Konkurrenten hat Nokia es geschafft, Massenentlassungen zu vermeiden. Ericsson und Motorola mussten Zehntausende Menschen loswerden. Der Grund dafür, dass Nokia relativ erfolgreich darin war, solch drastische Maßnahmen zu vermeiden, war konstante Wachsamkeit. Die Führung will nicht, dass ihr die Dinge entgleiten - so wie es Anfang der neunziger Jahre der Fall war.
Finnland ist unhierarchisch
Die Schließung von Bochum ist nun einer der größten Schritte dieser Art für das moderne Nokia. Einer Firma, die immer stolz darauf war, Massenentlassungen zu vermeiden, muss das sehr schwergefallen sein. Kein Zweifel, für die Arbeiter ist es noch härter. Aber Nokia ist kein Einzelfall. Alle Konkurrenten haben die Handyproduktion in Deutschland schon viel früher eingestellt - der hohen Kosten wegen.
Bereit zu sein, harte Entscheidungen zu treffen, und zwar, ohne dass es zuvor ausführliche Konsultationen gegeben hätte - dies mag sich sehr nach hierarchischem Denken anhören. Aber das ist es nicht. Große finnische Firmen sind erstaunlich unhierarchisch. Jeder, der eine gute Idee hat, wird angehört. Statt einer hierarchischen Struktur gibt es eine klare Arbeitsteilung: Das Management-Team entscheidet, die Mannschaft setzt um. Nachdem das Managementteam die strategischen Entscheidungen gefällt hat, hat die Mannschaft aber alle Freiheit, sie auf die ihrer Meinung nach bestmögliche Weise umzusetzen.
Schwedische Unternehmensführer vertreten manchmal die Ansicht, der beste Managementstil der Welt wäre eine Kombination aus finnischer Entschlossenheit und schwedischer - oder deutscher - Bereitschaft, jedermann an Entscheidungen zu beteiligen. Vermutlich würden viele Deutsche dem zustimmen.
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(SZ vom 22.1.2008/bön)
Bruce Springsteen in Frankfurt
Es bleibt abzuwarten ob die Einsparungen bei den Produktionskosten den entstandenen Imageschaden wettmachen können. Auf der anderen Seite bin ich natürlich nicht informiert, wie wichtig der deutsche Markt für Nokia ist.
Als Nokia sich in D niedergelassen hatte, haben die doch nur eine strategische Entscheidung getroffen. Es ist doch klar, dass besonders eine auslaendische Firma keine Bindung zu einem Standort irgendwo in der Welt hat. Wer das glaubt, sollte den Kindergarten wieder Besuchen! Mit Sicherheit gab es keinerlei Garantien, dass das Werk fuer Immer unterhalten wird - oder?
Das ist eben der Fluch der Globalisierung. Viele Leute meinen, dass das was positives ist, aber letztendlich provitieren davon nur die Superreichen. Das ist wie mit den Heuschrecken, denn die fressen sich satt und ziehen dann weiter dorthin, wo man sich wieder sattfressen kann. Ein Gewissen haben die nicht.
Ich kann es nur immer wieder betonen, man muss diesen Bestrebungen Einhalt gebieten, aber damit stehe ich scheinbar allein auf weiter Flur.
Hinzu komen noch, dass die dt. Manager, die nicht einmal ein klein bischen Bindung zum heimischen Arbeitsmarkt haben, denn die verlagern ja sogar Hi-Tech Standorte in billige Regionen und riskieren damit den Untergang des Unternehmens, weil die Qualitaet nicht mehr passt. Oder ein Schrempp zeigt mehr Loyalitaet fuer den amerikan. Standort, als fuer den Deutschen und wirtschaftet Mercedes in Grund und Boden. Bei EADS, Siemens und vielen anderen ist es nicht besser.
Wann stoppen wir denn endlich diese Verraeter!
Ein Hoch auf unsere Zukunft!!!
kann auch nur soviel verlangen wie alle verlangen. Soll heißen, dass Nokia sich nun im Preis mit den anderen Billigherstellern vergleichen lassen muss.
Bislang habe ich gerne Nokia-Handys gekauft uns war auch erstaunt als ich eines mit "Made in Germany" darunter fand. Da das Nokia-Management nun aber so produziert wie die Billigkonkurenz, zählt für mich in Zukunft nur noch Ausstattung und Preis. Ich werde Nokia nicht boykottieren, aber der Name Nokia hat auch keinen Bonus mehr. Den hat das Management verspielt, da mittlerweile auch Firmen wie Samsung in Rumänien für den europäischen Markt herstellen.
Das ist ein kleiner, aber wesentlicher Unterschied!
Trotzdem wäre es schön, wenn Nokia erklären würde, warum die Höhe der Personalkosten entscheidend war, wenn diese nur 5 % der Herstellungskosten betragen?
Und wie rumänische Arbeiter Nokia Handys kaufen sollen, wenn sie im Monat soviel verdienen, wie ein Nokia Handy kostet?
Die Antworten wären deshalb wichtig, weil es Zeit wird für uns in Deutschland daraus zu lernen. Der Markt bestimmt die Bedingungen, nicht eine deutsche Bundeskanzlerin, nicht ein Herr Beck, kein Bsirske und Bisky, ja sogar nicht die SZ!