Die Geschichte hat uns Finnen gelehrt, stets zu tun, was nötig ist - manchmal kann die Kommunikation darunter leiden.
Risto E. J. Penttilä ist Direktor von "Elinkeinoelämän Valtuuskunta" (EVA), des Finnischen Business- und Politikforums, in Helsinki. EVA wird von der Wirtschaft des Landes finanziert.
Risto E. J. Penttilä: "Im Unterschied zu seinen Konkurrenten hat Nokia es geschafft, Massenentlassungen zu vermeiden." (© Foto: oh)
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Die Entscheidung der Firma Nokia, eine Fabrik in Bochum zu schließen, hat die Aufmerksamkeit in Deutschland auf den finnischen Managementstil gelenkt. In den Augen finnischer Firmenlenker ist das wichtigste Charakteristikum eines erfolgreichen Chefs, in der Lage zu sein, jederzeit schwierige Entscheidungen zu treffen. Zugleich wird nichts als eindeutigeres Indiz für einen schwachen Chef gesehen als das Vermeiden von schwierigen Entscheidungen.
Finnen mögen es, sich mit ihrem liebsten Konkurrenten zu vergleichen, Schweden. Beim Managementstil ist der Kontrast zwischen beiden Ländern stark. Laut einer gemeinsamen finnisch-schwedischen Studie legt die schwedische Firmenkultur mehr Wert auf einen korrekten Prozess. Jedem die Chance geben, gehört zu werden - dies wird in Schweden als wichtiger erachtet als der tatsächliche Inhalt oder der Zeitpunkt einer Entscheidung. In Finnland dagegen konzentriert man sich darauf, die richtige Entscheidung zur richtigen Zeit zu treffen. Wenn man so sehr Wert auf das Handeln legt, kann die Kommunikation manchmal darunter leiden.
Dieser ergebnisorientierte Führungsstil kann teilweise mit Finnlands Geschichte erklärt werden. Während des Kalten Krieges verteidigte das Land seine Freiheit durch einige sehr unpopuläre, aber notwendige Entscheidungen. Niemand - abgesehen von einer kleinen Minderheit von Kommunisten - wollte, dass Finnland einen Freundschaftsvertrag mit der Sowjetunion unterschrieb. Trotzdem wurde der Vertrag unterschrieben, weil die Politiker ihn als überlebenswichtig erachteten. Dass sie gleich neben dem sowjetischen Giganten lebten, lehrte die Finnen, dass Überleben wichtiger ist als Stil.
Nokia in Notlage
Die vergangenen 15 Jahre haben die finnische Wirtschaft sehr gefordert. Einige haben von einer Achterbahnfahrt gesprochen. Wie immer man das sehen mag, auf jeden Fall kann Finnlands Firmenkultur nur verstanden werden, wenn man die Auswirkungen der Wirtschaftskrise der frühen neunziger Jahre mit in Betracht zieht. Sie setzte nach einer sehr guten Phase ein und traf das Land hart. Es handelte sich um die tiefste Rezession in einem OECD-Land nach dem Zweiten Weltkrieg. Finnische Wirtschaftsführer und Politiker machten hier prägende Erfahrungen. Für sie zeigte sich damals die Bedeutung entschiedenen Handelns.
In den frühen Neunzigern waren sowohl Finnland als auch Nokia beinahe bankrott. Als Folge des Zusammenbruchs der Sowjetunion hatte Finnland fast 25 Prozent seiner Exporte eingebüßt. Die Arbeitslosenrate erreichte 20 Prozent. Nokia befand sich ebenso in einer Notlage. Die Haushaltselektronik der Firma war höchst unprofitabel. Die Banken drehten dem Konzern den Rücken zu. Es gab Gerüchte über eine unmittelbar bevorstehende Übernahme durch eine ausländische Gesellschaft.
Dies war der Punkt, an dem eine kleine Gruppe von Führungskräften dachte, Nokia solle sich auf die Mobilkommunikation konzentrieren und sich von allen anderen Geschäftsfeldern trennen. Sie brachte diese Idee dem Vorstand nahe und begann, dies zu exekutieren. Zur selben Zeit beschloss die finnische Regierung, sich auf die sehr harten Kriterien des Maastricht-Vertrags einzulassen (wobei jeder dachte, dass es für das rezessionsgeplagte Finnland völlig unrealistisch sei, diese Kriterien zu erfüllen) sowie die Mitgliedschaft in der EU anzustreben.
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Anti-Piraterie-Abkommen
Es bleibt abzuwarten ob die Einsparungen bei den Produktionskosten den entstandenen Imageschaden wettmachen können. Auf der anderen Seite bin ich natürlich nicht informiert, wie wichtig der deutsche Markt für Nokia ist.
Als Nokia sich in D niedergelassen hatte, haben die doch nur eine strategische Entscheidung getroffen. Es ist doch klar, dass besonders eine auslaendische Firma keine Bindung zu einem Standort irgendwo in der Welt hat. Wer das glaubt, sollte den Kindergarten wieder Besuchen! Mit Sicherheit gab es keinerlei Garantien, dass das Werk fuer Immer unterhalten wird - oder?
Das ist eben der Fluch der Globalisierung. Viele Leute meinen, dass das was positives ist, aber letztendlich provitieren davon nur die Superreichen. Das ist wie mit den Heuschrecken, denn die fressen sich satt und ziehen dann weiter dorthin, wo man sich wieder sattfressen kann. Ein Gewissen haben die nicht.
Ich kann es nur immer wieder betonen, man muss diesen Bestrebungen Einhalt gebieten, aber damit stehe ich scheinbar allein auf weiter Flur.
Hinzu komen noch, dass die dt. Manager, die nicht einmal ein klein bischen Bindung zum heimischen Arbeitsmarkt haben, denn die verlagern ja sogar Hi-Tech Standorte in billige Regionen und riskieren damit den Untergang des Unternehmens, weil die Qualitaet nicht mehr passt. Oder ein Schrempp zeigt mehr Loyalitaet fuer den amerikan. Standort, als fuer den Deutschen und wirtschaftet Mercedes in Grund und Boden. Bei EADS, Siemens und vielen anderen ist es nicht besser.
Wann stoppen wir denn endlich diese Verraeter!
Ein Hoch auf unsere Zukunft!!!
kann auch nur soviel verlangen wie alle verlangen. Soll heißen, dass Nokia sich nun im Preis mit den anderen Billigherstellern vergleichen lassen muss.
Bislang habe ich gerne Nokia-Handys gekauft uns war auch erstaunt als ich eines mit "Made in Germany" darunter fand. Da das Nokia-Management nun aber so produziert wie die Billigkonkurenz, zählt für mich in Zukunft nur noch Ausstattung und Preis. Ich werde Nokia nicht boykottieren, aber der Name Nokia hat auch keinen Bonus mehr. Den hat das Management verspielt, da mittlerweile auch Firmen wie Samsung in Rumänien für den europäischen Markt herstellen.
Das ist ein kleiner, aber wesentlicher Unterschied!
Trotzdem wäre es schön, wenn Nokia erklären würde, warum die Höhe der Personalkosten entscheidend war, wenn diese nur 5 % der Herstellungskosten betragen?
Und wie rumänische Arbeiter Nokia Handys kaufen sollen, wenn sie im Monat soviel verdienen, wie ein Nokia Handy kostet?
Die Antworten wären deshalb wichtig, weil es Zeit wird für uns in Deutschland daraus zu lernen. Der Markt bestimmt die Bedingungen, nicht eine deutsche Bundeskanzlerin, nicht ein Herr Beck, kein Bsirske und Bisky, ja sogar nicht die SZ!