Gewinnmaximierung vs. Moral

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Viele Manager wollen Werte leben - können aber oft nicht. Diese Diskrepanz setzt sie unter Druck. "Wer seine eigenen Ansprüche an Menschlichkeit ins Kühlfach legt, verhärtet psychisch. Das macht unzufrieden. Und im schlimmeren Fall krank", sagt Martin Holfelder vom Hattinger Büro für Personal- und Organisationsentwicklung.

Der Arbeits- und Organisationspsychologe empfiehlt den Managern, kein Doppelleben zu führen, nach dem Motto: "Eigentlich bin ich ganz anders". Wichtig sei: "Augen aufmachen, sich die Erfordernisse des Marktes nüchtern anschauen und die eigenen Ansprüche an Fairness einbeziehen." Hat der Manager abgewogen, was menschlich wäre und was betriebswirtschaftlich notwendig ist, kann er eine bewusste Entscheidung fällen. "Und sich das schlechte Gewissen sparen", meint Holfelder.

Korndörffer ist davon überzeugt, dass Werte auch finanziellen Erfolg bringen und den Wert eines Unternehmens steigern. Der Fach- und Führungskräftemangel habe ein Bewusstsein dafür geschaffen, Menschen durch eine werteorientierte Unternehmenskultur langfristig zu binden. "Ein Unternehmen, in dem ein Klima des Vertrauens herrscht, hat eine andere Motivationsleistung und Wertschöpfung als ein Betrieb, in dem mit Ellbogen gearbeitet wird", sagt er. Oder anders ausgedrückt: Wer motiviert ist, ist leidenschaftlicher. Und damit auch leistungsfähiger. Entscheidend seien transparente und klare Vorbilder. "Wie gut eine Kneipe ist, hängt von den Köpfen hinter der Theke ab", sagt Korndörffer.

Voraussetzung für gelebte Werte ist neben einer Führungskraft mit Vorbildfunktion ein sogenanntes Wertemanagementsystem. "Damit schafft man den Grundrahmen im Unternehmen", sagt Korndörffer. Doch was ist mit jenen Führungskräften und Unternehmen, die Gewinnmaximierung und Moral nicht miteinander in Verbindung bringen wollen? Was ist mit den berechnenden, egozentrischen und aggressiven Managern, denen es hauptsächlich um Geld und Macht geht? "Wenn Menschen nur auf Zahlen schauen, ist das ein Ausdruck von Selbstverachtung", sagt Pater Anselm Grün aus der Benediktinerabtei Münsterschwarzach, Managertrainer und Autor.

Die Gefühllosigkeit mancher Manager hält Pater Grün lediglich für einen Schutz, hinter der sie sich verstecken. "Aber der Gesellschaft tut ein solches Verhalten nicht gut. Das Klima wird rau, die Menschlichkeit geht verloren." Langfristig führe dieser Weg nicht zum Erfolg. Denn: "Niemand will mit einem Unternehmen zu tun haben, das wertelos ist", sagt Grün. Werte seien also eine Grundvoraussetzung auch für wirtschaftlichen Erfolg. Und zahlten sich letztlich finanziell aus. Das bestätigt auch DMV-Chef Willmanns: Nach einer noch unveröffentlichten Studie der Universität Graz seien wertegeführte Unternehmen langfristig erfolgreicher.

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(SZ vom 1.3.3008/bön)