Von Nadja Brize

Verantwortung, Vertrauen, Respekt. Das sind Werte, die jeder schätzt - aber bitte nach Feierabend. Manche Führungskräfte setzen auf die Rückkehr zu menschlichen Werten.

Verantwortung, Vertrauen, Respekt. Das sind Werte, die jeder schätzt. Aber bitte nach Feierabend. Wenn es sein muss, auch in Hochglanzbroschüren. Oder auf Festreden. Aber im Unternehmensalltag? Hier sind sie fehl am Platze. Hier zählen Zahlen. Sollte man meinen. Doch es gibt auch Manager, die auf Werte setzen und sie leben.

Eiswürfel, iStock

"Wer seine eigenen Ansprüche an Menschlichkeit ins Kühlfach legt, verhärtet psychisch", sagt Martin Holfelder vom Hattinger Büro für Personal- und Organisationsentwicklung. (© Foto: iStock)

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Sven Korndörffer, Managing Director Corporate Communications der Areal-Bank in Frankfurt ist einer von ihnen. "Ich bin ein Mensch, der von Menschen überzeugt ist", sagt er. "Ich möchte anderen im Unternehmen zeigen, dass es sich lohnt, Werte zu integrieren, sie zu leben." Nicht nur im eigenen Unternehmen tut er das. Auch außerhalb will Korndörfer mit der sogenannten Wertekommission, deren Vorstandsvorsitzender er ist, anderen Führungskräften zeigen: eine gute Firmen-Performance und Zugewandtheit zu den Menschen lässt sich realisieren.

Arbeitgeber nach Werten auswählen

Der Verein, der etwa tausend Unterstützer hat - darunter namhafte Manager der deutschen Wirtschaft - führte eine Führungskräfte-Befragung durch und fand heraus: Vor allem die 25- bis 45-Jährigen legen deutlich mehr Wert auf Werte in der Wirtschaft als vielfach angenommen. 26 Prozent sind sogar bereit, das Unternehmen zu wechseln, wenn ihre Wertevorstellungen mit denen des jetzigen Arbeitgebers kollidieren. Für 44 Prozent steht fest, dass Werte bei der Auswahl ihres nächsten Arbeitgebers eine wesentliche Rolle spielen.

Hauptgründe für Konflikte sei die ausgeprägte Kennzahlorientierung - und damit verbundene Vorgaben von der Unternehmensspitze. "Die Studie macht klar, dass Unternehmen gut beraten sind, sich mit allem Nachdruck mit dem Thema Werte zu befassen", sagt Korndörfer.

Kurzfristige Erfolge an der Börse

Die jüngsten Diskussionen um das Verhalten von Top-Managern haben auch den Deutschen Manager-Verband (DMV) alarmiert, der jetzt einen "Werteleitfaden für Führungskräfte" veröffentlicht hat. Das Buch soll den etwa 600.000 Managern in deutschen Unternehmen ein Wertesystem für ethisch geprägte Entscheidungen bieten, sagt der DMV-Vorstandsvorsitzende Rainer Willmanns. Gerade weil einige Spitzenkräfte die Wirtschaft in Verruf gebracht hätten, wolle der Manager-Verband klar Stellung beziehen: Moral im Wirtschaftsleben sei unverzichtbar.

Oft feierten Unternehmen mit Massenentlassungen kurzfristige Erfolge an der Börse. Langfristig sei die "Freisetzung" solch großer Teile der Belegschaft jedoch der "Untergang eines Unternehmens", sagt Mitautor Eberhard Morawa. Firmen mit ausgeprägter Unternehmenskultur kämen nach seiner Erfahrung erst gar nicht in die Situation, sich von so vielen Angestellten trennen zu müssen.

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