Uwe Dräger

Uwe Dräger, Erzieher aus Berlin:

"Wie es für viele Männer in Frauenberufen charakteristisch ist, bin ich auf Umwegen zu meinem Job gekommen. Ich habe zunächst im Tiefbau gearbeitet, später an der Schule mein Abitur nachgemacht. Währenddessen habe ich unter anderem für einen Kinderzirkus gearbeitet und so ein paar Mark verdient. Irgendwie bin ich bei der Arbeit mit Kindern hängen geblieben. Ich habe lange als Angestellter im Erziehungsdienst gearbeitet und vor zwei Jahren schließlich berufsbegleitend eine Ausbildung zum Erzieher gemacht.

Die Eltern reagieren durchweg positiv auf mich. Es ist gar keine Frage für sie, ob ein Mann auf ihre Kinder aufpassen kann. Im Berliner Bildungsprogramm ist für alle Bildungseinrichtungen der Stadt festgeschrieben, dass die Eltern bei Personalentscheidungen ein Mitspracherecht haben. Keinen von ihnen hat es gestört, dass ich auch auf die Kleinsten im Alter von ein bis zwei Jahren aufpasse.

Es ist schade, dass so wenig Männer in Frauenberufen tätig sind. Es gab schon bundesweit verschiedene Projekte, um mehr Männer in den Erziehungsbereich zu bringen. Aber das ist schwierig. Die Jobs sind nicht hoch angesehen. Viele denken: Die Kindergartentante spielt vormittags halt ein bisschen mit den Kindern.

Ein Mann in einem Frauenberuf ist sowieso ein Weichei, denken viele. Schafft eine Frau es in einem Männerberuf, heißt es, sie macht einen Aufstieg. Umgekehrt ist das für einen Mann ein beruflicher Abstieg. Aber ich stehe über all diesen Kommentaren. Mir ist das egal. Ich mache meine Arbeit einfach sehr gerne."

Foto: privat

(sueddeutsche.de/bön)

26. Mai 2008, 17:37 2008-05-26 17:37:00