Der größte Wirtschaftsboom seit 20 Jahren und so wenige Arbeitslose wie lange nicht mehr: Deutschland ist mittendrin im Aufschwung. Doch den Preis dafür zahlen die Arbeitnehmer, deren Löhne seit einem Jahrzehnt stagnieren. Geringverdiener müssen sogar mit weniger auskommen. Warum sie nichts vom Aufschwung haben - und was zu tun ist, um das zu ändern.
Der größte Wirtschaftsboom seit zwei Jahrzehnten, die niedrigste Arbeitslosigkeit - Deutschland kann sich derzeit in guten Nachrichten sonnen. Doch hat der Aufschwung eine dunkle Seite. Den Preis für die wiedergewonnene Wettbewerbsfähigkeit der Bundesrepublik haben vor allem die Arbeitnehmer gezahlt.
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Geringverdiener in Deutschland bekommen heute weniger Gehalt als noch vor zehn Jahren. (© dpa)
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Seit nunmehr einem Jahrzehnt sind die Löhne in der Bundesrepublik nicht mehr gewachsen, und das hat den Boom ausgelöst. Noch schlimmer sieht es für die Menschen aus, die ohnehin wenig verdienen. Ihre monatlichen Nettogehälter sind in der letzten Dekade zum Teil deutlich geschrumpft. Das jedenfalls zeigen die Daten der langfristig angelegten Bevölkerungsbefragung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.
Verantwortlich für die Lohneinbußen am unteren Rand ist die Zunahme der sogenannten atypischen Beschäftigungsverhältnisse. Da geht es um die Verkäuferin, die nur tageweise arbeitet, weil sie keinen Vollzeitjob findet und deshalb im Monat weniger verdient als früher. Darunter fällt der Zeitarbeiter, der die gleiche Aufgabe verrichtet wie sein fest angestellter Kollege, dafür allerdings weniger Geld erhält.
Mit einiger Berechtigung kann man sagen: Es ist besser für den Einzelnen und für die Volkswirtschaft insgesamt, wenn diese Menschen einer schlecht bezahlten Arbeit nachgehen anstatt in Arbeitslosigkeit zu verharren. Doch das alleine wäre zu kurz gegriffen. Vieles, was im Niedriglohnbereich passiert, ist missbräuchlich. Da werden Vollzeitstellen massenhaft in Teilzeitstellen umgewandelt oder in Minijobs zerhackt. Und die Zeitarbeit dient manchem Unternehmen als günstiger Weg, um das teurere Stammpersonal unter Druck zu setzen oder loszuwerden.
Auch die sogenannten Besserverdienenden sind nicht verschont geblieben von der jahrelangen Lohnzurückhaltung. Sie konnten ihr Einkommen zwar halten, doch viel mehr war nicht drin. Auch sie haben damit einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zum Aufschwung geleistet. Die gute Nachricht ist, dass sich bei ihnen in den kommenden Monaten eine Trendwende abzeichnet. Denn die hohe Auslastung der Betriebe und die Suche nach qualifiziertem Personal, Spezialisten gar, wird den Preis für die Arbeit in diesem Bereich nahezu zwangsläufig nach oben treiben.
Was nun kann die Politik tun, um auch die Menschen am unteren Ende der Einkommensskala am Wirtschaftsboom teilhaben zu lassen? Dreierlei ist notwendig. Erstens: Die Löhne für die Zeitarbeiter müssen schrittweise an die der Festangestellten angeglichen werden. Zweitens müssen die Minijobs stärker reglementiert und es muss gegen ihren Missbrauch vorgegangen werden. Schließlich könnte die Koalition drittens ihre Steuersenkungspläne in ein Programm zur Senkung der Beiträge umwandeln. Denn diese belasten auch die Niedriglöhner vom ersten verdienten Euro an mit fast zwanzig Prozent. So hätten alle etwas mehr vom Aufschwung.
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(SZ vom 21.07.2011/holz)
Moderne Verwaltung
Bei der anscheinend überraschenden Erkenntniss, dass die Löhne zumindest der unteren 2/3 der Einkommenspyramide sinken (mit einem kurzen Blick auf die Einkommensstatistik ist dies nebenbei bemerkt seit mindestens 7-8 Jahren leicht zu sehen) sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der Ausbau des Niederiglohnbereiches erklärtes Ziel der Rot/Grünen Regierung Schröder war.
Sowohl die Hartz IV Reform, als auch die sogenannte Flexibilisierung am Arbeitsmarkt wurde explizit mit dieser Zielrichtung durchgeführt. Begründet wurde dies damit, dass die Bundesrepublik "Wettbewerbsfähig" werden müsse. Das Unsinnige dieser Begründung wird deutlich, wenn man sich klar macht, dass es in den letzten 30 Jahren nicht ein einziges Jahr gab, in dem Deutschland keinen Aussenhandelsüberschuss gehabt hätte.
Deutschland wird nicht durch den Druck der Globalisierung angetrieben. Wir sind die mit der Peitsche.
guter Artikel Herr Bohsem, liest man selten so in der SZ. Horst Ahfeldt ein ehemaliger Mitarbeiter vom Physiker von Weizäcker hat schon 2003 ein Buch veröffentlicht mit dem Titel, Wirtschaft, die arm macht. Dort ist bereits das Auseinanderlaufen von Unternehmergewinnen und den Einkommen aus abhängiger Beschäftigung dokumentiert. Zum Schluss fordern Sie die Senkung der Sozialabgaben. Die Lohnnebenkosten, die der Arbeitgeber bezahlt sind Teile des Lohns, wer sie senken will, will die Löhne kürzen. Nur der Beitrag der Arbeitnehmer zu den Sozialabgaben im Niedriglohnsektor müsste gekürzt werden. Dafür kann man die ungerechten Beitragsbemessungsgrenzen abschaffen.
Weiterführung des Textes vom 21.07.2011 10:38 in dieser Rubrik
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Somit sind wir – nach Beurteilung der Rahmenbedingungen – bei einem Lohnverlust von über 60 % ( Brutto / Netto ). Seit 2005 wurde die Entlohnung bei „Neueinsteigern“ nicht erhöht und gleichzeitig wurde eine niedrigere Einstufung der „neuen“ Mitarbeiter vorgenommen.
Dieses Beispiel ist stellvertretend für viele Branchen, in der gesamt Deutschland, zu finden.
Überwiegende Aussnahmen sind bei Angestellte und Beamte im öffentlichen Dienst anzutreffen.
P.S. Auch „freiwillige“ Lohnkürzungen bis zu 30% vom Bruttolohn, aufgrund der schlechten „Betriebssituation“, sind mehrfach zu finden. Gleichzeitig wurden erhöhte Arbeitsleistungen eingefordert.
der Artikel als auch die Kommentare haben mit den Realitäten wenig gemein.
das Land , betrachtet man andere Nachbarn, befindet in wirtschaftlichem Sonnenschein, quasi eine Insel der Glückseligkeit
.Das Gejammere geht ja seit 35 Jahren so, da die Sehnsucht nach dem sozialistischen Paradies immer noch ihre Anhänger findet.
Ignorierend, dass sozialistisches Wirtschaften bei Ignorranz der Marktmechanismen immer ins wirtschaftliche Chaos führte.
Neben der DDR, lässt sich dies am Stadtstaat Bremen studieren.
Paging