Lohn der Selbständigkeit Mehr Euro in der Tasche

Mehr Risiko, mehr Arbeit - aber oft auch mehr Geld: Wer den Schritt in die Selbständigkeit wagt, hat gute Chancen auf einen überdurchschnittlich guten Verdienst, wie eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) belegt.

Von Thomas Öchsner

Sie sind meistens zwischen 35 und 54 Jahre alt, männlich, haben eine Berufsausbildung, zunehmend einen Hochschulabschluss - und es werden immer mehr. Die Zahl der Selbständigen ist in Deutschland zwischen 1991 und 2011 um mehr als 40 Prozent auf 4,3 Millionen gestiegen.

Für viele lohnt es sich dabei, mit dem Dasein als Angestellter Schluss zu machen und Unternehmer zu werden. Dies geht aus einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt. "Der Schritt in die Selbständigkeit kann gerade für abhängig Beschäftigte mit relativ niedrigem Einkommen eine Möglichkeit sein, ihre finanzielle Lage zu verbessern", sagt Professor Alexander Kritikos, einer der Autoren der Studie.

Wenn es um Selbständige geht, ist oft von "Kümmer-Existenzen" die Rede. Darunter versteht man Solo-Unternehmer ohne Angestellte, deren Verdienst nur knapp über oder sogar unterhalb des Existenzminimums liegt, so dass sie ihr Einkommen mit Hartz IV aufstocken müssen.

Das Bonner Institut für Mittelstandsforschung hatte 2011 ermittelt, dass ein Viertel der Selbständigen "zuletzt ein monatliches Nettoeinkommen von weniger als 1100 Euro hatte". In der neuen DIW-Untersuchung wird dies bestätigt: 27 Prozent der Selbständigen liegen demnach unterhalb dieser Grenze.

Die Forscher des Berliner Instituts und der Universität Jena fanden jedoch heraus, dass bei Arbeitnehmern der Anteil der Geringverdiener sehr viel höher liegt als bei Selbständigen. Bei den abhängig Beschäftigten verdient sogar jeder Dritte (34 Prozent) weniger als 1100 Euro netto.

Auch bei den höheren Einkommensgruppen schneiden die Selbständigen besser ab. Nach der DIW-Untersuchung verfügen knapp 37 Prozent über ein Einkommen von mehr als 2300 Euro pro Monat, verglichen mit 17 Prozent der abhängig Beschäftigten. Die Analysen des DIW beruhen auf einer amtlichen Quelle, dem Mikrozensus. Dafür lässt das Statistische Bundesamt jedes Jahr in Deutschland etwa 820.000 Menschen in 370.000 Haushalten befragen.