Von A. Rühle

Ganze Uni-Schicksale hängen davon ab, auf welchem Platz sie in Rankings landen. Die ETH Zürich gibt den unsinnigen Image-Druck nun weiter an die Schulen.

Der mathematische Fetisch der Moderne ist die Statistik, deren erfolgreichste Unterart wiederum die Tabelle oder das Ranking, also die kompetitive Statistik ist. Schicksale ganzer Universitäten können heute davon abhängen, auf welchem Platz sie im jährlichen Shanghai-Ranking landen. Wer das Shanghai-Ranking noch nicht kennen sollte: Die Universität Jiaotong in Shanghai hatte vor 10 Jahren die Idee, eine Liste der 500 weltweit besten Universitäten aufzustellen.

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ETH Zürich: Der Hoschule passt schon seit langem nicht mehr, jeden Abiturienten annehmen zu müssen, der sich bei ihnen einschreibt. (© Foto: Esther Ramseier)

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Für das Shanghai-Ranking werden alle Publikationen aller Fakultäten in einen Mixer geworfen, mit dem durchschnittlichen Betreuungsverhältnis gemischt und dann mit der Anzahl der Nobelpreise der Professoren verrechnet, kein Witz. Auf Rang eins landet meist die Harvard University. Dabei ist das erste, was man als Student in Harvard lernt: Belege nie einen Kurs bei einem Nobelpreisträger, die müssen dauernd auf CNN die Weltlage kommentieren, bei David Letterman ihr neues Buch promoten oder in Stockholm ihren Preis abholen.

Mittlerweile gibt es hunderte verschiedener Universitätsrankings und -statistiken, auf deren Ergebnisse Politiker und Rektoren so ängstlich starren wie das Kaninchen auf die Schlange. Wen wundert's, wer oben ist, bekommt mehr Geld, mehr Reputation, bessere Leute. Dass deshalb freilich "Rankings erst die Wirklichkeit erschaffen, die sie zu untersuchen vorgeben", wie der Bamberger Soziologe Richard Münch es ausdrückt, ficht kaum jemanden an.

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Unter den deutschsprachigen Universitäten führt seit Jahren die Eidgenössiche Technische Hochschule (ETH) Zürich die Rankings an, zwar torkelt sie, je nach Bewertungsschlüssel der verschiedenen Listen, auf dem internationalen Parkett zwischen den Plätzen 4 und Platz 60 umher, im Durchschnitt aber steht sie klar und unangefochten vor der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität da, die meist den zweiten Platz belegt.

Ebendiese ETH geht nun einen Schritt weiter und gibt den mit jedem Ranking verbundenen Image-Druck weiter an die Gymnasien: Lange schon regen sich Vertreter der ETH darüber auf, dass sie, anders als die amerikanischen Elite-Universitäten, die so schwere wie undurchschaubare Aufnahmeverfahren veranstalten, jeden Abiturienten annehmen müssen, der sich bei ihnen einschreibt. Dazu muss man wissen, dass in der Schweiz jeder Abiturient studieren kann, wo und was er will. Den Universitäten passt das lange schon nicht, sie sieben in den ersten Semestern stark aus.

Auf der nächsten Seite: Was passiert, wenn sich Ranking-Stimmung breit macht - ein düsterauratisches Kompositum, das etwas von Lynch-Justiz oder Panik-Verkäufen hat.

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