Was Bewerber verstehen, wenn Personal-Entscheider sprechen. Eine Übersetzunghilfe von A bis Z.
Absage
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Der Bewerber erinnert sich an den Ratgeber, den er gelesen hat. Darin steht, er solle im Fall einer Absage anrufen und fragen, warum man ihn nicht einstellen will. Er greift zum Hörer.
Der Personalverantwortliche fällt aus allen Wolken. Er weiß nicht, wen er am Telefon hat: 100 Bewerbungen sind auf die Stelle eingegangen. Er verflucht die Tipps der Ratgeber-Literatur (siehe: R).
Berufserfahrung
Für den Personalverantwortlichen: Einstellungsvoraussetzung. Kaum eine Stelle richtet sich direkt an Absolventen. (siehe auch: Q).
Für den Bewerber, vor allem wenn er direkt von der Uni kommt: unerreichbare Eintrittskarte. Anlass in die Praktikumschleife zu geraten.
Chemie
Für den Personalverantwortlichen: Keine messbare Größe. Wofür hätte er sonst sein Bewerbungsverfahren standardisiert?
Für den Bewerber: Die entscheidende Frage. Wie schafft er es, die Bewerberrolle perfekt zu erfüllen, trotzdem er selbst zu bleiben und sympathisch zu wirken?
Dresscode
Für den Personalverantwortlichen: Eine Selbstverständlichkeit. Er trägt jeden Tag einen Anzug. Darüber denkt er gar nicht nach, bis - ihm ein Bewerber in Shorts gegenüber sitzt.
Für den Bewerber: Auslöser größter Unsicherheit, sobald die Einladung zum Vorstellungsgespräch eingegangen ist. Welche Kleidung wird in der Firma wohl getragen? Sind Jeans o.k.? Wie bindet man eine Krawatte?
Zu Beginn einer Bewerberkarriere mitunter der Anlass zum ersten Mal im Leben einen Anzug zu erstehen. (Nur um danach womöglich sehr unangenehm berührt zwischen lauter Jeansträgern zu stehen.)
Eis-Schreiben
Der Bewerber erhält einen netten Brief. Darin steht, was für ein toller Hecht er ist und wie sehr das Unternehmen an ihm interessiert ist. Nur leider: Zurzeit kann man ihm keine Stelle anbieten. Aber später einmal wird man sich melden. Bestimmt!
Der Personalverantwortliche meint: Der Job ist nichts für dich, aber zum Absagen bist du uns zu schade. Lass uns gegenseitig in guter Erinnerung behalten!
Der Bewerber meint: "Hey, das ist keine Absage. Ich bin gut!" Wochen-, monatelang denkt er immer wieder an dieses nette Unternehmen, in das er so gut hineinpassen würde. Aber er hört nie wieder etwas, auch die Unterlagen kommen nie mehr zu ihm zurück.
Foto
Für den Personalverantwortlichen: Gehört nun mal zur Bewerbung dazu. Entfaltet aber sofort Wirkung (siehe C): Der Bewerber wirkt sympathisch oder eben nicht.
Für den Bewerber: Unnötig. In anderen Ländern wird doch auch kein Foto mitgeschickt. Was hat denn das Aussehen mit der Qualifikation zu tun? Hin und wieder: Aus-Kriterium, weil der Schnappschuss aus dem Urlaub wiederverwertet oder das Foto auf Empfehlung mancher Ratgeber-Autoren (siehe R) viel zu groß eine ganze Din-A-4-Seite dominiert.
Gehaltsvorstellungen
Für den Personalverantwortlichen: Ein leichter Test und gefundenes Aus-Kriterium: Liegt der Bewerber voll daneben, ist er aus dem Rennen.
Für den Bewerber: Ein Gräuel und Anlass, sich durch sämtliche Gehaltsstudien zu lesen, die er im Internet finden kann. Häufig der Grund für eine erste Beziehungskrise mit seinen Ratgeber-Autoren, die sich in diesem Punkt widersprechen. Mal soll er eine Zahl nennen, mal eine Spanne.
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Verfassungsrichter rügen Billig-Professuren
@michaelt1964: Du hast Recht, es gibt viel zu viele Vorurteile gegenüber Personalchefs ;)
Ich dachte wir hätten in Deutschland diese Diskriminierung endlich überwunden ....
@kirchsth: dafür können die US-Personalchefs ihre neuen Mitarbeiter auch schneller wieder loswerden als nach deutschem Kündigungsschutz...
Schon länger keinen derartigen Artikel mehr gelesen.
Was das mit den USA angeht denke ich muss man die Sache etwas differenzierter sehen. Einige Unternehmen gehen meiner Erfahrung nach noch um einiges weiter, das ist jedoch nur ein sehr geringer Anteil. Die meisten verzeichten auf so einen Blödsinn. Und das Wort "überquallifiziert" gibt es bei denen auch nicht wirklich. Hab ich zumindest noch nie gehört - naja, liegt vielleicht daran dass ich nicht überquallifiziert bin ... aber allgemein gilt in Amerika "Der beste bekommt den Job" (Affirmative Action & Co mal außen vor gelassen).
... auf den Punkt gebracht.
"Man kann eine Situation erst dann vollständig erkennen, wenn man beide Seiten erfahren hat." (Nicholson Baker)
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