Wenn Leser ihrem Vorgesetzten endlich einmal offen die Meinung sagen, hagelt es Kritik - und Liebesbezeugungen.
Dieser Chef scheint nicht einfach zu sein. Offenbar schikaniert er seine Mitarbeiter, wollte sie sogar einmal systematisch ausspionieren. Aber das Schlimmste was er seinen Angestellten angetan hat, war: "Dass du uns mit Deiner Heimorgel gequält hast!". Das würden sie ihm niemals verzeihen, schreibt ein Leidtragender, der offensichtlich noch immer unter Schock steht.
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sueddeutsche.de hatte Leser aufgefordert, anonym zu schreiben, was sie Ihrem Chef zwar gerne sagen würden, sich aber nicht trauen. Die Bekenntnisse deuten daraufhin, dass es um das Verhältnis zwischen Mitarbeitern und Chefs in Deutschland gar nicht gut bestellt ist. In vielen Fällen ist die Beziehung wohl auch nicht mehr zu retten. Wieso gibt es eigentlich noch keine Paar-Therapien für Chef und Angestellte? Ab aufs Sofa! Viele haben ein paar Sitzungen ganz offensichtlich nötig.
Zum Beispiel die Unzufriedenen: Ihr häufigster Vorwurf lautet: "Du kannst gar nichts!" oder noch härter "Verlogener Blender!". Manche sind richtig verbittert: "Ich schäme mich, dass ich für Sie arbeiten muss!" Und: "Du hast es geschafft, mir jeden Spaß an der Arbeit zu nehmen!"
Anderen scheint es eher schwermütig ums Herz zu sein. Ein ganz typisches Bekenntnis lautet: "Ich bin desillusioniert! Am Anfang fand ich dich toll, aber jetzt merke ich, dass ich eigentlich alles besser könnte." Auch führen? Das können viele Chefs nämlich angeblich auch nicht: "Jemand, der nur mal beim Kaffee holen fragt: 'Na, alles in Ordnung?' ist kein Chef, sondern ein Hanswurst!" Wenn das der Hanswurst wüsste ...
Und dann das liebe Geld. "Sparbrötchen" und "Geizkragen" regieren offenbar die Führungsetagen. "100 Euro Lohnerhöhung brutto ist einfach NICHTS!" beschwert sich ein Leser. Ein anderer droht: "Wer mit Peanuts füttert, kann nur mit Affen arbeiten." Viele Affen wünschen sich offenbar nichts lieber als zu gehen ("Ich kündige!", "Mach deinen Mist allein") oder es dem Boss mal so richtig heimzuzahlen ("Nimm endlich die Füße von meinem Schreibtisch!", "Ich kaufe diesen Scheißladen und mach dann einen Parkplatz daraus!)
Andere klagen: "Ich kann viel mehr!" oder "Mir ist langweilig!"
Immerhin: Einige zeigen sich nachsichtig. "Sie sind auch nur ein Mensch!" oder: "Bist zwar manchmal grummelig, aber eigentlich doch ein ganz netter Kerl." Es gibt auch echte Sympathiebekundungen, manche klingen richtig liebevoll: "Dafür, dass Sie VWL studiert haben, sind Sie echt o.k.". Oder: "Ich hab dich schrecklich gern!". Aber wie ist wohl dieses Bekenntnis zu deuten: "Ich träume nachts von Ihnen!" Ist das nun gut - oder schlecht?
Auch Wünsche wurden geäußert, wie "Sag' mal Stop!'". Viele schrieben: "Zeige endlich Rückgrat!" oder "Sei ehrlich!". Ein Leser leidet offenbar unter einem Miesepeter, er schreibt: "Lass die Sonne in dein Herz!"
Im Zweifelsfall halte er sich an Bekenntnis Nummer 149: "Abgesehen von der Arbeit ist es hier schön."
(sueddeutsche.de)
Im Zweifelsfall: selber Chef werden. Aber das will (kann?) man dann doch nicht, kommt einem doch das ebenso bequeme wie geliebte Feindbild abhanden.