Gefährliches "Automatisieren" oder pädagogisches Heilmittel? Unter Experten ist ein Streit über das neue Lese- und Schreibkonzept "Intra Act Plus" entbrannt.
In der Klasse 1a üben die Kinder wieder mal die Buchstaben. Vor ihnen liegen Arbeitsblätter, auf denen in großer Schrift kleine Zeichen stehen, jedes in einem Kästchen.
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Die Freude an den Buchstaben: Kinder sind stolz, wenn sie die Welt der Schrift erobern. Immer wieder entbrennt aber unter Fachleuten ein Streit darüber, welches die beste Methode ist, Grundschülern das Lesen und Schreiben beizubringen. (© Foto: dpa)
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Mit einer selbstgebastelten Schablone decken die Kinder alles zu, bis auf einen Buchstaben, den sie ihrem Nachbarn vorlesen: d, b, noch mal b, d, wieder d. Im nächsten Schritt lesen sie Silben: do, bo, do. "Hast du gut gemacht", sagt ein Mädchen zu ihrem Lesepartner.
Um das Kurzeitgedächtnis zu löschen, sind geometrische Figuren eingestreut: "Blauer Stern", sagt ein Junge, anschließend liest er weiter: "bo, do, du, roter Stern, bu, bu." Die Methode soll den Kindern helfen, sich die Schriftzeichen einzuprägen. Die Schüler wiederholen immer wieder Buchstaben und Silben, ohne Fibel, ohne Geschichten. Sie üben, bis es richtig sitzt.
Automatisieren - so heißt das im Konzept "Intra Act Plus", kurz IAP, das eine Grundschule im Landkreis München gerade ausprobiert. Die Autoren von IAP, die Psychologen Fritz Jansen und Uta Streit, versprechen, Kindern besser und schneller Lesen und Schreiben beizubringen, und sie drängen damit auf den Fortbildungsmarkt für Lehrer.
In Hamburg und Sachsen trifft das Konzept bereits auf Resonanz. Doch es fehlt nicht an warnenden Stimmen. In einer Expertise, die an diesem Montag erscheint, warnt der Erziehungswissenschaftler und Grundschulexperte Hans Brügelmann vor "didaktischen Allaussagen und pädagogischen Heilsversprechen".
Brügelmann, Professor in Siegen, hat IAP im Auftrag des Berlin-Brandenburger Landesinstituts für Schule und Medien (Lisum) begutachtet. Sein Urteil ist vernichtend: Die Methode sei "lerntheoretisch zweifelhaft, fachdidaktisch unhaltbar und grundschulpädagogisch nicht wünschenswert".
Kritiker stört an IAP, dass es die Kinder stumpfsinnig immer wieder Buchstaben und Silben trainieren lasse, ohne diese mit Bedeutungen zu verbinden. Der Vorwurf lautet, wenn man die wohlgesetzte Sprache des wissenschaftlichen Diskurses beiseiteräumt: IAP drillt die Kinder.
Professor Brügelmann spricht von einem "veralteten behavioristischen Ansatz" und didaktischer Einseitigkeit. Das Konzept schreibe für alle Kinder den gleichen Lernweg vor und steuere diesen "kleinschrittig". Es sei außerdem "motivationspsychologisch bedenklich, dass IAP die Kinder beim Trainieren sinnloser Silben abhängig macht von einer Bestätigung von außen, statt durch das Erlesen von Sinnvollem und für sie persönlich Interessantem ihre autonome Leseneugier zu stärken".
An der Grundschule vor den Toren Münchens betonen die Lehrer, hier werde IAP zunächst nur getestet; sie lassen aber durchblicken, dass sie durchaus auch Erfolge mit dem Programm erzielen. In Hamburg ist die Pädagogin Gudrun Probst-Eschke sogar voll des Lobes. Sie leitet die Sprachheilschule Reinbeker Redder und sagt, dank IAP würden sich Schüler die Schriftsprache schneller erschließen. Zu oft werde im traditionellen Leseunterricht mit Fibeln und Anlauttabellen die eigentliche Technik des Lesens vernachlässigt.
Für Probst-Eschke haben die traditionellen Methoden Nachteile: Wolle man Kindern das große M beibringen und erzähle ihnen deshalb eine Geschichte von einer Maus, seien die Kinder zwar von der Maus fasziniert - doch das M hätten viele dabei nicht gelernt. IAP dagegen lege die Grundlagen, um sicher mit Buchstaben und Wörtern umgehen zu können. Es sei nicht nur ein gutes Konzept für Einzeltrainings mit Kindern, die spezielle Förderung brauchen. Es funktioniere auch in ganzen Klassen.
Auf der nächsten Seite lesen Sie, warum das Konzept in scharfem Kontrast zu Ansätzen, die den Kindern ein freies Schreiben erlauben.
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Nachdem ich diesen Artikel gelesen hatte, bin ich der Meinung das die Süddeutsche Zeitung auch dies hier zeigen sollte: http://www.intraactplus.eu/index.php?id=66
Hier ist die Antwort auf das Gutachten von Dr. Brügelmann. Wie bereits gesagt sollte die Süddeutsche das der Fairness halber auch zeigen. Ich tendiere mehr zur Seite von IntraActPlus, da Dr. Brügelmann zwar viele Vermerke aus der Literatur in seinem Buch anbringt, und behauptet das dort Experimente seien, die gegen das IAP Konzept sprächen. Eines dieser Bücher, "Kinder auf dem Weg zur Schrift", auf welches Dr. Brügelmann verweist, spricht eigentlich nur von dem Ganzwortverfahren. IAP hat meiner Meinung nach auch die besseren Argumente und außerdem konnte ich bis heute noch keine einzige negative Rückmeldung von Leuten deren Kinder nach dem IAP-Konzept unterrichtet wurden.
Das Ziel dieses Ansatzes ist es, ungünstige, unbewusste Signale bewusst zu machen und anschließend zu versuchen, neues, alternatives Verhalten und somit hilfreiche Signale aufzubauen. Dies ist ein erster Schritt zur positiven Außensteuerung durch die Bezugsperson. Das Kind kann dann durch diese positive Außensteuerung lernen, eine günstige Eigensteuerung aufzubauen.
Ich stelle mir die Frage, warum Tanjev Schultz das Konzept nicht in seiner Breite und Tiefe dargestellt hat.
Meine positiven Erfahrungen mit diesem Konzept sind kein Einzelfall. Auf Fortbildungsveranstaltungen lerne ich Ergotherapeuten und Lehrer kennen, die ebenso erfolgreich mit dem Konzept arbeiten.
Die angeführten Kritikpunkte kann ich nicht teilen.
Jedes Konzept kann durch Verstümmelung derart lückenhaft dargestellt werden, dass es nicht mehr überzeugend und verständlich erscheint.
Ich freue mich, im Rahmen meiner Tätigkeit als Ergotherapeutin in einer Praxis das IAP-Konzept in seiner Vielfalt und Besonderheit kennen gelernt zu haben. Mit Hilfe von Fortbildungen bei Dr. Fritz Jansen konnte ich meine Kenntnisse vertiefen. Seit fast fünf Jahren arbeite ich nun danach, das Interesse und die Überzeugung lassen nicht nach.
Dieses Konzept ist eine große Bereicherung, führt zu deutlich höheren Erfolgen in der ergotherapeutischen Arbeit und dadurch zu einer erheblichen Steigerung der eigenen Arbeitszufriedenheit. Diese kommt wiederum den Kindern und ihren Eltern zugute...womit ich wieder am Anfang wäre!
Tina Poggendorf Hamburg 10.5.2009
Seit Sommer 2007 arbeite ich im Rahmen meiner Tätigkeit als Ergotherapeutin mit dem Lese- und Rechtschreibprogramm des IntraActPlus-Konzepts. Ich habe durchweg positive Erfahrungen im Umgang mit diesem Lernmaterial gesammelt, egal, ob ich mit Kindern gearbeitet habe, die Lernschwierigkeiten, Aufmerksamkeitsprobleme, das Down-Syndrom haben oder die hochbegabt sind.
Auch die Rückmeldungen durch die Eltern, die von mir angeleitet wurden, sind durchweg positiv und oft voller Erstaunen, dass ihr Kind mit so viel Freude und Erfolg mit dem Lese- und Rechtschreibmaterial arbeitet. Immer wieder berichten mir Eltern, dass ihr Kind zuhause darum bittet, mit dem Material arbeiten zu dürfen- so begeistert sind viele Kinder. Sie haben Spaß am Lernen mit diesem Programm und die Erfolge können sich blicken lassen. Auch Kinder mit Down-Syndrom, die in der Schule schon mehrere andere Leselerngänge erfolglos kennen gelernt hatten, haben mit dem IAP-Programm erfolgreich lesen gelernt. Meine Kollegin hat einem 14jährigen Förderschüler (Analphabet) in vier Monaten das Lesen und Schreiben mithilfe des IAP-Programms beigebracht. Er war sehr stolz darauf, endlich lesen und schreiben zu können.
Der Artikel von Tanjev Schultz macht mich ärgerlich, da ein wesentlicher Teil des IAP überhaupt nicht erwähnt wird. Ein nicht-kundiger Leser gewinnt den Eindruck, es würde sich nur um eine Methode des Lesen- und Schreibenlernens handeln.
Das Gesamtkonzept hat aber zum Ziel, mit Hilfe von Lernmaterial und der Beziehung zu den Bezugspersonen auf den Aufbau von Wissensbeständen, auf den Aufbau von Eigensteuerung und Sozialverhalten Einfluss zu nehmen.
Ohne eine günstige Eigensteuerung ist optimales Lernen nicht möglich. Eine positive Eigensteuerung bedeutet hohe Motivation, hohe Anstrengungsbereitschaft, Kooperation mit den Bezugspersonen sowie positiver Umgang mit schwierigen Fördersituationen.
Eine günstige Eigensteuerung kann bei jedem Menschen aufgebaut werden. Das IntraActPlus-Konzept nutzt die Videotechnik, um das Verhalten der Bezugspersonen zu analysieren und ggf. zu verändern. Dabei geht es um das Erlernen der Wahrnehmung der eigenen, unbewussten Signale, die ungünstig für das Kind sein können. Beim Aufbau einer günstigen Eigensteuerung des Kindes sind vor allem die unbewussten Signale der Bezugspersonen von entscheidender Bedeutung.
Das Ziel dieses Ansatzes ist es, ungünstige, unbewusste Signale bewusst zu machen und anschließend zu versuchen, neues, alternatives alt
Meine ersten drei Kinder hatten in Afrika zuhause den Schulstoff gelernt. Dabei hatte ich beim Lesenlernen alles überflüssige wegeglassen. Nach weniger als einem Jahr konnten sie alle gut lesen. Alle drei gehen aufs Gym oder die FOS.
Das Kind Nummer vier hatte ich dem deutschen Schulsystem überlassen und versucht, bei den Hausaufgaben und beim Lesen etwas zu unterstützen. Jetzt ist er in Klasse 3 mit einer Fünf in Deutsch.
Kind Nummer fünf sollte schon nach zwei Monaten sinnentnehmend lesen (PSIA läßt grüßen!), konnte aber keine zwei Buchstaben zu einer Silbe zusammenziehen. Alle Wörter lernte er auswendig oder erriet sie aus den kindgerechten Bildchen, nicht immer mit Erfolg. Es kam bis zur Schulverweigerung, das Kind hatte Angst, weil es nicht vorlesen konnte.
Zu Weihnachten wünschte es sich ein Buch, mit dem man lesen lernen kann. Ich guckte im Internet, las die Kommentare und bestellte intra act plus. Drei Monate (und 300 Seiten Lesematerial) später kann das Kind nun flüssig lesen. Es hat die Lektionen regelrecht eingefordert und sich jedesmal gefreut, weil es soviel auf einmal gelernt hat.
Sohn Nummer vier hat nun das System auch im Schnelldurchgang durchgearbeitet und merkt sich nun plötzlich die Wörter richtig. Nun muß ich ihm bloß noch das Raten beim Lesen abgewöhnen und beibringen, wie man die Wörter, die er richtig buchstabieren kann, auch richtig hinzuschreiben. Hier hakt es noch. Tja, was muß man nicht alles tun, damit das Kind so funktioniert, wie man es in der Schule braucht.
Ich frage mich bloß, wie man das gängige Lese-Lern-System, das so viel Mist und falsche Angewohnheiten erzeugt, verteidigt und etwas Gehirn-Gerechtes wir das IAP in Bausch und Bogen verdammt?
Diese 40 Fachleute im Artikel, die das tun, haben weder eine Ahnung, wie das Gehirn lernt, noch wissen sie, was in Kinderherzen vorgeht, vor allem in denen, die an der Schule scheitern.
der Hauslehrer
Als Ergotherapeutinnen arbeiten mein Team und ich unter anderem nach entsprechender Fortbildung bei Dr. Fritz JANSEN nach dem IntraAct Plus Konzept. Die wissenschaftliche Grundlagenforschung bildet ein solides Fundament. Ich als Praxisinhaberin befinde mich im Austausch mit Ärzten, Hebammen, Therapeuten, Lehrern und Eltern zum Wohle unserer Patienten.
Die Kinder lernen mit dem Arbeitsmaterial LESE und RECHTSCHREIBPROGRAM von Dr JANSEN, Frau STREIT und Frau FUCHS mit Freude und Motivation.
Ein erfreuliches Nebenprodukt ist die Tatsache, dass auch Eltern mit Migrationshintergrund, automatisch mit ihren Kindern Lesen und Schreiben erlernen.
Die Therapieerfolge und die Tatsache dass in unserer multikulturellen Gesellschaft Kinder unsere Muttersprache über das Lese-Rechtschreibprogramm von Dr. Fritz Jansen und Frau Uta Streit mit Leichtigkeit erlernen, überzeugt und freut mich in meiner täglichen Arbeit.
Für diesen Beitrag gebührt Dr. Fritz Jansen und Uta Streit die Wertschätzung unserer Gesellschaft.
J. STEINHAUS, Ergotherapie, Dortmund
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