Leistung von Bachelor-Absolventen Jung sollen sie sein - und trotzdem erfahren

Unternehmen stellen zu hohe Ansprüche an Bachelor-Absolventen.

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Durchgefallen. So urteilen viele Unternehmen über Bachelor-Studenten. Dabei war es doch gerade Wirtschaftsverbände, die immer jüngere Berufseinsteiger forderten. Ihnen jetzt mangelnde Reife vorzuwerfen, ist unfair.

Kommentar von Roland Preuß

Soso, die Bachelor-Absolventen taugen also nicht viel. Das ist nun laut einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) aus vielen Unternehmen zu hören. Nur 47 Prozent von ihnen waren zufrieden mit ihren Bachelor-Mitarbeitern, ein Negativ-Rekord. DIHK-Präsident Eric Schweitzer fordert schon eine Verknappung der Studienplätze und spricht von einer "Überakademisierung".

Das alles ist nicht ohne Ironie. Es waren Wirtschaftsverbände, die damals die neuen Abschlüsse mit vorangetrieben haben, mit allen Konsequenzen: verschultere Studiengänge, schnelleres Studium, jüngere Absolventen. Nun ist es auch wieder nicht recht. Man muss sich fragen, wie realistisch der Anspruch vieler Unternehmen ist: Gesucht sind offenbar Absolventen Anfang 20, die so viel Wissen mitbringen wie ein Diplom- oder Magisterabsolvent, dazu internationale Erfahrung und eine große Persönlichkeit. Das kann kein Bachelor leisten, das ist in sechs bis acht Semestern nicht zu schaffen.

Unberechtigter Vorwurf

Hinzu kommt die persönliche Reife. Fast die Hälfte der Unternehmen, die sich von Bachelor-Absolventen in der Probezeit trennten, bemängelte die "persönlichen Kompetenzen", fast ein Drittel die "sozialen Kompetenzen" der Akademiker. Womöglich liegt das daran, dass Unternehmen und Politik immer jüngere Absolventen haben wollten - und die sind in den vergangenen Jahren auch immer jünger geworden: durch das achtjährige Gymnasium und den Wegfall des Wehrdienstes. Das Alter und die logische Folge, nämlich manchmal fehlende Reife, kann man ihnen nicht zum Vorwurf machen.

Es waren auch Wirtschaftsverbände und arbeitgebernahe Forscher, die vor einem Fachkräftemangel warnten und warnen, gerade bei Akademikern. Nun sind es plötzlich zu viele, es sollen wieder mehr Menschen in die Ausbildungsberufe gehen. Das kann man wünschen, aber man kann es nicht erzwingen, indem man künstlich die Studienplätze verknappt und die Leute damit ins Ausland oder an private Hochschulen treibt.

Noch immer verdienen Akademiker deutlich mehr als Menschen in Ausbildungsberufen, noch immer haben sie bessere Aufstiegschancen. Dort müssen und können die Unternehmen ansetzen.