Gröger: Das kommt ganz auf die Schwere des Falls an und ob wir den Spicker noch vor der Prüfung oder schon mitten drin entdecken. Wir Lehrer haben da auch immer einen Ermessensspielraum: Manchmal bewerten wir nur Teilbereiche mit ungenügend, manchmal die ganze Arbeit.
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Johannes Gröger inmitten seiner Spicker-Sammlung: "iPhone und MP3-Player haben das Schummeln verändert." (© Foto: oH)
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sueddeutsche.de: Wie sieht denn der perfekte Spicker aus? Haben Sie Tipps für Schüler?
Gröger: Natürlich nicht! Mit der Ausstellung will ich ja gerade keine Anleitung zum perfekten Schummeln bieten, sondern zeigen: Spicken lohnt sich nicht, das Risiko, erwischt zu werden, ist riesig. Schüler, mit denen ich über mein Projekt rede, verstehen das und spicken hinterher weniger. Ich hatte sogar mal einen Fall, dass ein Schüler zur Prüfung einen präparierten Klausurbogen mitbrachte, auf den er schon ganz viel vorgeschrieben hatte. Kurz vor Abgabe notierte er aber auf die erste Seite: "Aufgrund meiner Unkenntnis des Stoffs unternahm ich in dieser Arbeit einen Täuschungsversuch. Das kann ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren und bitte darum, die Ergebnisse der Aufgabe drei nicht zu berücksichtigen." Da habe ich gestaunt!
sueddeutsche.de: Ist der Schüler durchgefallen?
Gröger: Nein, den Rest der Arbeit habe ich normal bewertet - und mich bei ihm für seine Ehrlichkeit bedankt.
sueddeutsche.de: Viele behaupten, Spicker hätten auch ihr Gutes: Beim Anfertigen würde sich der Schüler so intensiv mit dem Stoff beschäftigen, dass dabei auch etwas hängen bleibt.
Gröger: Das stimmt. Schließlich muss er aus dem gesamten Stoff einer Unterrichtseinheit herausfiltern, was wohl das wesentliche war. Aber die neuen technischen Möglichkeiten haben das teilweise überflüssig gemacht: Heute können Schüler Grafiken einfach einscannen oder mit dem Handy abfotografieren.
sueddeutsche.de: Stirbt der gute alte Spickzettel aus?
Gröger: Nein, das glaube ich nicht. Denn im Gegensatz zu allen anderen Mogelmethoden ist er immer noch schnell und einfach herzustellen, das geht auch noch fünf Minuten vor einer Prüfung.
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(sueddeutsche.de/mri)
Eurovision Song Contest
Egal wofür sie verwendet wurden, und ob der Gebrauch illegal war: Das Urheberrecht an diesen Spickzetteln liegt bei den Verfassern, und jede unauthorisierte Veröffentlichung ist eine (gewerbsmäßige!) Urheberrechtsverletzung.
Also, wenn mein Spickzettel veröffentlich würde, würde ich erst einmal die Meut^WAnwälte von der Leine lassen...
;-)
Lieber User,
vielen Dank für den Hinweis - wir haben die Fehler mittlerweile ausgebessert! Wir geben wirklich unser Bestes gegen den Fehlerteufel, aber manchmal schleicht er sich eben hinterrücks an bzw. ein - also nichts für ungut :-)!
Beste Grüße,
Ihr Moderator
Ich saß in der 10. Klasse in der Mittelreihe im hinteren Bereich. Den Spickzettel (in Chemie) hatte eine vor mir sitzende Schülerin auf dem Rücken angeheftet. Immer, wenn der Lehrer in gefährliche Nähe kam, hatte sie sich in ihrem Stuhl nach hinten gelehnt, so dass der Zettel durch die Lehne verdeckt wurde. Am Ende wurde es dann aber doch nur ein Vierer. Das war aber egal. Dafür blieb mir die Mitschülerin (und ich ihr) noch etwas länger verbunden.
Es ist schon ziemlich erbärmlich, in diesen Kürzesttexten unter den Bildern gleich zwei Grammatikfehler zu produzieren - der Zettel wird "gefalten" und "das" Radiergummi.
Die SZ wimmelt inzwischen insgesamt online und gedruckt vor derartigen, naja nennen wir`s höchst wohlwollend mal Patzern. Peinlich!
Ich finde das interessant, dass dieser Leher bei Spickversuchen noch Teile der Arbeit gelten lässt. Bei uns gab's immer 'ne Sechs. Und ein Lehrer gab auch immer einen Verweis dazu: wegen Unterschleifs. Seit es mich auch einmal erwischte, kenne ich diese wunderbare deutsche Wort...
Paging