Interview: Julia Bönisch

Mogelnde Schüler haben bei ihm keine Chance: Lehrer Johannes Gröger sammelt Spicker. Auf sueddeutsche.de zeigt er seine schönsten Exemplare - und erklärt, wie Tricksereien funktionieren.

Johannes Gröger ist seit 17 Jahren Lehrer - und hat in dieser Zeit 250 Spicker gesammelt. Seine Heimatstadt Münster stellt nun sein Material aus, unter anderem ein liebevoll präpariertes Trinkpäckchen, ein getuntes Paket Taschentücher und eine kunstvolle Grafik im Anspitzer. Im Interview erklärt der 48-Jährige die besten Schummeleien und wie Lehrer sie erkennen.

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Einfallsreicher Spicker: Das Trinkpäckchen ist mit Magneten präpariert, so dass die Naht nicht auffällt. (© Foto: oh)

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sueddeutsche.de: Herr Gröger, in Ihrer Schule sind Sie als Schummler-Schreck bekannt. Aber mal ehrlich: Haben Sie in der Schule früher nie gemogelt?

Johannes Gröger: Doch, habe ich - und natürlich bin ich prompt erwischt worden. Das war in der siebten oder achten Klasse im Biologieunterricht. Ich weiß gar nicht mehr genau, wie der Lehrer reagiert hat, aber der Schock war so heilsam, dass ich danach nie wieder gespickt habe.

sueddeutsche.de: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Spickzettel zu sammeln?

Gröger: Als ich als Lehrer angefangen habe, habe ich sie einfach einkassiert und weggeworfen. Dann sind mir aber Zettel begegnet, die so liebevoll gemacht waren, dass das einfach zu schade gewesen wäre. Viele Schüler investieren ja unglaublich viel Zeit und Mühe und stellen so filigrane Kunstwerke her, dass ich beschloss, die schönsten Spicker zu sammeln. Mittlerweile habe ich 250 davon.

sueddeutsche.de: Haben Sie einen Lieblingsspickzettel?

Gröger: Mir fällt es wirklich schwer, mich zu entscheiden, aber das Trinkpäckchen voller Englisch-Definitionen ist schon etwas besonderes: Dafür hat ein Schüler die Rückseite der Verpackung aufgeschnitten und anstelle der Rückwand den Spicker angebracht. Die eigentliche Verpackung konnte er darüber klappen. Und damit die Konstruktion auch naht- und übergangslos schloss, hat er sie mit Magneten versehen: einen auf der Lasche, den anderen innen im Trinkpäckchen. Der Schüler muss daran Stunden gebastelt haben.

sueddeutsche.de: Haben Sie diesen Spicker selbst entdeckt?

Gröger: Nein, der ist mir entgangen. Der Schüler kam Jahre nach seinem Abschluss zu mir und hat ihn mir für meine Sammlung geschenkt. Obwohl er mich getäuscht hatte, habe ich mich dann doch sehr darüber gefreut. Seitdem unter den Schülern bekannt ist, dass ich Spickzettel sammele, schenken mir viele anonym ihre Mogelhilfen. Eine Abschlussklasse hat mir im vergangenen Jahr sogar ein Kuvert mit all ihren Spickern als Geschenk überreicht.

sueddeutsche.de: Dann müssen Sie ja einige übersehen haben. Wie hoch ist denn Ihre "Aufklärungsquote"?

Gröger: Das kann ich schwer einschätzen, aber ich glaube schon, dass ich die meisten erwische. Ein Lehrer bemerkt schnell, wenn Schüler schummeln. Sie sind viel nervöser als ehrliche Schüler. Außerdem suchen sie ständig den Augenkontakt, um den besten Zeitpunkt abzupassen, auf ihren Spicker zu schauen. Mit der Zeit entwickelt man ein sehr gutes Gespür dafür, wenn etwas nicht normal ist.

sueddeutsche.de: Was tun Sie, wenn Sie einen Schüler erwischen?

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