Das dicke Ende kommt erst noch: Verbeamtete Lehrer dürfen nicht streiken, lassen sich leichter an unattraktive Standorte versetzten - und kosten den Staat erst einmal weniger als ihre angestellten Kollegen. Denn Zahlungen für ihren Ruhestand werden erst Jahrzehnte nach ihrer Einstellung fällig. Doch dann wird es richtig teuer.
FDP-Landeschefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat mit ihrem Vorstoß, Lehrer künftig als Angestellte und nicht mehr als Beamte zu beschäftigen, eine Grundsatzdiskussion ausgelöst. Auf dem Parteitag der Liberalen in Landshut hatte Leutheusser-Schnarrenberger erklärt, anders als etwa in der Justiz, bei Polizei und Steuerverwaltung brauche es in der Schule nicht mehr unbedingt verbeamtete Lehrer.
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Der "Gegenwartswert" der Versorgungskosten für verbeamtete Lehrer ist geringer als der von Angestellten. Sie fallen erst 30 bis 40 Jahre später an. (© dpa)
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Indirekt steht dahinter der Wunsch, von den horrenden Personalkosten herunterzukommen. Sie machen heute schon etwa 41 Prozent des Staatshaushalts aus und werden in den kommenden Jahren noch größere Summen verschlingen. Es ist eine unbequeme Diskussion, die die FDP-Politikerin der Bayerischen Staatsregierung aufzwingt.
Sie offenbart, dass es in der schwarz-gelben Regierung trotz aller Bekenntnisse zu ausgeglichenen Haushaltsplänen und der erst Mitte November vereinbarten Tilgung von 250 Millionen Euro Altschulden doch nicht so sehr weit her ist mit nachhaltiger Finanzpolitik: Gerade Bayerns Beamte stellen einen Kostenfaktor dar, über den in der Staatsregierung sonst niemand gerne spricht.
Bayerns Polizisten, Richter, Lehrer, Finanzbeamte und Gefängniswärter - sie alle kommen der Staatskasse noch erst richtig teuer zu stehen: Die Zahl der Beamten, die in den Ruhestand versetzt werden, wird Prognosen aus dem Finanzministerium zufolge rapide steigen - von derzeit etwa 100.000 auf knapp 170.000 im Jahr 2035.
Vor allem zwischen 1960 und 1980 hatte der Freistaat kräftig Personal eingestellt und verbeamtet. Es waren fette Jahre für den Öffentlichen Dienst. Über die Folgekosten, etwa die nun anstehenden Pensionszahlungen, machte man sich allzu lange keine Gedanken. Wenn Leutheusser-Schnarrenberger nun die Privilegien für mehr als 100.000 verbeamtete Lehrer in Frage stellt, dann indirekt auch diese Praxis.
Versorgungsrücklage? Einzahlungen ausgesetzt
Je nachdem, wie optimistisch die Grundannahmen ausfallen, welche künftigen Gehaltserhöhungen etwa eingerechnet werden, steigen die Ausgaben für die Pensionen von derzeit etwa dreieinhalb Milliarden Euro auf zwischen 6,6 und 10 Milliarden im Jahr 2050. Die Hälfte des Staatshaushaltes geht dann allein fürs Personal drauf - auf Dauer droht ein Land an solchen Lasten zu ersticken.
Erst Ende der 90er Jahre hat die damalige Regierung unter Edmund Stoiber damit begonnen, Geld in einer sogenannten Versorgungsrücklage anzusparen - etwas mehr als eine Milliarde Euro ist bisher zusammengekommen. In einem weiteren Topf, einem 2008 aufgelegten Pensionsfonds liegen bisher laut Haushaltsplan mehr als 200 Millionen Euro. Ein Anfang, mehr ist das nicht.
Hinzu kommt, dass Regierungschef Horst Seehofer (CSU) und sein Koalitionspartner 2010 vereinbart haben, die Zahlungen in diese Rücklagen in den Jahren 2011 und 2012 teilweise oder ganz auszusetzen - insgesamt weit mehr als 400 Millionen Euro. Dies Geld brauchte die Koalition an anderer Stelle offenbar dringender. Als einen "Sündenfall" bezeichnet Bayerns Beamtenbund-Chef Rolf Habermann, wie unbekümmert und nach Belieben die Staatsregierung Zahlungen aufschiebt.
In einer Image-Broschüre für den Öffentlichen Dienst aus dem Finanzministerium aus dem Jahr 2003 heißt es unverblümt: "Die Ausgaben für die Versorgung der Beamten fallen erst nach dem Eintritt des Versorgungsfalles an, also rund 30 bis 40 Jahre nach der Einstellung in den öffentlichen Dienst. Die Versorgungsausgaben haben daher einen wesentlich geringeren Gegenwartswert als die Mehrausgaben für die Angestellten während der aktiven Zeit."
Der Gegenwartswert also. Angestellte Lehrer kosten mehr Geld, weil man nicht mit ihrer Altersvorsorge manövrieren kann. Nicht nur deshalb traute sich auch bisher keine Staatsregierung wirklich daran, ihnen ihren Status zu nehmen. Beamte lassen sich leichter versetzen, auch dorthin, wo mancher freiwillig nicht unbedingt eine Stelle annehmen würde. Und verbeamtete Lehrer streiken in der Regel nicht, wie überhastet Schulreformen auch ausfallen mögen.
Vor ziemlich genau einem Jahr war es Seehofer selbst, der angesichts der ausufernden Kosten meinte, man müsse "alles überdenken", auch den Beamtenstatus. Passiert ist den Beamten dann aber doch nichts.
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(SZ vom 30.11.2011/gal)
65. Filmfestspiele Cannes
Die angegebenen Lehrereinkommen (netto) gelten fürs erste Berufsjahr. A13, höchste Stufe, Steuerklasse III, Familienzulage für Frau/2 Kinder sind 3750€ Netto plus Kindergeld minus Krankenkasse. Beihilfe Frau/Kinder meist 70%.
TVÖD E13, höchste Dienstaltersstufe, Steuerklasse III sind 2800€ Netto. Incl. Krankenversicherung plus Kindergeld.
FYI.
"Nach meinem Kenntnisstand sind die meisten Lehrer nach A12 vergütet. Außerdem - nur am Rande erwähnt - haben Beamte einen höheren Steuerabzug als "normale" Beschäftigte."
Ja. Normale Arbeitnehmer haben einen Vorsorgepauschbetrag, der bei der Berechnung des Steuerabschlags berücksichtigt wird. Dieser wird allerdings durch die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung mehr als vollständig aufgefressen. Da Beamte durch Pension keine Altersvorsorge betreiben müssen wird dieser Pauschbetrag aus deren Steuertabelle herausgerechnet. Auf Deutsch: Ausgaben, die Beamte nicht haben sind nicht absetzbar.
Sie können sich überlegen was besser ist: Auf 100€ eigenen Rentenbeitrag rund 30€ von der Steuer absetzen zu dürfen oder keinen Beitrag zu leisten und im Gegenzug nix von der Steuer absetzen können.
"Nicht zu verachten ist auch die "Pflicht" für die private Kranken- und Pflegeversicherung. Bei mehreren Kindern und einer/m nicht berufstätigen Partner/in wird das ganz schön teuer. "
Auch falsch. Als gesetzlich Versicherter ist Ihr Bruttolohn unabhängig vom Familienstand und Kinderzahl. Zudem ist der Beitrag zur ggf. privaten Krankenversicherung auf den Maximalbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung gedeckelt. Mehr wie rund 250€ Zuschuss gibts nicht. Frau und 10 Kinder privat zu versichern ist teuer.
Als Beamter gibts für Heirat und die ersten beiden Kinder JEWEILS ca 100€ Zulage. Fürs dritte bis n-te Kind steigt die Zulage auf rund 300€ je weiterem Kind an. In der Regel sind die Krankenversicherungskosten dadurch mehr als gedeckt, Kindergeld bekommen übrigens beide.
Was Ihre Unterscheidung A12/A13 angeht: A12 sind Grundschullehrer, die meisten Real- und Gymnasiallehrer sind A13. Der Unterschied ist in Steuerklasse 1, ledig, keine Kinder:
A12: 2400€ Netto minus Krankenkasse, E12 als TVÖDler 1675€ Netto incl. Krankenkasse. PKV als Beamter ca 100-150€ im Monat.
A13: 2670€ Netto minus Krankenkasse, E13 als TVÖDler 1843€.
Einkommensnachteil des Angestellten nach TVÖD: ca 500€, mit Heirat und Kindern steigend.
Ich erwarte nicht, dass Beamte von heute auf morgen abgeschafft werden. Ich erwarte, dass die Zweiklassengesellschaft abgeschafft wird. TVÖD für alle, nur die bisherige Überversorgung der Beamten auf alle gleichmäßig verteilt.
Ob Lehrer mehr, weniger oder anders bezahlt werden sollen kann ich nicht beurteilen.
Doch:
Kann man nicht z.B. das Gehalt sozusagen nach "Angebot und Nachfrage" ausrichten?
Wir haben in letzter Zeit sehr viele Referenten oder studierende "Lehrer" an der Schule.
Je mehr sich um den Job streiten desto geringer das Gehalt...
...nur so eine Idee...
"Die haben nominal das selbe Praktikum, aber nicht die selbe Zahl und Qualität der Versuche. Hab 5 Jahre lang Lehrer in Praktika und Klausuren (mit)betreut, bei Chemie weiss ich etwa wieviel die drauf haben."
Und ich durfte in den letzten 3 Jahre mitansehen, wie Diplom- Quereinsteiger dachten, dass sie ein paar netten Kindern Bio, Physik, Chemie und Mathe beibringen können. Derjenige, der es am längsten schaffte blieb 5 Monate (in Bio), die anderen sind dann ganz schnell wieder weg gewesen. Insgesamt betraff dies 7 Diplomanden.
Also Vorsicht. Was diese Diplom- Wissenschaftler pädagogisch drauf haben, da kann ich ihnen ein Lied von singen. Eine 1 in Chemie heißt halt nicht, dass ich Chemie auch 12- 19jährigen vermitteln kann.
Schönen Gruß
Zitat
"Und warum? Weil normale Arbeitnehmer einen Solidarbeitrag zahlen. Diese Solidarität ist offenbar Beamten nicht zuzumuten, da hat sich der Rest drum zu kümmern."
Der Grund warum die Beihilfe günstiger ist, als eien gesetzliche Krankenversicherung liegt darin, dass Beamte auch nach Gesundheitskriterien ausgewählt werden. Wer Vorerkrankungen hat, die sich ungünstig auf die Kostenstruktur auswirken können, werden nicht verbeamtet.
Zitat
""... weil natürlich bei gleicher Nettobezahlung ein Angestellter dem Staat sofort viel viel teuere kommt."
Nein. Wenn Beamte ab morgen Angestellte wären und das selbe Netto bekommen, so würde formal mehr in die Rentenkasse eingezahlt werden. Im Gegenzug würde bei gleichen Rentenausgaben (Umlageprinzip) das Defizit der Rentenversicherung und damit der erforderliche Steuerzuschuss sinken."
Der Steuerzuschuss ist der "Ausgleich" für Fremdleistungen aus der Rentenkasse. Die sinken nicht. Da wegen des Umlagesystems Beamte auch aus der Rentenkasse bedient würde, hat die Rentenkasse keinen Vorteil.
"A13 Beamter mit 30 Jahren als Berufsanfänger in Stufe 5: 32.000€ Minus Krankenkasse in Steuerklasse 1, Netto."
Nach meinem Kenntnisstand sind die meisten Lehrer nach A12 vergütet. Außerdem - nur am Rande erwähnt - haben Beamte einen höheren Steuerabzug als "normale" Beschäftigte. Nicht zu verachten ist auch die "Pflicht" für die private Kranken- und Pflegeversicherung. Bei mehereren Kidnern und einer/m nicht berufstätigen Partner/in wird das ganz schön teuer.
Ich will ja nicht behaupten, dass es den Beamten schlechter geht als anderen, aber diese Neid-Debatte befremdet mich. Es steht doch jedem frei sich als Beamter zu versuchen.
Gruß vom Kauz01
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