Kolumne von Stefan F. Gross

Bei vielen Menschen ist der tägliche Ärger so selbstverständlich wie das tägliche Brot. Ein Unmutsanfall folgt dem nächsten. Lohnt sich aber meist gar nicht.

Bei vielen Menschen ist der tägliche Ärger so selbstverständlich wie das tägliche Brot. Ganz gleich, womit Sie sich beschäftigen, ein Unmutsanfall oder Zornesausbruch folgt dem nächsten.

Wer sich zu häufig, zu intensiv und zu lange ärgert, der ruiniert nicht nur seine Lebensfreude, sondern irgendwann auch seine Gesundheit. (© Foto: ddp)

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Die Zahl der Auslöser ist endlos. Die älteste Tochter gibt das Bad nicht frei: "Raus da, wir wollen auch mal rein!" Ein anderer Autofahrer fährt zu dicht auf: "Ich sollte mal kräftig bremsen, dann würde der sein blaues Wunder erleben!" Ein Kollege versäumt einen Termin: "War ja klar, dass auf diesen Spinner kein Verlass ist!" Der Chef fordert mehr Einsatz: "So eine Frechheit, ich schufte doch jetzt schon wie ein Wilder!" Der Hund des Nachbarn bellt im Garten: "Was haben die dem Vieh bloß zu fressen gegeben!?" Das Ausflugslokal ist sonntags überfüllt: "Hätte ich mir denken können, dass hier heute jeder Trottel herkommt!"

Es liegt auf der Hand, dass Menschen mit dieser Denkweise kein sonderlich heiteres Leben führen. Im Gegenteil. Wer sich zu häufig, zu intensiv und zu lange ärgert, der ruiniert nicht nur seine Lebensfreude und Leistungsfähigkeit, sondern irgendwann auch seine Gesundheit.

Hier nur einige Aspekte. Ärger lenkt ab und bremst: Er stiehlt die Zeit, Kraft und Konzentration, die man braucht, um bei den wirklich wichtigen Aufgaben voranzukommen. Ein Ärgernis am Morgen kann reichen, um alle Vorhaben zu vergessen und für den Rest des Tages nur noch an Vergeltungsstrategien zu arbeiten. Ärger degradiert: Er zerstört das Charisma und die Kommunikationsfähigkeit.

Kaum jemand bietet einen so bemitleidenswerten Anblick, wie ein Mensch, der seine Contenance verliert und als Rumpelstilzchen auftritt. Ärger macht furchtsam: Er erschüttert die Stabilität und raubt das Gleichgewicht. Wer zum Spielball seines Ärgers geworden ist, sieht nur noch die Probleme, aber nicht mehr die Lösungen. Ärger bringt neuen Ärger: Er verleiht enormen emotionalen Schub, aber leider in die falsche Richtung. Vom Ärger getriebene Handlungen bewirken fast immer Anschlussärger, der noch größer ist als der ursprüngliche.

Gewöhnen Sie sich deshalb eine neue Reaktionsroutine an, wenn Sie Missmut oder gar Wut in sich aufsteigen fühlen. Stellen Sie sich sofort die Frage, welche Bedeutung und Folgen der betreffende Vorfall in Wahrheit hat und ob es sich wirklich lohnt, hier in Rage zu geraten. Das hat zwei Vorteile. Sie kommen von der emotionalen auf die sachliche Ebene. Und Sie werden in fast allen Fällen erkennen, dass die Angelegenheit das ganze Getöse nicht wert ist. Also:

· Welche finanziellen und zeitlichen Auswirkungen hat der Vorfall für Sie?

· Welche Auswirkungen hat er in Bezug auf Ihre Reputation oder Sicherheit?

· Hat er möglicherweise auch positive Auswirkungen?

· Was können Sie aus ihm lernen, um Ereignisse dieser Art künftig zu vermeiden?

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(sueddeutsche.de)