Von Stefan F. Gross

"Schneller" ist die Lieblingsvokabel des Hektikers. Eine andere bevorzugte Formulierung lautet: "Wir müssen auch noch." Dabei ist die Welt schon unruhig genug.

Die Welt ist hektisch genug. Da braucht man als Zugabe nicht noch die Hektiker. Was aber tun, wenn doch einer in der Nähe ist? Die Grundregel lautet: sich nicht von ihm irre machen lassen!

Hektiker, iStock

Hektiker: Würde man im Kernforschungszentrum zwei Hektiker aufeinander prallen lassen, die Entstehung des Urknalls wäre ein für alle Mal geklärt. (© Foto: iStock)

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Aber Schritt für Schritt, wir wollen das Thema ja nicht hektisch angehen. Hektiker haben eine ganz eigene Verhaltensweise. Ihr Merkmal besteht darin, dass sie von notorischer Nervosität und Unruhe getrieben werden, die sie mit aller Kraft auf ihre Umwelt zu übertragen versuchen. Wenn ein Hektiker längst angeschallt im Flugzeug sitzt, dann ruft er seinem Begleiter immer noch zu: "Schneller, schneller, sonst verpassen wir noch den Start!"

Lieblingsbeschäftigung: Aktionismus

Überhaupt, "schneller" ist eine Hektiker-Lieblingsvokabel. Eine andere bevorzugte Formulierung lautet: "Wir müssen auch noch." Beide Texte kombinieren sie meist mit Warnungen: "Dusch schneller, wir müssen vor dem Frühstück auch noch den Rasen mähen, denn in drei Tagen soll es regnen und dann ist die Wiese wieder nass."

Kein Wunder, dass die bevorzugte Hektikeraktivität der Aktionismus ist. Ein halbwegs vernünftiger Mensch geht eine Arbeit nach der anderen an. Ein Hektiker versucht dagegen, sämtliche Aufgaben (auch völlig sinnlose) gleichzeitig zu erledigen - mit dem Ergebnis, dass er alles anfängt, aber nichts abschließt. Was ihn noch hektischer werden lässt.

Entstehung des Urknalls

Als Folge davon jagt er, einer sich selbst beschleunigenden Flipperkugel gleich, durch Wohn- oder Büroräume, von einer Teilaktion zur nächsten, und stets mit einem Schreckensruf auf den Lippen, der jeden anderen wissen lässt, was die Stunde geschlagen hat: "Oh je, oh je, das schaffen wir nie, schneller, schneller, wir müssen auch noch!"

Der einzige echte Nutzen von Hektikern läge deshalb auf physikalischem Gebiet. Würde man im Kernforschungszentrum Cern anstelle der üblichen Kleinteilchen zwei Hektiker aufeinander prallen lassen, die Entstehung des Urknalls wäre ein für alle Mal geklärt.

Umwelt im nervösen Chaos

Aber - eine Situation gibt es, da wird der Hektiker die Ruhe selbst. Mehr noch, er wandelt sich zur personifizierten Entspannung. Und zwar dann, wenn er es endlich geschafft hat, alle anderen mit seinem Verhalten anzustecken und seine Umwelt in ein nervöses Chaos zu verwandeln. Dann betritt er die Bühne als Fels in der Brandung, der Freunden und Kollegen auf souveräne Weise beibringt, was Gelassenheit bedeutet: "Also meine Lieben, wie kann man nur so durchdrehen, nun beruhigt Euch, nehmt Euch doch mal ein Beispiel an mir!"

Deshalb also: Lassen Sie sich von Hektikern nicht irre machen! Hören Sie ihnen am besten gar nicht erst zu. Vermeiden Sie lange Diskussionen mit ihnen. Starten Sie keine Überzeugungs- und Beruhigungsversuche. Und übernehmen Sie nicht die Hektiker-Sprache ("Ich muss jetzt noch schnell..."). Achten Sie vielmehr ganz bewusst darauf, Ihren persönlichen Rhythmus beizubehalten. Machen Sie in Ruhe einen Schritt nach dem anderen. Und wenn es trotzdem zu hektisch um Sie herum wird, dann machen Sie eine kurze Pause. Vergessen Sie nie: In der Ruhe liegt die Kraft!

Bitte schreiben Sie uns heute: Kennen Sie Hektiker? Wie gehen Sie mit Hektikern und Hektik in Ihrer Umgebung um? Vielen Dank!

Stefan F. Gross ist Managementdozent, Autor und Kolumnist. Er beschäftigt sich intensiv mit dem Thema der Verbindung von beruflichem Erfolg mit persönlicher Lebenskunst. Seine Kolumne "Lebenskunst" erscheint jeden Dienstag auf sueddeutsche.de.

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(sueddeutsche.de/bön)