Von Stefan F. Gross

Einige Menschen sehen auf ihrem Weg zur Arbeit aus, als reisten sie nicht ins Büro, sondern direkt aufs Schafott. Wie man lernt, seinen Beruf zu mögen.

Es gibt Menschen, die scheinen ihren Beruf als eine Art Schicksalsschlag zu betrachten. Sieht man sie morgens in Bus oder Bahn zur Arbeit fahren, man bekommt den Eindruck, sie reisen nicht ins Büro oder Geschäft, sondern direkt aufs Schafott oder mitten in den Hades. Von Heiterkeit keine Spur.

Pendler, dpa

Auf dem Weg zur Arbeit: Jeder Job hat einen Haken. (© Foto: dpa)

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Im persönlichen Gespräch machen sie ihre Abneigung gegen ihre Tätigkeit noch deutlicher. Wehe, man erkundigt sich nach ihrem diesbezüglichen Empfinden. Als erstes kommt ein Stoßseufzer, anschließend ein Augenrollen. Die dann folgende Litanei kann auch den bestgelaunten Zuhörer mit in den seelischen Abgrund reißen: Der Chef ist ein Idiot. Die Kollegen sind Querulanten. Die Kunden sind Verrückte. Und das eigene Aufgabenfeld ist ein steter Quell der Mühe, des Ärgers und der Enttäuschung. Alles nur Mist, die sieben biblischen Plagen waren ein Zuckerschlecken dagegen!

Halt, werden Sie sagen. So einseitig negativ sehen doch nur wenige Menschen ihren Beruf. Stimmt. Aber - Hand aufs Herz - für viele gilt eben doch, dass ihnen bestimmte Faktoren immer wieder ihre Freude an ihrer Tätigkeit rauben. Wer aber seinen Beruf nicht gerne hat, wer ständig über ihn klagt, der wird auch am Leben insgesamt kein großes Gefallen finden.

Positive Partnerschaften

Lebenskunst bedeutet deshalb, seinen Beruf zu mögen und zu schätzen, auch dann, wenn einmal nicht alles nach den eigenen Wünschen und Vorstellungen läuft. Die folgenden fünf Empfehlungen sollen Ihnen dabei helfen!

1. Mehr Realismus Denken Sie daran, dass nichts im Leben "perfekt" ist. Jede Tätigkeit hat ihre Haken, auch wenn man das als Außenstehender vielleicht nicht erkennt.

2. Gesamtbild sehen Lassen Sie nicht zu, dass Ihnen ein Einzelfaktor alles verdirbt, über das Sie sich sonst bei Ihrer Tätigkeit freuen würden.

3. Positive Partnerschaften Machen Sie eine Liste der Menschen, mit denen Sie gerne zusammenarbeiten. Kaum etwas motiviert mehr!

4. Nutzen erkennen Wenn etwas wichtig ist, dann ist es, den "Sinn" der eigenen Arbeit zu erkennen. Überlegen Sie deshalb einmal in Ruhe, welchen Nutzen und welche Unterstützung Sie Ihren Partnern mit Ihrer Arbeit liefern. Es wird weit mehr sein, als Sie im ersten Moment glauben.

5. Umgekehrte Perspektive Betrachten Sie das Bild einmal von der anderen Seite. Was würde Ihnen fehlen, wenn Sie Ihre Arbeit auf einmal nicht mehr ausüben könnten?

Bitte schreiben Sie uns: Was mögen Sie an Ihrer Arbeit besonders? Und was gibt es, das sich noch verbessern ließe?

Stefan F. Gross ist Managementdozent, Autor und Kolumnist. Er beschäftigt sich intensiv mit dem Thema der Verbindung von beruflichem Erfolg mit persönlicher Lebenskunst. Seine Kolumne "Lebenskunst" erscheint jeden Dienstag auf sueddeutsche.de.

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