Lebenskunst ist ... ... nicht nach dem Haar in der Suppe zu suchen

Manche Menschen sind hoch befähigt und doch nicht glücklich. Sie suchen ständig nach etwas, das sie auch grundsätzlich finden, sei es noch so winzig oder gut versteckt: Das Haar in der Suppe.

Von Stefan F. Gross

Es gibt Menschen, die sind hoch befähigt und doch nicht glücklich. Sie haben die Augen eines Adlers, den Spürsinn eines Trüffelschweins und die Ausdauer eines Jagdhundes. Sie suchen ständig nach etwas, das sie auch grundsätzlich finden, sei es noch so winzig oder gut versteckt: Das eine Haar in der Suppe, das ihnen alles andere vermiest!

Suppe, iStock

Das Haar in der Suppe suchen: Wer sich grundsätzlich auf die Mängel konzentriert, der wird nie zufrieden sein.

(Foto: Foto: iStock)

Vielleicht kennen Sie ja selbst den einen oder anderen Vertreter der so beschriebenen Personengruppe. Das Zusammensein mit ihnen ist nicht unbedingt eine Freude. Worum es auch geht, stets entdecken sie etwas, das ihnen nicht in Ordnung erscheint und das Gesamtbild entscheidend trübt.

Wie von einem Magneten angezogen

Ihr Lieblingswort ist "aber". Der Tisch im Restaurant ist sehr schön - aber wenn man den Kopf reckt, dann sieht man den Gang in Richtung Toilette. Es ist toll, dass man noch Kinokarten bekommen hat - aber schräg vor einem sitzt ein Riese, der verdeckt die linke untere Ecke der Leinwand. Der Powerpoint-Vortrag des Kollegen war hochinteressant - aber im schriftlichen Ausdruck fehlt eine Folie.

Und das ist nicht alles. Kaum haben sie den vermeintlichen oder tatsächlichen Mangel diagnostiziert, schon beginnen sie damit, das Thema breitzutreten. Was man auch versucht, sie kehren wie von einem Magneten angezogen zum betreffenden "Haar in Suppe" zurück und schildern ohne Unterlass die negativen Konsequenzen: "Die hätten uns auch einen besseren Tisch geben können, so verdirbt mir der Blick völlig den Appetit". Oder: "Wir hätten in eine andere Vorstellung gehen soll, der Typ vor mir wackelt ständig mit dem Kopf." Oder: "Ich hätte mir das Meeting sparen können, ohne diese eine Folie ist der ganze Vortrag wertlos für mich."

Mitmenschen auf der Flucht

Klar, dass ein solches Verhaltensmuster die eigene Stimmung nicht gerade fördert. Ein Grund ist, dass sich bei genauem Hinschauen immer etwas entdecken lassen wird, das den eigenen Wünschen zuwiderläuft. Wer sich grundsätzlich genau darauf konzentriert, der wird nie zufrieden sein. Ein zweiter Grund ist, dass man seine Mitmenschen in die Flucht treibt. Wer anderen gegenüber ständig erklärt, welche Unzulänglichkeit er schon wieder erspäht hat, der wird seine Gespräche irgendwann nur noch mit sich selbst führen können.

Lassen Sie sich also nicht von dem geschilderten Verhalten anstecken. Ersparen Sie sich und Ihren beruflichen und privaten Partnern die Suche nach der "negativen Kleinigkeit", die in Ihrer Suppe herum schwimmt oder sich irgendwo anders in Ihrem Umfeld befindet. Die folgenden drei Empfehlungen helfen Ihnen dabei:

1. Darüber hinweg sehen: Natürlich gibt es immer wieder Situationen, in denen einen auch Kleinigkeiten zu stören vermögen. Versuchen Sie in diesen Fällen ganz bewusst, ihre Gedanken nicht darauf zu konzentrieren.

2. An das Positive denken: Denken Sie stattdessen an die positiven Elemente der Lage. Zählen Sie sich selbst auf, worüber Sie sich gerade eigentlich freuen sollten.

3. Handeln: Sollte Sie der betreffende Faktor aber massiv stören, dann handeln Sie, anstatt lange zu lamentieren (setzen Sie sich also z.B. um, wenn Ihnen der Restauranttisch nicht gefällt). Dann ist das Thema erledigt.

Bitte schreiben Sie uns heute: Welche Kleinigkeiten im Alltag (Beruf, Freizeit) stören oder ärgern Sie immer wieder? Wie gehen Sie damit um?

Stefan F. Gross ist Managementdozent, Autor und Kolumnist. Er beschäftigt sich intensiv mit dem Thema der Verbindung von beruflichem Erfolg mit persönlicher Lebenskunst. Seine Kolumne "Lebenskunst" erscheint jeden Dienstag auf sueddeutsche.de.