Im Job liegen Kollegen, die gern grundsätzlich werden, ständig auf der Lauer: Mit ihren Kommentaren verletzen sie den anderen, tragen nichts zur Lösung bei und vergiften das Klima im Büro.
Kennen Sie Menschen, die immer gleich "grundsätzlich" werden? Herzliches Beileid!
Streiten mit dem Partner: Nehmen Sie keinen Einzelvorfall zum Anlass, um sich negativ zu äußern. (© Foto: iStock)
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Was diese Frage bedeuten soll? Nun, es gibt Menschen, die haben eine ganz besondere Angewohnheit, mit der sie ihren Kollegen oder privaten Partnern massiv auf die Nerven gehen können: Sie nehmen einen speziellen Einzelvorfall zum Anlass, um einen zerstörerischen Grundsatzkommentar abzuliefern, mit dem sich insgesamt negativ über eine Person und deren Fähigkeiten äußern. Und das tun sie konsequent und mit größter Wonne.
Die meisten Bespiele findet man natürlich im Privatleben. Kaum biegt man mit dem Auto mal falsch ab, schon hört man vom Beifahrersitz: "Ich wusste es schon immer, Dir fehlt jedes Orientierungsvermögen." Kaum gerät ein Nagel mal schief in die Wand, schon ertönt es aus dem Hintergrund: "Ich kann das nicht mit ansehen, Du hast ja zwei linke Hände." Kaum vergisst man mal im Supermarkt die Gurken, schon schallt einem entgegen: "Das war doch klar, auf Dich ist nie Verlass!"
Umfassendes Negativurteil
Dabei bleibt es dann aber nicht. Meist folgt als Zugabe noch eine umfassende Begründung für das Negativurteil, mit dessen Hilfe der Diffamierungs-Grad weiter gesteigert wird: "Das wundert mich gar nicht, in Deiner Familie sind sie ja alle so!" Oder: "Da kann man nichts machen, das ist einfach nicht Deine Stärke." Oder: "Du bist eigentlich der Einzige, der mittags Hunger bekommt, alle anderen können sich beherrschen!"
Aber auch im Berufsleben liegen die, die gern grundsätzlich werden, ständig auf der Lauer. Kaum sehen sie, dass ein Kollege etwas sucht, schon legen sie los: "Ist doch klar, bei dem herrscht ständig Chaos." Kaum kriegen sie mit, dass ein Kollege länger telefoniert, schon heißt es: "Der findet nie ein Ende." Und kaum hören sie, dass jemand seine Meinung ändert, so steht ihr Urteil fest: "So ein Umfaller!"
Vergiftetes Klima
Es liegt auf der Hand, dass ein solches Verhalten nicht sonderlich zu einem glücklichen Zusammenleben (oder Zusammenarbeiten) beiträgt. Im Gegenteil. Kommentare dieser Art sind in mehrfacher Hinsicht unsinnig: Sie sind sachlich völlig unangemessen. Sie verletzen den anderen. Sie tragen nichts zur Lösung bei. Sie vergiften das Klima im Büro und sie führen zu Streit in den eigenen vier Wänden.
Vermeiden Sie es deshalb, immer sofort "grundsätzlich" zu werden, wenn Sie etwas kommentieren, das Sie vielleicht stört. Nehmen Sie keinen Einzelvorfall zum Anlass, um sich insgesamt negativ über einen Mitmenschen oder bestimmte Gegebenheiten zu äußern.
Und lassen Sie sich gleichzeitig nicht von denen beirren und deprimieren, die grundsätzliche Mitteilungen der genannten Art lieben. Es sind Menschen, die auf lange Sicht gesehen nur wenige Freude gewinnen werden. Das ist Strafe genug!
Stefan F. Gross ist Managementdozent, Autor und Kolumnist. Er beschäftigt sich intensiv mit dem Thema der Verbindung von beruflichem Erfolg mit persönlicher Lebenskunst. Seine Kolumne "Lebenskunst" erscheint jeden Dienstag auf sueddeutsche.de.
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(sueddeutsche.de/bön)
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