Der eigene Job bietet viel Verantwortung und Abwechslung - aber eigentlich hat es der Kollege mit seinem ruhigen Job doch bedeutend besser. Oder?
Wie zufrieden sind Sie eigentlich mit Ihrem Leben? Sehr? So mittel? Oder etwa überhaupt nicht? Nun, wie immer Ihre spontane Antwort auch ausfällt, eine Regel ist unverzichtbar, wenn Sie Ihre Zufriedenheit erhöhen möchten: Hören Sie damit auf, das Glück auf der anderen Seite des Zauns zu vermuten!
Hat's der Nachbar besser? Genießen Sie das Vorhandene. (© Foto: iStock)
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Schon Goethe hatte das Verhalten vieler seiner Zeitgenossen genau erkannt: "Wie selten ist der Mensch mit dem Zustande zufrieden, in dem er sich befindet! Er wünscht sich immer den seines Nächsten, aus welchem sich dieser gleichfalls hinaussehnt."
Bis heute hat sich wenig daran geändert. Worum es auch geht, jenseits des Hügels scheint das Gras grundsätzlich grüner zu sein.
Wie vertraut - und wie langweilig!
Im Beruf: Klar, das eigene Aufgabenfeld liefert Verantwortung und Abwechslung - aber eigentlich hat es der Kollege mit seinem ruhigen Job doch bedeutend besser. Oder im Urlaub: Super, der Strand ein Traum und das Meer glasklar - aber jetzt eine Erkundungstour durchs Hinterland, darauf hätte man viel mehr Lust. Oder bei materiellen Dingen: Wie lange hatte man sich auf sein neues Auto gefreut - aber kaum steht es in der Garage, schon glaubt man zu wissen, dass einem die GLX-Version noch mehr gefallen würde.
Die oberste Eskalationsstufe erklimmt man dabei dann, wenn es um die privaten Beziehungen geht: Sieben Jahre hält die eigene Partnerschaft nun schon. Wie schön, diese enge Vertrautheit. Und wie langweilig! Der neue Kollege (die neue Kollegin) ist ja viel interessanter! Und sein (ihr) Lachen, so sympathisch! Und die Gespräche mit ihm (ihr), so anregend! Und, am besten, sein (ihr) Auto, es ist die GLX-Version! Ach ja, könnte man doch nur, sollte man nicht einfach...
Die Folgen liegen auf der Hand. Wer im Glauben verharrt, dass präzise das, was er gerade nicht hat, das eigentlich Erstrebenswerte sei, für den wird "Zufriedenheit" ein Fremdwort bleiben. Es kann ihm noch so gut gehen, er vermutet sein Glück stets an einem anderen Ort. Verzichten Sie also auf eine solche Denkweise. Die folgenden drei Empfehlungen sollen Ihnen dabei helfen:
1. Sehen Sie beide Seiten: Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal in Richtung "Zaun" blicken und dahinter das "bessere Leben" vermuten - dort stehen Menschen, die sehen zu Ihnen herüber und stellen sich das Gleiche vor!
2. Genießen Sie das Vorhandene: Überlegen Sie, wie Sie es ausschöpfen können, wie sehr sie es sich einmal gewünscht haben und was Sie verlieren würden, wenn Sie es nicht mehr hätten.
3. Aktivieren Sie Ihr Vorstellungsvermögen: Malen Sie sich nicht nur aus, welche Vorteile eine angestrebte Veränderung für Sie hätte, sondern auch, welche Nachteile Sie in Kauf nehmen müssten. Lohnt sich das Ganze wirklich?
Stefan F. Gross ist Managementdozent, Autor und Kolumnist. Er beschäftigt sich intensiv mit dem Thema der Verbindung von beruflichem Erfolg mit persönlicher Lebenskunst. Seine Kolumne "Lebenskunst" erscheint jeden Dienstag auf sueddeutsche.de.
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