Chance statt Angriff: Wie man richtig mit Kritik umgeht und wie man sie gekonnt austeilt. Die wichtigsten Verhaltensregeln.
Kritik ist stets ambivalent. Sie kann fördern oder verletzen. Sie kann aufbauen oder zerstören. Sie kann angemessen und zutreffend sein oder überzogen und verlogen. Auch die Wahrnehmung von Kritik wechselt je nach Perspektive. Was dem Kritiker als steinerne Wahrheit erscheint, ist aus der Sicht des Kritisierten oft genug blühender Unsinn. Bereits diese Gedanken zeigen, dass im Umgang mit Kritik Lebenskunst unerlässlich ist.
Wer Kritik austeilt, muss darauf achten, wie sie ankommt - nur dann kann sie fruchten. (© Foto: sueddeutsche.de)
Anzeige
Wir haben aber noch einen zweiten Grund, uns mit unserem Thema zu beschäftigen. Wir leben im Paradies der Kritiker! Wer in Deutschland jemanden lobt, gilt in den Augen der meisten Beobachter als Narr oder Lügner. Als Narr deshalb, weil er nach herrschender Meinung unfähig ist, zu erkennen, wie fehlerhaft oder unbedeutend die Leistung des anderen in Wahrheit ist. Oder (in konsequenter Fortführung dieser Denkweise) als Heuchler, weil er sein Kompliment vermeintlich nur deshalb macht, um den anderen zu manipulieren. Daher entschuldigen sich die meisten Menschen auch sofort, nachdem sie eine Anerkennung geäußert haben: "Das meine ich jetzt nicht als Lob, sondern ehrlich."
Ein Kritiker dagegen muss selten befürchten, von Außenstehenden schiefe Blicke zu ernten. Eine Aussage kann noch so widersinnig sein, solange sie als Kritik daherkommt, werden ihr freie Fahrt und wilder Beifall geschenkt. Denken Sie an die übliche Reaktion auf Vorschläge zur Lösung von Problemen. Ob in Politik oder Wirtschaft, kaum hat jemand eine Idee geäußert, schmettert der Kritikerchor sein Lied: "Das funktioniert aber nicht immer, das funktioniert aber nicht überall, das funktioniert aber nicht bei jedem." Lieber zehnmal zuviel kritisiert, als einmal zuviel gelobt, so lautet das Credo.
Machen Sie sich zu einem Könner im Umgang mit Kritik.
Es lohnt sich also, über den klugen Umgang mit Kritik nachzudenken. Zwei Fragen stehen im Vordergrund.
Erstens: Wie sollte man sich verhalten, wenn man der "Empfänger" der Kritik ist? Wie verhindert man, dass einem falsche oder böswillige Kritik die eigene Kraft und Stimmung raubt? Und wie gelingt es, zu erkennen und zu nutzen, was an positiven Anregungen in kritischen Kommentaren enthalten ist?
Zweitens: Wie sollte man sich verhalten, wenn man der "Lieferant" der Kritik ist? Wie vermeidet man, selbst in die Reaktionsmuster der Dauerkritiker zu verfallen? Und wie kann man einem Partner mit einem kritischen Rat Unterstützung liefern, ohne ihn zu verletzen und die Beziehung zu zerstören?
Die folgenden Empfehlungen sollen Ihnen helfen, beide Fragen zu beantworten:
Planen Sie Kritik grundsätzlich mit ein.
Kritik wirkt um so härter, je mehr man von ihr überrascht wird. Planen Sie Kritik deshalb stets mit ein. Was Sie auch tun, was Sie auch sagen, was Sie auch leisten, es wird sich immer jemand finden, der Ihnen erklärt, was Sie anders oder besser hätten machen können. Je weniger überrumpelt Sie sich davon fühlen, desto souveräner werden Sie reagieren und desto eher wird es Ihnen gelingen, zwischen einem dummen Spruch und einem klugen Rat zu unterscheiden.
Betrachten Sie Kritik als Chance.
Wie gesagt, Kritik kommt Menschen leicht über die Lippen. Aber nicht jede kritische Bemerkung ist falsch. Oder inhaltsleer. Oder boshaft. Lehnen Sie deshalb nicht kategorisch jede Art von Kritik an Ihnen ab. Wischen Sie die Äußerung des anderen nicht einfach vom Tisch. Entrüsten Sie sich nicht und verzichten Sie auf den sofortigen Gegenschlag. Reagieren Sie weder als Mimose, die alles persönlich nimmt, noch als Rächer der Enterbten, der einen Feldzug in eigener Sache startet.
Lassen Sie die Kritik vielmehr ruhig auf sich wirken. Akzeptieren Sie es, dass auch ein anderer das Recht hat, seine Meinung zu sagen. Betrachten Sie es als möglich, dass auch er etwas von der Angelegenheit versteht. Überlegen Sie, welche Substanz seine Aussage hat, in welchem Zusammenhang sie steht und was Sie aus ihr lernen können. Nutzen Sie die Gelegenheit, um mehr über sich, Ihr Verhalten und Ihre Wirkung auf andere zu erfahren. In einem Satz: Betrachten Sie eine hilfreiche Empfehlung nicht als unangenehme Belehrung!
Achten Sie darauf, wer sie kritisiert.
Geben Sie insbesondere Ihren guten und wohlgesonnenen Partnern die Freiheit, sich offen zu äußern. Stricken Sie nicht an Ihrer persönlichen Dolchstoßlegende, wenn ein Kollege Sie auf einen Fehler aufmerksam macht. Geraten Sie nicht in Rage, wenn Ihr Lebenspartner eine Veränderung von Ihnen erbittet. Die Äußerungen fremder Menschen können Ihnen gleichgültig sein. Die Gedanken Ihrer Freunde sollten Sie wach und wohlwollend beachten!
Haken Sie unberechtigte, übertriebene oder verletzende Kritik einfach ab.
Ein respektvoller Hinweis auf einen Fehler ist den meisten von uns willkommen. Kritik in Sinne einer verletzenden Bemerkung oder eines persönlichen Angriffes kann dagegen auch stabile Personen erschüttern.
Der Grund dafür ist weniger die mangelnde inhaltliche Qualität der betreffenden Aussage, als mehr die mit ihr verbundene Boshaftigkeit. Gerade für Negativ-Kritik dieser Art benötigen Sie Verhaltensregeln.
Lassen Sie sich den Affen nicht auf die Schulter setzen: Grübeln Sie nicht lange nach, ob Sie nicht vielleicht doch etwas falsch gemacht haben und was der Auslöser für den Negativkommentar gewesen sein könnte. Machen Sie sich bewusst, dass es tausend Gründe gibt, aus denen ungerechtfertigte oder gehässige Kritik erwachsen kann - Neid, Dummheit, Arroganz, Besserwisserei. Oder eigener Misserfolg des anderen. Die Liste ist endlos.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Moderne Verwaltung