Künstlerische Berufseinsteiger Galaxie neuer Künste

Das Modell Produzentengalerie erleichtert jungen Künstlern und Galeristen den Einstieg in die Kunstszene. Und das sehr erfolgreich.

Von Laura Weißmüller

Der Traum eines Künstlers, von einer Galerie vertreten zu werden, scheitert meist schon an der Bewerbung: "Sich mit einer Mappe dort vorzustellen - das geht gar nicht. Die wandert ungesehen wieder zurück", erzählt der junge Künstler Torsten Solin. Während des Studiums könne man das schon mal machen, aber definitiv nicht mehr danach.

Gerade Hochschulabsolventen haben es deswegen schwer, sich professionell zu präsentieren: Außer auf ihrer Diplomausstellung können sie ihre Arbeiten nur auf temporären Ausstellungen zeigen. "Aber da lassen sich die Leute nicht so leicht hinlocken", weiß Solin.

Um das Klinkenputzen zu vermeiden und trotzdem entdeckt zu werden, hat der Dresdner Absolvent der Hochschule für Bildende Künste zusammen mit sieben Künstlern letzten Herbst die Produzentengalerie "Komet Berlin" gegründet. Das Konzept solcher Galerien basiert auf dem rechtlichen Konstrukt einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts, zu der sich Künstler zusammenschließen, um sich gemeinsam zu vermarkten. Risiko und Kosten des Unternehmens werden geteilt, indem jeder Teilnehmer anfangs eine bestimmte Einlage zahlt. So finanziert die Künstlergruppe Fixkosten, aber auch die Ausgaben für Ausstellungen. Nach Ablauf von etwa zwei Jahren und mindestens einer Einzel- sowie einer Gruppenausstellung jedes Künstlers endet in den meisten Fällen das Projekt.

Soweit die Ursprungsidee von Produzentengalerien - doch bei Komet Berlin ist zusätzlich noch die 29-jährige Studentin Denise Jänig als Galeristin an Bord. Der professionelle Anspruch ist dadurch klar definiert - und wird in Berlin immer beliebter: Mit Pressearbeit, Künstlerbetreuung und intensiver Kundenpflege möchte man so schnell wie möglich in der Liga der etablierten Galerien mitspielen. Was nicht wirklich verwundert, gibt es doch allein in der Hauptstadt aktuell 438 kommerzielle Galerien; Tendenz steigend, wie der Landesverband Berliner Galerien stolz vermeldet.

Fernziel Art Basel

Wer sich da als Künstler und Galerist nicht prominent platziert, geht gnadenlos unter. "Eine Produzentengalerie ist für den Künstler eine Möglichkeit, herauszufinden, ob man sich eher als Off-space-Künstler wohlfühlt oder ob das Fernziel doch Art Basel heißt", erklärt Birgit Ostermeier, die von 2005 bis 2007 die Produzentengalerie "Diskus" geführt hat und mit ihren neun Dresdner Bildhauern eher Letzteres im Sinn hatte.

Wie gut das Modell mit Geschäftsführer funktionieren kann, hat zum ersten Mal 2002 Christian Ehrentraut mit der Galerie "Liga" bewiesen, immerhin die Geburtsstätte der Neuen Leipziger Schule. Insgesamt elf junge Maler - allesamt Absolventen der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst - schlossen sich damals in der Liga zusammen, casteten den Eigen+Art-Assistenten Ehrentraut als Galeristen und erlebten alsbald einen fulminanten Einstieg in den internationalen Kunstmarkt. Die Messlatte für die Nachfolger lag damit hoch.

"Der Erfolg von Liga war einmalig", stellt Birgit Ostermeier klar. Weder hätten sich ihre jungen Bildhauer für eine ähnliche Labelbildung wie die Leipziger Maler geeignet, noch wären deren sperrige Arbeiten ähnlich gut verkäuflich gewesen wie die figurative Malerei der Neuen Leipziger Schule. Trotzdem gibt es zahlreiche Parallelen zwischen dem Senkrechtstarter Liga, der 2004 planmäßig eingestellt wurde, und den Nachfolgeprojekten - nicht zuletzt bei den Berufsanfängern, die in solchen Galerien das Künstlerprogramm füllen. Nahezu zeitgleich und ebenfalls in der Brunnenstraße wagten sich so neben "Diskus" mit der Produzentengalerie "Amerika" 20 junge Leipziger Künstler unter der Geschäftsleitung von Sebastian Klemm mit ihren Arbeiten an die Öffentlichkeit. Sowohl bei Diskus als auch bei Amerika kamen die Teilnehmer sämtlich frisch von der Kunstakademie.

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