Der Chef ist der Chef, und damit basta. Aber wer jemanden wegen einer Frikadelle entlässt, sollte selber gehen.
"Quod licet jovi, non licet bovi" hat schon der Lateiner gesagt, was Jupiter erlaubt ist, ist dem Rindvieh noch lange nicht erlaubt. In einer demokratischen Gesellschaft gilt das nur noch eingeschränkt, denn vor dem Gesetz ist, zumindest in der Theorie, jeder gleich. Unternehmen (oder wie in diesem Fall: Verbände) sind aber in der Regel keine demokratischen Organisationen. Da ist der Chef der Chef, sein Wort gilt und damit basta.
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Die Frikadelle auf dem Buffet für den Chef wurde zwei Sekretärinnen in Nordrhein-Westfalen zum Verhängnis. (© Foto: iStock)
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Daraus folgt aber auch eine besondere Verantwortung. Wer selber Privilegien genießt und ganz selbstverständlich in Anspruch nimmt, darf die Maßstäbe nicht aus den Augen verlieren. Im Falle der beiden Sekretärinnen beim Bauverband Westfalen, die fristlos entlassen wurden, weil sie vom Buffet des Chefs zwei Brötchenhälften und eine Frikadelle gegessen haben, ist genau das geschehen: Die Entscheidung ist im buchstäblichen Sinne maßlos und deshalb unerträglich. Entscheidungen wie diese gefährden den Frieden in einer Gesellschaft.
Es wird in solchen Fällen gerne mit dem Vertrauensverlust argumentiert. Es komme nicht auf die Höhe des Schadens an, sondern auf das zerstörte Vertrauen, das auch ein kleiner Verstoß schon nach sich ziehe. Doch wer fragt eigentlich nach dem zerstörten Vertrauen, wenn Chefs durch Fehler und Machtallüren das Klima im Unternehmen zerstören?
Da gibt's dann zum Abschied meist noch eine Abfindung. Wer eine Sekretärin entlässt, weil sie eine Frikadelle gegessen hat, der muss auch den Manager entlassen, der seinen Fahrer losschickt, um die Blumen für die Gattin abzuholen. Im Falle des Bauverbandes Westfalen sollten nicht die Sekretärinnen, sondern der Chef gehen. Er scheint zur Führung von Mitarbeitern völlig ungeeignet zu sein.
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(SZ vom 09.10.2009/holz)
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Dass der Arbeitgeber Größe hätte zeigen können, ist das eine. Aber zu fordern, der Rechtsstaat möge sich doch bitte schützend vor Diebe stellen, ist dann doch starker Tobak. Vielleicht könnte dann ja auch eine kleine Ohrfeige in Ordnung sein...?
@niewiederschröder "Welcher normale Mitarbeiter hat denn noch Vertrauen in eine immer unverschämter sich bereicherned Kleptokratie, wie sie inden meiste Großkonzernen herrscht,- und da gehts nicht und Brötchen und Bouletten sondern meist um viele Millionen, die von andern, den Boulettendieben erarbeitet worden sind."
Man hätte es nicht besser auf den Punkt bringen können.
...ist eine Kündigung m.E. etwas übertrieben.
Aber generell ist wohl jedem klar: Wer in der Arbeit klaut gehört rausgeschmissen.
Da habe ich auch schon in fast allen Jobs negative Erfahrungen gemacht, z.B. bei der Spesenabrechnung für einen Messeaufenthalt wurden 10e abgezogen, da es an einem Abend ein Firmenessen gab - Chef aber least sich alle paar Jahre einen neuen Protz-SUV, obwohl er nur 3-4x im Jahr Außentermine hat.
Die Bereicherungsmentalität ist halt gesellschaftlich längst normal geworden.
ist der "Frikadellendiebstahl" nur ein billiger Vorwand um eine ohnehin geplante Kundigung möglichst billig durchzuziehen.
Der sogenannte Chef wollte wohl die Sekretärin aus nicht objektiven Gründen loswerden, bei der langen Firmenzugehörigkeit wäre das als ordentliche Kündigung schwer und teuer geworden, also muss irgend ein Vorwand her.
Solche Chefs braucht wirklich keiner. Aber dieser Typ ist gerade in derartigen Verbänden weit verbreitet, da hier in aller Regel nicht gerade die Kompetenz haust.
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